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09.04.11 Mutige mobben nicht, von Inge Kloepfer

Inzwischen ist das Thema Cybermobbing längst in Berlin und hier auch an den Schulen vermeintlich bürgerlicher Kieze angekommen. Offenbar mit Verspätung, denn meine Neffen und Nichten in Frankfurt diskutierten darüber schon vor einem halben Jahr, während wir uns hier in der Hauptstadt noch auf der Insel der Seligen wähnten.

Jetzt hagelt es Informationen vom Senat und Landeselternbeirat, von der Schulverwaltung und dem Direktor. Ich bekomme fotokopierte Zettel von meinen Kindern überreicht und haufenweise aufgeregt verbreiteter e-mails zum Thema. Sie enthalten Ratschläge und Tipps, wie mit diesem abscheulichen Phänomen des Internet-Mobbing umzugehen ist. Da werden dann Workshops angeboten und Medientrainings, von denen man jetzt schon ahnt, dass sie dem Phänomen bestimmter Webseiten wie nicht beikommen werden.

Denn eines fehlt in der ganzen Diskussion. Und das ist die Aufforderung an Eltern und Lehrer, den Kindern zu vermitteln, dass man Kritik nicht anonym zum Besten gibt, sondern zu seiner Meinung steht und dass alles andere gemein und vor allem feige ist. Dies zu vermitteln gelingt allerdings nicht en passant, es ist Teil jahrelanger Erziehungsbemühungen. Denn für eine solche Einstellung braucht man Mut und Stehvermögen. Und beides entsteht nicht über Nacht.

In der Klasse meiner Tochter ließ sich unlängst die Englisch-Lehrerin, eine junge Referendarin, von ihren Schülern mit Hilfe eines Fragebogens beurteilen. Sie gab ihnen die Möglichkeit, diesen anonym auszufüllen. Die Schüler schrieben reichlich Lob und Kritik in die dafür vorgesehen Felder und gaben die Fragebogen zu ihrem Erstaunen mit Namen (!) wieder ab. Anonymität wollten sie nicht in Anspruch nehmen. Das wäre ihrer Meinung nach einfach nicht fair gewesen. In dieser Klasse ist Cyber-Mobbing glücklicherweise (noch?) kein Problem.

 

30.03.11 Frauen, hört endlich auf zu streiten!

Wenn Frauen über Frauen reden, gibt es grundsätzlich Streit. Das lässt sich gerade wieder trefflich beobachten, wenn sich die zuständigen Ministerinnen mit den Personalvorständen der 30 großen  Dax-Konzerne zusammensetzen, um über das leidige Thema der fehlenden Frauen in Führungspositionen zu sprechen. Arbeitsministerin von der Leyen ist inzwischen von der Notenwendigkeit einer Quote überzeugt  - das war sie vor zwei oder drei Jahren noch nicht. Doch sie hat gesehen, dass sich in dieser Zeit kein Deut geändert hat. Familienministerin Kristina Schröder indes setzt trotzdem weiterhin auf Freiwilligkeit und will sich die Malaise von den Männern in der Wirtschaft lieber genau erklären lassen. Und die Männer:  Sie können sich das Schauspiel getrost anschauen, ohne zum Handeln gezwungen zu sein.

An Absurdität ist dieses Theater nicht mehr zu überbieten. Es ist alles gesagt, und nichts passiert. Nur, dass immer einmal wieder einer andere Frau  ein wenig Wasser auf die Mühlen dieses unsäglichen Kulturkampfes kippt. Bascha Mika zuletzt, die den Frauen die Schuld an ihrer Abwesenheit in Führungsgremien selbst  in die Schuhe schob.

Wie aberwitzig – wo doch vielen Personalchefs eine gesetzlich festgelegte Frauenquote sogar entgegenkäme. Dann nämlich könnten sie mit Fug und Recht jene Beförderungslisten ihrer Mitarbeiter monieren, auf denen von zehn Vorschlägen wieder einmal nur einer weiblich ist. Besser noch: So etwas käme gar nicht mehr vor.

Aber nein, dem stehen vor allem die Frauen im Wege. Viele wollen es nicht, interessanterweise überwiegend genau jene, die von sich gerne behaupte,   es „allein“ geschafft zu haben. 

Schade eigentlich, dass die Frauen vor allem aufgrund ihrer Uneinigkeit in eigener Sache ihrem Aufstieg selbst im Wege stehen.  So ist das mit den Frauendisputen. Wir können also weiter darauf warten, dass  mehr Frauen in Führungspositionen kommen.  Denn so wird niemals etwas daraus.

Liebe Geschlechtsgenossinnen, Mütter  oder nicht, hört endlich auf zu diskutieren. Versucht es mit einer Quote und schafft sie wieder ab, wenn sie nichts bringt.  Schlechter, als es derzeit um die Präsenz von Frauen in Führungspositionen bestellt ist, kann es auch mit Quote nicht mehr werden.

Inge Kloepfer

26.01.11 Am Ende blieben nur die Glaubensmänner

Gerade frage ich mich, was Sie so treiben, liebe Frau Unverzagt. Wir haben lange nichts mehr voneinander gehört. Umso mehr drängt es mich, Ihnen von folgender Begebenheit erzählen.
Am Mittwoch fand im Bundesministerium für Arbeit die Abschlussveranstaltung des „Europäischen Jahres 2010 gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ statt. Die EU, das muss man wissen, stellt jedes Jahr unter ein bestimmtes Motto, um Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken und ein paar Menschen in Bewegung zu setzen. 2010 war es just dieses.

Die Aktionen der Bundesregierung waren bei unserer Sozialministerin Ursula von der Leyen angesiedelt, die ja seit jeher gegen Armut und Ausgrenzung predigt. Eine hübsche Homepage hat das Ministerium dazu in Auftrag gegeben, reichlich soziale Projekte ausgewählt und unterstützt und sich Anfang vergangenen Jahres mit einer Hand voll prominenten Botschaftern auf einer viel beachteten Auftaktveranstaltung in die Arbeit gestürzt. Da tauchten dann Reinhold Beckmann und Heinz Bude auf, Pater Paulus und Arche-Gründer Siggelkow. Sie sollten die Botschafter dieses Jahres sein und das Thema ins Bewusstsein der breiten Schichten tragen, die von Armut selbst nicht betroffen sind. Aber nicht nur die, auch Margot Käßmann und noch ein paar andere waren auserwählt.


Haben Sie davon eigentlich etwas mitbekommen? Wenn nicht, dann würde es mich nicht wundern. Zwar wurde im Ministerium unaufhörlich an diesem und für dieses Jahr gearbeitet. Doch fand das meiste im Hintergrund statt. Von den Botschaftern war jedenfalls nicht viel zu sehen. Auf der Abschlussveranstaltung sollte schließlich Bilanz gezogen und „mit neuem Mut“ – so jedenfalls das Motto – in die Zukunft geblickt werden.

Doch ging die Veranstaltung ging sang und klanglos im Berliner Polit-Alltag unter. Der Glanz der Ministerin war ihr nicht mehr vergönnt. Die hatte offenbar wichtigeres zu tun. Sie blieb ihr fern, schickte noch nicht einmal einen ihrer Staatssekretäre, um den eifrigen Helfern an der Front die Ehre für ihr Engagement zu erweisen.  Die waren nämlich gekommen und hatten ihre Projekte noch einmal ausgestellt. Das ministerielle Desinteresse entging den Beteiligten nicht. Angeblich waren es Zeitgründe, die der Anwesenheit entgegenstanden. Die Enttäuschung darüber war groß. Und das Unverständnis ebenso, hatte die Ministerin doch am Anfang dieses Themen-Jahres noch mit so viel Verve für den Kampf geworben. Wer erinnert sich nicht an dieses hübsche, in allen Zeitungen veröffentlichte  Foto der Ministerin und ihren Armutsbotschaftern singend mit dem Straßenchor?

Diesmal hatte sich lediglich ein Abteilungsleiter des Ministeriums hatte  sich in den Lichthof hinab begeben, der wenig leuchtete. Die Prominenz hätten ja nur eine halbe Stunde kommen müssen! Von „neuen Mut“ also keine Spur. Es redeten wieder jene, die mit dem Thema Armut so oder so vertraut sind – und blieben am Ende mit der Frage unter sich, wie sehr der ansonsten omnipräsenten Ministerin und den so prominenten Botschaftern denn wirklich am Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung gelegen ist.
Gekommen waren die Glaubensmänner. Bruder Paulus und Bernd Siggelkow, obwohl auch sie sicher viel beschäftigt und viel gefragt andere Termine hätten vorziehen können. Aber das taten sie nicht. Sie blieben bis zum Schluss. Immerhin.
Mal ehrlich, diese Veranstaltung war wieder so ein Lehrstück des politischen Alltags, das allzu deutlich machte, warum sich in den zehn Jahren, die wir hier über Armut und Ausgrenzung reden, an den Problemlagen nicht wirklich etwas geändert hat.
Es grüßt Sie unverdrossen Ihre
Inge Kloepfer

23.11.10 Die Debatte muss versachlicht werden - von Inge Kloepfer

Liebe Frau Unverzagt,

die Feminismusdebatte rockt und rockt. Da stellt sich mir inzwischen doch die Frage, ob wir Frauen uns mit dieser öffentlich ausgetragenen Streiterei nicht selbst schaden. Denn dass in Sachen Gleichberechtigung - vor allem, wenn Macht auch noch mit Geld verbunden ist - noch viel zu tun bleibt, steht wohl außer Frage. Gucken Sie mal, was der Sektionsrat der Sektion Frauen und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie dazu meint. Ich denke: Recht hat er.

Es grüßt Sie Ihre Inge Kloepfer

 "..Unterhaltsam ist eine solche Berichterstattung über Feminismus und Geschlechterpolitik auf der Ebene von Klatsch und Tratsch bestenfalls für diejenigen, die sich ins Fäustchen darüber lachen, wenn es gelingt, die Geschlechterthematik auf die Ebene der alltäglichen und als privat geltenden Angelegenheiten zu reduzieren, aus der sich die Politik doch bitte schön rauszuhalten habe.

Ärgerlich und schädlich ist diese Art der medialen Inszenierungen aber, weil sie den Feminismus wie auch die Frauen- und Geschlechterpolitik als Strategien und Praktiken des intervenierenden Handelns und eingreifenden Gestaltens schlicht ignorieren, sie für überflüssig oder gar als politisch gefährlich halten, weil sie sich in angeblich private Angelegenheiten regulierend einmischen wollen. Feministische Bemühungen werden hier als die Ansinnen einer

untergehenden Spezies präsentiert, so als gäbe es derzeit keine geschlechterpolitischen Notwendigkeiten und Erfordernisse, ökonomische und soziale Ungleichheiten, etablierte Wahrnehmungen und Denkweisen zu durchbrechen, um neue Handlungsräume für Männer und Frauen und deren Zusammenleben zu öffnen. Die Frauen-Quote erscheint in dieser Art der Diskussion und Präsentation als blanke Ideologie und Dogma, so als wäre es überflüssig neue Partizipationsstrategien auszuprobieren und sie als politische Steuerungsinstrumente zu bilanzieren. Der Zusammenhang von Herrschaft und heterosexuellem Geschlechtsverkehr wird von Frau Schröder als „falsch" deklariert, so als wären Frauenhandel, Zwangsprostitution und Kinderpornografie nicht Ausdruck von Herrschaftsverhältnissen, die nach politischer Regulation verlangen. Gleichermaßen ist das Diktum Simone de Beauvoirs „Wir werden nicht als Frauen geboren, wir werden es" nicht nur eine Frage des Verhältnisses von Biologie und Gesellschaft, zu der auch eine Ministerin Stellung beziehen kann, sondern eben auch eine Aufforderung zur Gestaltung der Geschlechterbeziehungen und der Geschlechterverhältnisse, die im Zentrum von Familienpolitik liegen.

Wir plädieren dafür, auch beim Geschlechterthema zu den politischen Inhalten zurück zu kehren, statt die Thematik zum Gegenstand von Rhetorik, Glaubensfragen, Spott und Süffisanz zu machen...." 

14.11.10 Nicht reden, fliegen - von Gerlinde Unverzagt

Was für eine schöne Koinzidenz, liebe Frau Kloepfer! Da habe ich vor ein paar Tagen frühmorgens mit meinem Kaffee im Bett gesessen und die Zeitung nach Amüsantem, Nachdenkenswertem und Bedenklichem durchforstet und finde eine Rezension des neuesten Buches von Elisabeth Badinter, die mir erklärt, dass die hochmögende Französin der Meinung ist, dass das Stillen an allem schuld ist. Weil das jetzt wieder die Frau versklavt. Hä, habe ich gedacht, was soll das denn? Wieso eigentlich immer das Schöne irgendwie politisch unkorrekt ist, keine Ahnung. Alles, was Spaß macht, ist politisch unkorrekt, unmoralisch oder macht fett. Wie kann es denn eigentlich sein, dass mir als Frau seit gefühlten zweihundert Jahren von irgendwelchen advanced-feminism-models erklärt wird, was ich jetzt gut und was ich jetzt blöd finden soll. Als ob ich das nicht selber merken würde! Dass kinderlose weibliche Personen wie Simone de Beauvoir in der Domestizierung der Frau als Mutter die Kröte am Brunnen erspähen – geschenkt. Sie hat ja auch viel Kluges geschrieben. Dass ich-weiss-nicht-was-lose mutmaßlich weibliche Personen wie Alice Schwarzer den Urgrund der Unterdrückung in der Sexualität gefunden haben – meinetwegen. Immerhin hat sie den kleinen Unterschied entdeckt, der (privatissimo) nicht wirklich ins Gewicht fällt und sich bei Bedarf, hm, lustvoll steigern lässt. Da kann ich mit eigenen schlechten Erfahrungen nicht helfen. Und Geisteswissenschaften zu studieren, soll jetzt der Anfang von allem Irrtum, von Dispo, Hartz IV und wer weiß nicht was für Schrecklichkeiten sein? Sorry, liebe Simone, liebe Alice, liebe Kristina. Ich habe heute Abend kein Bild für euch.

So schlimm fand ich es nämlich nun wirklich nicht. Und der Gedanke, den eigenen Erfolg nicht etwas zu verdanken, was einem nun mal in die Wiege gelegt ist, sondern dem, was man daraus macht, punktet bei mir immer. (Wussten Sie eigentlich, dass man betriebsintern bei einer großen deutschen Fernsehanstalt die Frauenquote Mösenbonus nennt? Igitt. Da wollte ich nicht tot über´m Zaun hängen, nicht mal als Chefin!) Deswegen regt mich nur noch auf, wenn Frauen für dieselbe Arbeit weniger Geld kriegen als Männer – auch aus aktuellem Anlass.

Vielleicht habe ich auch nur den Schuss nicht gehört: Frauenfeindlichkeit ist mir nie begegnet, außer beim Berliner Kopfsteinpflaster, das hinterhältig und total gemein über hohe Absätze herfällt. Deshalb meide ich das F-Wort zur Selbstbeschreibung, liebe Frau Kloepfer, wahrscheinlich bin ich keine Feministin. Ja, ich musste sogar über Henryk M.Broders Vorschlag lachen, die Klitorisbeschneidung zum Weltkulturerbe zu erklären. Obwohl ich da echt niemals zustimmen würde.

Gleichwohl danke ich Alice Schwarzer und den Blaustrümpfen der Vergangenheit für die Erweiterung des weiblichen Spielraums: Wahlrecht, eigenes Konto, erben, bestimmen, berufstätig sein dürfen, Abtreibung – was man halt so braucht, um schalten und walten zu können im eigenen Leben. Das erinnert mich an die Geschichte mit dem Adler und dem Spatzen, die gewettet haben, wer höher fliegt. Der Adler, klar. Doch der Spatz setzte sich halt auf dessen Flügel, was dem Adler entging. Oben, sehr weit oben angekommen, sah der Adler den Spatzen nicht, der sich noch höher, noch weiter, noch berauschter empor schraubte. Und weil die Energie stets der Aufmerksamkeit folgt: reden wir einfach nicht mehr über Kristina Schröder.

Fliegen wir einfach los! Und seien wir dankbar!

Ich grüße Sie herzlich,

Gerlinde Unverzagt

 

09.11.10 Durchschaubare Feministenschelte - von Inge Kloepfer

Sind Sie eigentlich eine Feministin, liebe Frau Unverzagt. Ich bin es jedenfalls nicht. Ich weiß schon gar nicht, wie  man heute genau Feminismus definiert. Dass Alice Schwarzer eine Feministin ist, habe ich natürlich schon mitbekommen. Dass Simone de Bouvoir eine war, wusste ich auch. Wofür die beiden genau gekämpft haben – da muss ich googeln. Hm, natürlich gegen den Paragraphen 218, durch den Alice Schwarzer mit ihren öffentlichen Bekenntnis im Stern „Ich habe abgetrieben“ so richtig bekannt geworden ist. Nun denn…

Allgemein bekannt ist mir zudem, dass sich der Feminismus in drei Wellen vollzogen hat, wovon die erste, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm, eigentlich die interessanteste war. Da gab es ja auch noch so richtig etwas zu kämpfen – gegen allerlei himmelschreiende Ungerechtigkeiten. Da war der Kampf der Frauen für das Recht auf Arbeit und damit ökonomische Unabhängigkeit, der Kampf um das Wahlrecht, der Kampf um Bildung – alles enorme Errungenschaften, die für uns heute Selbstverständlichkeiten sind.

Vielleicht musste ich deshalb auch gar nicht erst zur Feministin werden.

In der zweiten Welle, also Schwarzers etwa, ging’s um andere Dinge, vor allem um die Sexualität, die – nach Schwarzer – der Ursprung der Unterdrückung der Frau durch den Mann sein soll. Natürlich, Frauen werden unterdrückt, manchmal aber auch Männer. Sexualität ist dafür ein Mittel. Ob das aber der Ursprung ist, kann ich eigentlich nicht beurteilen. Ich meine nicht.

Da allerdings gehen die Meinungen offensichtlich aber auseinander. Denn die Feministin Alice Schwarzer denkt so. Und daran muss sich jetzt wiederum unsere junge, karrierelustige Familienministerin abarbeiten. Soll sie ruhig. Aber warum?

Weil sie damit den Frauen gleich ordentlich eins auswischen kann. Nämlich, dass sie andernorts selbst an ihrer vermeintlichen Unterdrückung schuld sind -zum Beispiel im Berufsleben. Wenn sie nur Geisteswissenschaften studierten, statt Naturwissenschaften oder gar Ingenieurswesen, dann sei ihnen, den schlechter Bezahlten, auch nicht mehr zu helfen. Aha!

Hier liegt die Fehlannahme und auch die eigentliche Unverschämtheit unserer etwas lebensunerfahrenen Ministerin. Denn schlechter bezahlt werden Frauen auch bei gleicher Tätigkeit. Physiker und Physikerin bekommen für die gleiche Arbeit eben noch immer nicht überall das gleiche Geld. Ist das allein die Schuld der Frauen? Da hätte ich dann auch gerne mal die Antwort unserer Ministerin, die jetzt als Neo-Konservative punkten will. Wahrscheinlich bleiben in ihren Augen die Frauen noch immer die Schuldigen: Weil sie Kinder kriegen und einfach pausieren oder weil sie immer schlecht verhandeln.

Selbst wenn es so wäre, dann würde das noch lange keine Schuldzuweisungen rechtfertigen, sondern die Frage, was sich ändern muss. Da aber bleibt die Ministerin die Antwort schuldig. Schlimmer noch: Sie stellt die Frage erst gar nicht.

 Kein Wunder: Sie selbst hat es ja geschafft. Natürlich nicht aus eigener Kraft, sondern auf dem Partei-Ticket und dem fast-track des Länderproporzes. Aber das hat sie längst vergessen. Schreiben wir sie einfach ab. Denn von ihr können wir wirklich nicht allzu viel erwarten. Schon gar nicht kluge Fragen. Da haben die ihr so verhassten Feministinnen für Frauen wirklich mehr getan.

Es grüßt Sie

Ihre Inge Kloepfer

 

23.10.10 Warum die Gleichmacherei? - Von Gerlinde Unverzagt

Mutterschutz – uff, sowas kenne ich ja nur aus der Zeitung, liebe Frau Kloepfer.Denn ich als Selbständige bin nie in den Genuss der Schutzwürdigkeit reproduktiven Engagements gekommen. Macht ja nichts, dasselbe passiert auch Hausfrauen, Organmitgliedern, Geschäftsführerinnen juristischer Personen oder Gesellschaften und Adoptivmüttern. Die sind auch alle nicht schutzwürdig.

Allerdings hätten mich juristische und pekuniäre Schutzschilde auch niemals davon abgehalten, Fruchtbarkeitslust und Mutterfreuden in die Tat umzusetzen. Soll der neue und bestimmt eminent wichtige Vorstoß der noch viel wichtigeren EU-Politokratinnen von 20 statt 14 Wochen Eiapopeia für Mama und der zweiwöchige, vollbezahlte Schnupperkurs in Sachen Windel, Wandel und Wunder des Aufwachsens für Papa vielleicht der grassierenden Gebärverweigerung auf die Beine helfen? Oder die eine oder andere Profilneurose heilen? Oder wozu ist das Argument gut, es müsste überall in Europa genau gleich sein? Vereinheitlichung, pardon, war noch nie ein guter Kompass, um den ganz ureigenen Weg im Leben zu finden. Cui bono? Wem verdammt noch mal nutzt das eigentlich? Müttern, die das Kinderkriegen nicht als Lebensaufgabe in des Wortes dunkelster Bedeutung verstehen, jedenfalls nicht.

Sorry, das klingt viel zu böse. Natürlich gönne auch ich jeder Mutter 20 Wochen Baby-Honeymoon bei vollem Gehalt von ganzem Herzen. Kann bestimmt ganz schön sein. Muss es aber nicht.

Selbstverständlich macht das die Einstellung von Frauen zwischen 20 und 40 für ihre Arbeitgeber viel zu teuer. Ein Danaer-Geschenk. Das Nachsehen hat – nicht der Arbeitgeber. Ehrlich gesagt, wenn ich ein Unternehmer wäre, würde ich mich als mit dem Klammerbeutel gepudert betrachten, wenn ich auch nur in Erwägung zöge, junge Frauen einzustellen, die beim Gang durch Ikea in der Kinderabteilung plötzlich in schrillen Diskant verfallen und Sachen süß finden.

Das für mich noch schwerer wiegende Argument ist: Kaum darf man etwas, muss man es auch. There ist nothing like a free dinner – und das gilt schon lange auch für staatliche Wohltaten, besonders für die a lá EU: Diejenige Art von Terror, für die der dahingehend Beschützte Dank schuldet, oder wenigstens Wohlverhalten. Was ist mit Frauen, die sich vier Wochen vor Termin topfit fühlen und eine Woche nach Termin schon wieder ziemlich okay? Die dürfen nicht arbeiten! Selbst, wenn sie´s wollen! Genau wie topfitte Mitsechziger, die gerne weiterhin für ihr Geld arbeiten wollen. Sie dürfen´s nicht!!! Und das finde ich, mit Verlaub, viel schlimmer als 14 Wochen nach der Niederkunft auch beruflich wieder auf beiden Beinen stehen zu wollen.

Peanuts, das Krakelen um den Mutterschutz: Wenn es wirklich um den Mutterschutz ginge, müssten alle Mütter gemeint sein. Nicht nur die, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, sondern auch die, die arbeiten. (Und tun sie das nicht alle?) Mütter müssten die Wahl haben, wie sie´s haben wollen. Sie müssten gefragt werden, wovor genau sie sich am meisten Schutz wünschen und zwar bevor man ihnen vorsorglich Artenschutz gewährt. Lärmschutzverordnungen, gerichtsaffine Nachbarn, schlechte Lehrer – da gehe ich völlig d´accord mit Ihnen und könnte die Liste meiner Wünsche gegen unendlich fortsetzen. (Und füge aus aktuellem Anlass die Forderung nach Schutz vor gemeinen Fahrraddieben an. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll). Nur soviel noch: Warum sollte eine Mutter nur am Anfang ihrer Laufbahn staatliche Leckerlis in Form von Zeit und Geld bekommen? Wenn die Kinder größer werden, braucht man doch viel mehr davon!!!

Ich grüße Sie  – mit Fontanes Worten: Es beschäftigt mich einmal mehr die Frage: Was soll der Unsinn?

Herzlich,

Gerlinde Unverzagt

20.10.10 Falscher Schutz der Mütter - von Inge Kloepfer

Ich frage mich gerade, liebe Frau Unverzagt, wie Sie eigentlich durch die Herbstferien kommen. Ich habe meine Kinder allesamt verschickt und kann mir deshalb reichlich Gedanken machen: über Intergration, Multikulti und sein vermeintliches Scheitern, Fachkräftemangel oder auch über die Verlängerung des Mutterschutzes, was ja unser ureigenstes Thema wäre. 20 Wochen voll bezahlten Mutterschutz statt wie bisher 14, und zwei voll bezahlte Väter-Urlaubswochen dazu – wie finden Sie das eigentlich?

Heute wird das Europäische Parlament darüber abstimmen. Und dann werden wir sehen, ob in Deutschland „rosige“ Zeiten anbrechen. Als sophisticated mum wäre ich natürlich geneigt, dieses Reformvorhaben zu begrüßen und all jenen, die voll arbeitend demnächst Mütter werden, das Geld und die Zeit zu gönnen. Aber dann frage ich mich doch, ob so eine Reform für junge Frauen wirklich hilfreich ist. Ich denke nicht. Sie werden für ihre Arbeitgeber teurer. Sie werden in Bewerbungsgesprächen noch mehr als heute schon mit einem Risikoaufschlag versehen, wenn sie sich im gebärfähigen Alter befinden.  Will heißen: Es wird für Arbeitgeber unattraktiver, junge Frauen einzustellen, und riskanter. Und wer wollte als junge Frau schon ein Risikofaktor sein. Von zusätzlichem Schutz kann bei den Reformplänen jedenfalls keine Rede sein. Am Ende schadet das den Frauen. Viel besser wäre es, den Mutterschutz einfach zu verschieben. Weniger Zeit vor der Geburt, mehr Zeit danach. Denn wie viele Frauen fühlen sich auch vier Wochen vor Termin noch richtig fit und gingen gern weihterhin zur Arbeit, wenn das aus Gründen der Versicherung nicht ganz unmöglich wäre. Aber so etwas steht ja gar nicht zur Debatte.

Wenn die Brüsseler Politiker schon über einen erweiterten Schutz der Mütter nachdenken, dann gäbe es wirklich bessere Themen als die Verlängerung der 14 auf 20 Wochen. Denn Mütter sind und bleiben schutzbedürftig – das ist schon richtig. Man schütze uns zum Beispiel vor unnachsichtigen Nachbarn, vor Lärmschutzverordnungen, vor miserablen  Lehrern, oder auch vor den vielen Schulferien, womit wir wieder bei unserem Lieblingsthema wären.

Es grüßt Sie nach langer Zeit endlich wieder

Ihre Inge Kloepfer

25.08.10 Bravo: Zum Schulstart Unterrichtsausfall - von Gerlinde Unverzagt

Wie, liebe Frau Kloepfer, ist es denn bei Ihnen nach dem Ferien-Burnout weitergegangen? Bei uns war das so: Der heiß ersehnte erste Schultag kam und die Kinder gingen um sieben aus dem Haus. Ich wollte gerade mal so richtig privatissimo aufatmen, um mich dann mit einem befreiten Jauchzen in die Arbeit zu stürzen, da kam meine Große schon wieder zurück. Gerade mal zwanzig Minuten Unterricht hat sie genossen, und der bestand hauptsächlich darin zu erfahren, warum der Unterricht in den nächsten zwei Wochen ziemlich selten stattfinden wird. Am Dienstag hat sie gleich komplett frei und heute geht sie für eine Stunde in die Schule. Was morgen wird, weiß man noch nicht. Sie ärgert sich über die Fahrzeiten, die sind nämlich zehnmal so lang wie der Unterrichtsrest. Ich ärgere mich über den schlampigen Umgang mit der wertvollen Zeit der Schüler, in der sie weiß Gott besseres tun könnten, als im Bus durch die Stadt zu kajolen.

Nun muss ich mich ja des Öfteren zuerst schelten und dann belehren lassen, dass die komfortable Ausstattung des Lehrerberufs mit 14 Wochen Ferien eigentlich unterrichtsfreie Zeit ist, in der der Lehrer keineswegs faul am Strand liegt, sondern sich fort- und weiterbildet, sich vor- und nachbereitet und was sonst noch alles so vorkommt. In der Schule meiner Tochter bilden sich die Lehrer in der Schulzeit jetzt so weit fort, dass sie gar nicht mehr da sind. Denn sie müssen lernen, wie man mit einem white board umgeht. Dieserhalb wurden in den Ferien die Tafeln abgebaut, die seit gefühlten zweitausend Jahren dem Lehrer beim Lehren und dem Schüler beim Lernen helfen. Stattdessen jetzt also white boards. Nichts dagegen – es kann ja wahrscheinlich sehr sinnvoll sein, einen Tafelanschrieb von vor sieben Wochen flugs noch einmal aufzurufen, um die Erinnerungslücken der Schüler zu füllen. Fortschritt gleich Bildungsmacht plus Elektrifizierung oder so, um den alten Lenin mal wieder zu erwähnen.

Aber warum passiert die Fortbildung der Lehrer in der Schulzeit? Bitte, ich will nicht kleinlich sein. Aber meine Tochter besucht die 13.Klasse. Bräuchte man da nicht jede Stunde, wenn das Abi nah und näher rückt? Aber vielleicht fällt das Abi ja auch aus, wegen Stromausfall womöglich.

Wollen wir das Beste hoffen?

Herzlich,

Gerlinde Unverzagt

21.08.10 Jeden Sommer Elternzeit! - von Gerlinde Unverzagt

So gerne, wie ich Ihnen auch widerspreche, liebe Frau Kloepfer, mit diesem Thema will mir das nicht gelingen. Wo ich mich immer darüber aufrege, dass Burn-Out etwas ist, das heute jeder hat, wenn er mal ein bisschen ausgepowert ist  – ich habe jetzt auch einen. Chronisch! Wenn ich recht überlege, habe ich das jedes Jahr um dieses Zeit, wenn die Sommerferien zu Ende gehen, bei Aldi die Zimtsterne in die Regale geräumt werden und ich dem ersten Schultag entgegensehe wie einst die Jungfer dem Hochzeitstag…bangend, sicherlich, aber auch mit großen Erwartungen. Zum Beispiel der, dann endlich wieder in Ruhe arbeiten und Geld verdienen zu können, ohne mit Ausflügswünschen ins Schwimmbad, in den Klettergarten, auf eine Fahrradtour malträtiert zu werden. Und damit bin ich in den Schwierigkeiten schon mitten drin. Soll ausgerechnet ich als bekennende Pädagogophobin mich, bloß weil ich seit sechs Wochen in jeder Ecke der Wohnung ein Kind sitzen habe, das auf Abenteuer angespitzt ist, für die Verkürzung der Ferien stark machen? Das bringe ich nicht über´s Herz, wenn ich mich an die blassen Nasen, schluffigen Schritte und hängenden Schultern in den letzten Schultagen erinnere, als ich noch guten Mutes war und sie sechs Wochen lang mit Liebe, Freiheit, Abenteuern mästen wollte. Wenn ich nur die Zeit dafür gehabt hätte. Oder wenigstens das Geld nicht gebraucht hätte, das ich in der Zeit verdienen müsste, anstatt zu klettern, zu schwimmen und radzufahren und dabei zu lieben, frei zu sein und Abenteuer zu erleben. Liegt der Fehler nicht wirklich im System bei so vielen guten Absichten? Vielleicht müsste man anstatt die Ferien der Kinder zu verkürzen, die der Eltern verlängern. Sechs Wochen bezahlte Elternzeit im Sommer! Das ist natürlich nur so eine Idee, aber sie könnte, abgesehen davon, dass diese Gesellschaft kein Interesse daran hat, Eltern unter die Arme zu greifen, doch viel Stress rausnehmen. Gekommen ist sie mir auf eine der vielen Fahrradtouren, wo es mir hoffentlich gelungen ist, Liebe und Aufmerksamkeit wenigstens zu arrangieren. Wir fuhren auf Straßen, die für Kutschen gebaut sind und jetzt von Geschossen befahren werden. Das sagt noch nichts schlechtes über die Kutschen und auch nicht über die 200-PS-Geschosse, außer, dass das eben nicht zusammen passt. Wie die Erfordernisse von Familien nicht zu modernen Arbeitsverhältnissen passen und damit wäre ich schon wieder mit Ihnen einverstanden. Aber nur ein bisschen: Denn was sagt uns die Zumutung, 14 Wochen im Jahr freilaufende Kinder organisieren zu müssen über das falsche Leben drumherum, in dem wir unser kleines richtiges einrichten müssen?

Ich denke natürlich auch schon über die Herbstferien nach. Da fällt mir ein, dass die da, wo ich herkomme, Kartoffelferien hießen und dazu da waren, dass die Kinder auf dem Hof bei der Kartoffelernte anpacken mussten. Das muss man sich mal vorstellen: Ferien, in denen die Kinder aus der Schulpflicht entlassen waren, um ihren Anteil an der Familienarbeit zu leisten. Hm, so verkehrt nicht. Ich hätte da so eine Idee…

Ich grüße Sie herzlich!

Gerlinde Unverzagt

 

PS. Ich frage mich, liebe Frau Kloepfer, ob sich die Lehrerinnen eigentlich wie andere Mütter auch auf das Ende der Sommerferien freuen?

Kommentar des Tages

Der Präsident

Der Bundespräsident hat vermutlich Recht, wenn er annimmt, dass über seinen Skandal schon in wenigen Wochen Gras gewachsen sein wird. Er wird das Land dann voraussichtlich weiter repräsentieren, und irgendwann werden wieder alle nicken, wenn er Richtiges und Wíchtiges zum Ehrenamt, zum Zusammenhalt in der Gesellschaft, oder zum Islam zu sagen hat. Alles wird wieder so sein wie vorher? Alles?

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Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

Sophisticated Mums

30.11.2009

Mütter gibt es in allen Größen, Farben, Formen – und, unter uns gesagt, auch in allen Zuständen. So wie wir, Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Dabei haben alle etwas gemeinsam, ganz egal, ob sie gerade den Hartz IV-Antrag ausgefüllt, das Aktienportfolio aufgestockt, die Scheidungsurkunde unterzeichnet oder die Promotion abgeschlossen haben: Mütter besuchen Elternabende. Mütter stehen mindestens zweimal in der Woche in der Küche, um etwas zu produzieren, das nicht aufgetaut und auch nicht vom Pizza-Service geliefert ist. Und: Mütter sind Weltmeister in Selbstkritik.

Wenn man Mutter wird, kriegt man´s nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Vätern zu tun. Und die ganze Gesellschaft kommentiert. Deshalb zucken wir schuldbewusst zusammen, wenn mal wieder im Fernsehen oder in der Zeitung von multiplem Versagen moderner Mütter die Rede ist.  Außer den Kindern selbst scheint niemand allzu viel von Müttern zu halten.

 

Doch das ändert sich, wenn wir den l´Orealhaften Funken in die Asche blasen: Weil wir es uns wert sind.

Das private kleinste gemeinsame Vielfache ist politisch.

 

Darüber reden wir.

Darüber streiten wir.

Deshalb bloggen wir.  [>]