Krank schreiben lassen oder nicht
Kann ich mich wegen Krankheit abmelden, wenn ich ohnehin bald entlassen werde?
Seit Jahren leide ich an Bluthochdruck und an Diabetes. Weil mir meine Arbeit Freude macht, lasse ich mich trotzdem seltener krankschreiben als alle meiner gesunden Kollegen, auch wenn es mir manchmal nicht gut geht. Jetzt bin ich allerdings in einer dummen Situation: In unserem Betrieb wird entlassen, ich werde wohl auch betroffen sein. Es dankt einem niemand, wenn man die Zähne zusammenbeißt. Ist es in Ordnung, wenn ich mich jetzt krankschreiben lasse?
Von Birger Priddat
Birger Priddat lehrt politische Ökonomie an der Universität Witten Herdecke und an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Er beschäftigt sich in zahlreichen Gremien mit dem Zusammenhalt von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und veröffentlichte Bücher zu diesem Themengebiet. 2007 und 2008 war er Präsident der Universität Witten Herdecke.
Eine schwierige Frage, weil sie abwägen muß zwischen Therapie - bei vorliegender Krankheit - und Angst, wegen solcher Therapie bei anstehenden Entlassungen selegiert zu werden. Was Kollegen so tun, ist letztlich kein Kriterium. Die Frage ist schließlich die: ist Krankschreiben notwendig, um einen Therapieerfolg zu haben? Dazu ist zu klären, ob bei der vorliegenden Krankheit nicht eine spezifische medikamentöse Einstellung gelingt. Gelingt sie, gibt es keinen Grund , sich krankschreiben zu lassen.
Also scheint entweder die Therapie nicht zu funktionieren, oder das Krankschreibenlassenwollen erfolgt aus einem anderen Grund: wenn sich alle anderen krank schreiben lassen, will man es selber auch haben, weil man sich sonst als 'blöde' vorkommt? Dieser Grund wäre fahrlässig. Im Grunde muß mit dem Arzt geklärt werden, ob ein Krankschreiben wirklich hilft (gegebenenfalls den Arzt wechseln!). Denn in einer arbeitsmarktlich ambivalenten Situation ist es natürlich von Vorteil, seine Arbeitsfähigkeit zu zeigen.
Wenn es der Stress sein sollte, der belastet, ist unabhängig vom Vorherigen zu überlegen, einen anderen Arbeitsplatz anzuvisieren, der weniger Stress bedeutet. Es gibt keinen Grund, seine Gesundheit für die Arbeit zu opfern. Aber die Problemdarstellung hat zuviele Ungewißheiten, um eine eindeutige Klärung vorzuschlagen. Aus welchem Grunde geht es einem 'nicht gut'? Stress oder schlechte Therapie? Oder Neid auf andere, die sich 'einfach so' krankschreiben lassen? Das müsste man alles genauer wissen. Manchmal sind die Fragen nicht gut genug gestellt. Das tut man nicht
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