Krach mit den Schwiegereltern in spe

Heiraten: Haben wir kein Recht auf die eigene Party?

aboutpixel/Sven Schneider

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Hallo erstmal!


Ich muss meinem Ärger mal richtig luft machen!

Mein Verlobter und ich wollen im September 2012 heiraten, die Hochzeitsreise ist gebucht, Standesamt, Restaurant und Kirche sind bereits fix. Sprich die Rahmenbedingungen sind bereits geklärt. Nun geht es schon seit Wochen um das Thema Gästeliste!
Wir haben mit einer Liste von ca. 85 Personen angefangen und wären nun, da wir immer irgendwen vergessen haben, bei 103 Personen (inkl uns als Brautpaar und !!! 14 !!! Kindern!!). Wir wollten zwar eine richtigschöne feierliche Hochzeit, aber dass ist uns jetzt VIEL ZU VIEL!!!
Also haben wir uns gefragt, wie könnten wir das ganze etwas kürzen?? Da mein Verlobter eine große Familie hat mit 8 Cousins und Cousinen (die jeweils eigene Familien haben mit bis zu 4 Kindern) , hielten wir die Idee, eine Grenze bei Onkel und Tanten zu ziehen, als sinnvoll.. Wir würden dann "nur noch" auf maximal 70 Personen kommen.

Zur Erklärung: Mein Verlobter hat mit seinen Cousins und Cousinen bis auf drei Ausnahmen selten was zu tun. In drei Jahren Beziehung habe ich alle nur zwei Mal zu Gesicht bekommen. Ich finde, das sagt schon alles!

Nun kam es zum Eklat!!! Als mein Verlobter das mit seinen Eltern besprechen wollte, ich betone besprechen!!! Denn wir haben noch nichts festgemacht, da wir mit unseren Eltern erst sprechen wollten, sind sie ausgerastet. Seine Mutter hat sofort angefangen zu heulen und ihm gedroht das wenn wir so unsere Hoczeit feiern, würden sie nicht zu unserer Hochzeit kommen!!! Sie hat außerdem gesagt, dass ihm seine Familie anscheinend gar nichts bedeutet!!!

Das kam aus heiterem Himmel! Wir haben uns mit seinen Eltern immer gut verstanden! Das einzige, was mich schon immer ein wenig gestört hat, ist das sie sich öfters mal in Dinge eingemischt hat, die sie nichts angehen! Ich habe allerdings immer meinen Mund gehalten! Aber jetzt reicht es mir! Vielleicht ist dieses Phänomen ja einigen bekannt, dass gerade die Mütter bei ihren Söhnen nicht loslassen können und dass die Söhne, sprich mein Verlobter, sich nicht unbedingt bei den Müttern durchsetzen können. 

Wie dem auch sei. Das End vom Lied war das er wütend den Raum verlassen hat, weil die Diskussion, die eigentlich keine sein sollte, zu nichts geführt hat. Es herrschte Funkstille..

Am nächsten Tag hatten wir einen bitterbösen Brief im Briefkasten, geschrieben von seinen Eltern!


Genau die selben Vorwürfe wie vorher und nochmal klipp und klar der Satz: " Wenn ihr es euch nicht nocheinmal überlegt, wünschen wir euch viel Glück, aber werden nicht zu eurer Hochzeit erscheinen!" Das ist doch Erpressung, oder????????????????????


Und ich sage euch das war noch nicht alles! Der Brief bestand nur aus solchen Aussagen/Vorwürfen! Ich war geschockt! So habe ich meine zukünftigen Schwiegereltern noch nie erlebt!!! Sie haben sogar gesagt das wir auf unsere Freunde verzichten sollten, de hätten bei einer Hochzeit nichts zu suchen sondern beim Polterabend!!!


Wir machen einen Polterabend an dem wir die Cousins und Cousinen einladen wollten!! Sie werden also nicht von unserer Feier ausgeschlossen, so wie es meine zukünftigigen Schwiegereltern darstellen!


Wir finden es total unverschämt das wir auf richtig gute Freunde auf unserer Hochzeit verzichten sollen, wegen Cousins und Cousinen, die man alle Jubeljahre mal sieht!!!

Stehen wir mit dieser Meinung alleine da??

Mein Verlobter und ich sind am Boden zerstört und wir wissen jetzt einfach nicht was wir machen können!! Die Vorwürfe haben uns schwer getroffen. Wir haben ihnen bereits einen Brief zurückgeschrieben, wir waren allerdings ganz ruhig, sachlich und wollten ihnen nochmal erklären, worum es uns geht, es hat allerding nichts gebracht.

Unsere Vorfreude ist jetzt jedenfalls dahin, da wir keine Hochzeit groß feiern können wenn so ein Verhältnis herrscht. Denn egal wie wir es jetzt machen, ich muss immer daran denken wie das abgelaufen ist. :-(( es sollte doch UNSER schönster Tag im Leben werden!!!

Was würdet ihr jetzt an unserer Stelle tun?
Alles absagen und nur standesamtlich heiraten? Oder vielleicht klein beigeben geben und mit über 1oo Personen feiern, obwohl das nicht unseren Vorstellungen entspricht??? (Kosten werden übrigens gedrittelt)

Brauchen dringend einen Rat.

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Von Irmgard Betzler

Irmgard Betzler arbeitet als Psychotherapeutin und Coach in Frankfurt. Sie studierte Psychologie in Konstanz und arbeitete danach in einem Begabtenförderwerk. Betzler verantwortete dort die Bewerberauswahl und organisierte Seminare. Ehrenamtlich entwickelte Irmgard Betzler ein Mentoring-Programm für Frauen.


Möglicherweise hat sich mittlerweile Ihre Empörung gelegt und Sie haben erlebt, dass Familienrituale (Weihnachten!?) auch ganz schön sein können und es schade wäre, diese unabsehbar zu belasten. Vielleicht sind Sie immer noch in Rage über die Einmischung der Schwiegereltern in spe. Sie können auf Ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit pochen und auf Ihrer reduzierten Gästeliste bestehen, oder die Hochzeit aus Protest in ganz kleinem Kreis feiern oder die Feier ganz ausfallen lassen - was dann passieren wird, können Sie sich angesichts der Familiendynamik, von der Sie erzählen, sicher gut ausmalen.
Ich habe Sie so verstanden, dass Sie prinzipiell eigentlich nichts gegen ein großes Fest und gegen die zahlreichen Cousinen und Cousins Ihres Verlobten haben. Dass für Ihren Geschmack eben nur  das Verhältnis von enger Familie und Freunden, die Sie beide unbedingt bei Ihrer Hochzeit dabei haben wollen und erweiterter Verwandtschaft (die zahlreichen Cousinen) aus dem Lot zu geraten droht. Warum nicht den Schwiegereltern vermitteln, dass Sie nichts gegen die große Familie haben und die Cousinen und Cousins Ihres Verlobten gerne einladen würden, dass Sie das aber finanziell überfordert. Wenn den Schwiegereltern die Einladung der weiträumigen Verwandtschaft so wichtig ist, könnten sie ja auch bereit sein, ihren Beitrag zum Hochzeitsbudget entsprechend aufzustocken.
Mit dieser beidseitigen Großzügigkeit steht einem fröhlichen Fest nichts mehr im Wege. Und wer weiß: mit eigenen Kindern kann eine große weitläufige Familie einen anderen Stellenwert auch für Sie bekommen.
Das tut man nicht. Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 6 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 3 Stimme(n)

4 Kommentare

Anne: 23.01.2014 - 08:01 Uhr

Ich setze mich durch

Ich kenne die Problematik. Mein Mann kommt aus einem anderen Kulturkreis ( mit dem ich zugegeben nicht zurecht komme) er ist aber durch und durch deutsch.Er ist hier aufgewachsen, aufs Gymnasium gegangen und hat hier studiert. Seine Eltern waren Gastarbeiter, sind erzkonservativ und leben in einer anderen Welt. Ich habe immer zu ihm gesagt, wir müssen alleine heiraten, da man uns das Fest sonst vermiest. Mit meiner Familie bin ich in keinem großartigen Kontakt, da es noch nie stimmte. Ich habe nicht eingesehen, dass mir ein schöner Tag mies gemacht wird und habe mich durchgesetzt. Es kam niemand, wir waren mit dem Fotografen und dem Standes- beamten alleine und es war ein sehr schöner Tag, ohne Vorschriften der Schwiegereltern- nach denen immer alles gehen soll. Wir bereuen nichts und würden es wieder so machen!!!!

Andrea: 02.06.2012 - 09:06 Uhr

Hochzeit abgesagt

Hallo liebes Brautpaar: Vor 32 Jahren ! ist es mir ähnlich gegangen. Meine Familie betrug 12 Personen einschließlich meiner Person, meine Schwiegereltern steuerten 120 Personen hinzu , unter anderem Menschen, welche ich noch niemals vorher im Leben gesehen habe. Letztendlich wollten sie sogar die Lokalität bestimmen. Mein Mann konnte sich nicht von seinen Eltern distanzieren und sich positionieren, so zog ich die Reißleine und sagte die Hochzeit ab. Zwei Jahre später haben wir dann standesamtlich geheiratet ohne irgendjemanden, 12 Uhr war die Trauung um 14 Uhr saßen wir im Flieger. Damals fand ich dies als Lösung. Ich habe jedoch alle Jahre darunter gelitten, keine richtige Feierlichkeit zu haben. An unserem 10 Hochzeitstag haben wir gemeinsam mit unseren Kindern kirchlich geheiratet. (undmit einer kleinen Feier im Familienrahmen) Rückblickend kann ich dazu sagen, dass ich mehr darunter gelitten habe, dass mein Mann nicht zu mir gestanden hat. Dies hat unsere gesamte Ehezeit von immerhin 27 Jahren belastet, das Wort seiner Eltern hatte stets eine größere Gewichtigkeit , als unsere eigenen Vorstellungen. Ihr Mann sollte überdenken, mit wem er sein Leben teilen möchte und nach welchen Vorstellungen er dieses Leben leben möchte, nach denen seiner Eltern oder nach seinen eigenen bzw. den gemeinsamen mit seiner Lebenspartnerin . Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute

irisrenate: 18.01.2012 - 08:01 Uhr

Jetzt stellen sich die Weichen für Ihr zukünftiges Leben.....

Meine liebe zukünftige Braut, jetzt stellen sich wirklich die Weichen für Ihr zukünftiges Leben. Sie sollten genau prüfen, wie sich Ihr zukünfiger Gatte zu dieser Angelegenheit stellt. Wenn er nicht gelernt hat, sich von seiner Mutter (Eltern) abzunabeln, haben Sie zukünftig in allen Familienfragen die Meinung Ihrer Schwiegermutter zu hören. Ich meine da auch die evtl. unangemeldeten Besuche einer zukünftigen Oma...... die Kindererziehung, ja auch unterschiedlich zubereitete Gerichte können da zu einer Ehekrise führen. Sie sollten sich mit Ihrem Mann in allen Punkten einig sein, und BEIDE GEMEINSAM Ihr Fest so gestalten, wie es IHNEN zusagt. Sie sind beide erwachsene Menschen, die Wünsche und Vorstellungen haben. Und wenn das nichts nützt, dann muss IHR MANN seinen Eltern sagen, dass es nicht schön von ihnen ist, ihm das Fest zu verderben. Ich würde auch die finanzielle Unterstützung ablehen, wenn die Meinung herscht "Wer zahlt - bestimmt". Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn Eltern Ihre Kinder lieben, werden sie (zähneknirschend) zur Hochzeit kommen. Und übrigends, mischen Sie und Ihr Mann sich ein, wenn Schwiegereltern einen goßen runden Geburtstag feiern, und einladen wen sie wollen? Ich wünsche Ihnen beide viel Kraft, diese Wochen durchzustehen. Tun sie sich aber auch den Gefallen, und stetzten Sie sich einen Endpunkt. Wenn die Schwiegereltern bis Ende Mai? immer noch nerven, dann nehmen sie beide dieses so hin. Die kommen schon zur Hochzeit, wenn sie den Sohn lieben ........ SO ETWAS TUT MAN - sein Fest nach seinen Wünschen zu planen, gestalten und durchzuziehen ;) Ich wünsche Ihnen eine tolle Hochzeit!

Lucy: 17.01.2012 - 17:01 Uhr

Wahlverwandtschaft

Ähnliches habe ich auch erlebt und auch noch nach 23 Jahren bedauere ich, dass unsere Hochzeitsgästeliste von Eltern und Schwiegereltern diktiert wurde. Auch bei uns durften Freunde nur zum Polterabend kommen und Verwandtschaft saß da rum, auf die ich an dem Tag und auch später gut verzichten konnte. Als ich mit meinem damals zukünftigen Mann einen Termin bei einem Fotografen ausmachen wollten, erfuhren wir dort, dass meine Schwiegermutter schon da war... Meine Gedanken waren damals ähnlich - auf und davon! Mir wurde auch die Freude auf den "großen Tag" verdorben und so sollte es wirklich nicht sein. Ich war noch jung und habe mich gefügt und es immer bereut. In erster Linie ist eine Hochzeit doch ein Fest für das Brautpaar und genau dieses sollte entscheiden, mit wem und wie es diesen Tag Feiern möchte. Das kann man tun!

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