Falsche Freunde

Mein Sohn spielt mit Schmuddelkindern. Darf ich es verbieten?

aboutpixel/Moritz Mehrlein

Mein 12-jähriger Sohn hat sich mit einem Jungen aus seiner Klasse angefreundet, der aus einer sozial schwachen Familie stammt. Von meinem Sohn weiß ich, dass beide Eltern arbeitslos sind und den größten Teil des Tages vor dem Fernseher verbringen. Das Kind ist sich selbst überlassen. Darf ich meinem Sohn ausreden, seinen neuen Freund zu besuchen, da ich ihn von schlechten Vorbildern fernhalten möchte?

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Von Paul Nolte

Paul Nolte ist Professor für Geschichte an der Freien Universität Berlin. Seit Oktober 2009 ist er zudem Präsident der evangelischen Akademie in Berlin. Nolte hat entscheidende Beiträge zur neuen deutschen Wertedebatte der vergangenen Jahre geliefert. Vor allem die Frage eines drohenden Auseinanderdriftens der Gesellschaft und der Verfestigung von gesellschaftlichen Barrieren beschäftigt Nolte. 

Entschieden: Nein, das tut man nicht. Ihre Sorgen um die Entwicklung und den angemessenen „Umgang“ ihres Sohnes in allen Ehren – ein Teil Ihrer Sorge gilt gewiss eher sich selber, und ihrem 12-jährigen Sohn wird diese Beziehung, auch wenn sie ein paar Extra-Stunden vor dem Fernseher einschließen sollte, nicht nachhaltig schaden. Die Chance aber, dem Freund ihres Sohnes durch diese Beziehung zu Ihrer Familie etwas Gutes zu tun, sollten Sie sich nicht entgehen lassen (ohne sich dabei sozialpädagogisch aufzuplustern). Um es offen zu gestehen: Ich würde mein zweijähriges Kind nicht in eine solche Familie zur regelmäßigen Tagesbetreuung geben. Aber hier liegen die Dinge anders. Ein 12-jähriger ist schon sehr gefestigt in seinen Werten und Verhaltensweisen; eine Chipstüte zuviel bringt ihn nicht auf eine kriminelle Karriere. Warum nicht danach fragen, ob der Freund auch zu Ihnen ins Haus kommt, zum Abendessen bleibt: Dann gewinnen Sie einen Eindruck von ihm, und der Freund lernt vielleicht etwas kennen, was ihm gefällt und was er wiederum nach Hause trägt. Und umgekehrt: Mit zwölf Jahren ist ihr Sohn  noch jung genug, dass Sie ihn mal unauffällig bei der anderen Familie abliefern oder wieder abholen. Warten Sie nicht draußen im Wagen, sondern klingeln Sie, begrüßen Sie die Eltern, bitten Sie beiläufig darum, den Fernseher leiser zu stellen, solange Sie sich unterhalten. Wenn wir dazu beitragen, solche sozialen Barrieren in die nächste Generation hinein zu verstärken, leben wir in 20 Jahren in einer Gesellschaft, deren getrennte Lebenswelten an heutige Schwellenländer erinnern. Leider ist das Szenario dieser Frage schon jetzt unwahrscheinlich genug. Denn Kinder verfügen über einen siebten Sinn für die „feinen Unterschiede“. Sie müssen sich das „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ meist gar nicht erst von den Eltern sagen lassen. Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

14 Kommentare

Todobien: 27.05.2010 - 10:05 Uhr

Natürlich nicht!

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder... Ich stimme Herrn Nolte uneingeschränkt zu. Wenn ich heute an meine Kindheit denke und die vielen "Schmuddelkinder" um uns herum, mit denen wir ausgiebig und phantasievoll (meist draußen oder bei uns) gespielt haben, dann weiß ich auf jeden Fall: Ich hatte eine schöne Kindheit! Allerdings auch ein Elternhaus, das vielleicht "sozial schwach", aber trotzdem in jeder Hinsicht anspruchsvoll war. Das geht nämlich auch. Die Schmuddelkinder waren unkompliziert, lustig, hatten trotz ihrer Lebensumstände ausreichend "Benimmse" (soweit ich weiß, allerdings auch keine dauerhaft arbeitslosen Eltern sondern welche, die immer versuchten, anders über die Runden zu kommen) und waren schlau. Wir haben Bretterbuden aus von Baustellen entwendeten oder sonstwo gefundenen Materialien gebaut (z.B. von der großen Müllkippe Teppichmuster geholt und verlegt usw. usf.), Lagerfeuer gemacht und Kartoffeln reingeworfen... Im Wald Höhlen gebaut, am Bach Dämme, und wenn die "Zigeuner" in der Stadt waren, haben wir natürlich auch mit deren Kindern etwas unternommen. Zu meinem Umgang gehörte übrigens auch die heiß beneidete Freundin, die in einem Bungalow statt wie wir im Sozialbau wohnte, deren Eltern ich allerdings auch äußerst selten zu Gesicht bekam, wenn wir bei ihr im Spielkeller zugange waren (ein ganzer Raum voller Spielzeug! Barbies en masse mit allem Zubehör!! Ich durfte zu Hause noch nicht einmal eine haben, das war nicht drin). Die hatten eine Kühltruhe, die immer voll war und es gab immer Speiseeis! Purer Luxus. Allerdings hätte ich mit ihr nicht tauschen wollen. Auch nicht mit der Freundin aus der Schmuddelkind-Familie, zugegeben, aber das waren immerhin fünf oder sieben Kinder, irgendwas in der Richtung, das war mir zu viel. Dass ich heute keinen Kontakt mehr zu ihnen habe, bedauere ich manchmal - ich wüsste gern, was aus ihnen geworden ist. Mein Fazit: Daraus gelernt habe ich für's Leben, dass ich andere nicht nach dem sozialen Anschein, sondern nach dem einschätzen sollte, was sie tatsächlich tun. Hinterfragen, nicht einfach voraussetzen. Und ich gebe gerne zu, dass ich das immer wieder üben und mir ins Gedächtnis zurückrufen muss, wenn ich mal wieder die kleinen Einzeller vor der U-Bahn-Station herumlungern sehe...

vocivoci: 24.05.2010 - 14:05 Uhr

schön

"immer mehr hartz-4-betrüger!". die arbeitsmoral wird untergraben. arbeitsverweigerer schmarotzen unser sozialsystem. steuerzahler bluten für hartz-4-abzocker. usw. man kennt das aus der meistgelesenen zeitung deutschlands, die vorige kommentatoren vllt nicht oft lesen. ich erwähne diese schlagzeilen nur, weil jene bislang hier noch nicht gefallen sind. oder sind bildungsbürger und deren kinder immun dagegen? einerseits könnten die 'unsitten' der unterschicht abfärben, andererseits können kinder grausam sein und ein 'klassenbewußtsein' entwickeln. aber wir ja in deutschland, wo das bildungssystem niemals für 'sozialausgleich' sorgt und die unterschicht auch unten beläßt. da kann man mal gutmensch spielen.

Leandra: 17.04.2010 - 18:04 Uhr

Es kommt darauf an!

Ein Kind aus "Schmuddelfamilien" muß noch lange kein "Schmuddelkind" sein, und wenn die beiden Kinder sich mögen, sollte man der Freundschaft nicht im Wege stehen. Ich würde verstehen, wenn man seinem Kind verbietet, die Wohnung der entsprechenden Eltern zu betreten, und würde es persönlich so regeln, daß der Freund jederzeit herkommen kann. Mein Kind ist ebenfalls mit einem Mädchen befreundet, welches aus sehr traurigen Verhältnissen stammt. Ich selber bin nicht wohlhabend, und komme ebenfalls aus dem "Gefilden des Existenzminimums", aber ich lege höchsten Wert auf Bildung und Manieren, welches ich beides meinen Kinder vermittelt habe. Da die Mutter des Mädchens leider dem Klischee entsprechend mit ihrem Kind nie etwas unternommen hat (außer zweimal die Woche ins Burgerrestaurant), haben wir die kleine Maus dann eben immer mitgenommen - in den Zoo oder auf den Weihnachtsmarkt, etc. Ich meine, ich verstehe das nicht - wenn man doch im ALG II - Bereich angesiedelt ist, dann hat man doch soviele Vergünstigungen - Museen sind kostenlos, die Tiergärten sind günstiger - man hätte so viel Zeit, sich mit seinem Kind gemeinsam fortzubilden und eine schöne Zeit zu haben, man kann gemeinsam die Natur entdecken und Arten bestimmen, aber das ist ein anderes Thema nun... Da in der Familie der Kleinen ein unglaublich schlimmer Ton herrschte und in der Wohnung viel geraucht wurde, wollte ich nicht, daß mein Kind dorthin geht. So haben wir das eben gehandhabt - die Kleine war bei uns jederzeit willkommen, und die Mutter war sehr froh, wenn das Kind aushäusig war. Die Freundschaft aber verbieten - das bringt nichts und ist auch nicht gut. Aber es kommt eben auch auf das Kind an - dieses helle kleine Mädchen war trotz Elternhaus in der Schule sehr fleissig und hat tatsächlich eine Empfehlung für's Gymnasium erhalten - konnte sehen, daß man auch anders leben kann: Neugierig und mit viel Wissensdurst. Eine Kinderfreundschaft ist sehr viel wert, es kann durchaus eine Freundschaft für immer sein! Eine Freundschaft würde ich jedoch dann antasten, wenn das befreundete Kind kriminell wäre und mein Kind in Schwierigkeiten bringen würde - so altruistisch bin ich dann doch nicht - und dazu stehe ich!

S. Winter: 14.04.2010 - 05:04 Uhr

Kleiner Erfahrungsbericht

Ich gehörte während meiner Kindheit selber zu den sogenannten "Schmuddelkindern". Meine Eltern dauerarbeitslos, Trinker. Ich habe mich mit zwölf (und auch schon davor) viel in Büchern vergraben um dies auszublenden. Einer damaligen Schulbekanntschaft wurde eine weitergehende Freundschaft mit mir verboten. Ihre Eltern waren gut betucht, Eigenheim, beide berufstätig und ständig und immer darum besorgt mit wem sie Umgang pflegte. Ich habe das Mädchen von damals vor einiger Zeit (wir beide nun Ende 20) wiedergetroffen. Sie ist heute überzeugter Punk inklusive passender Frisur und arbeitslos, da sie "keinen Bock" darauf hat arbeiten zu gehen, während ich mich seit meiner Kindheit um konstantes Weiterentwickeln meiner Persönlichkeit bemühe, was Bildung und Benimm einschließt. Ich kann verstehen wenn Eltern, und Erwachsene im allgemeinen, gewisse Bildungsansprüche an ihr Gegenüber stellen um auf einer Ebene kommunizieren zu können. Aber als erwachsener Mensch Kinder wegen ihrer Herkunft auszugrenzen, ihnen die Schuld ihrer Eltern aufzuerlegen und ihnen so die Chance zu nehmen sich zu beweisen, als die eigene kleine Persönlichkeit die sie sind, ist diskriminierend und fördert die sonst so oft (auch von besser betuchten) beklagte Chancenungleichheit.

Michaela: 21.01.2010 - 15:01 Uhr

Beide Kinder können etwas lernen

Ich verstehe als Mutter durchaus die Befürchtungen der bürgerlichen Eltern. Als ehemalige Tochter noch mehr. Trotzdem halte ich es für das Beste, dem Jungen den Umgang mit dem sogenannten sozial schwachen Kind zu erlauben. Ein zwölfjähriger ist sicher nicht gegen manche Versuchungen des angeblich so "lockeren" Harz-Lebens gefeit. Aber er ist wohl auch alt genug, um die Schattenseiten zu erkennen und mit den "Privilegien" zu vergleichen, die er selbst aufgrund seiner Herkunft genießt (und mangels Vergleich wahrscheinlich nicht zu schätzen weiß). Den Wert des Geldes zum Beispiel. Mein Sohn zumindest soll wissen, daß es auch hierzulande nicht für jeden selbstverständlich ist, sich vielfältig zu ernähren, Urlaubsreisen zu machen, Kleidung nach Geschmack zu tragen, Veranstaltungen zu besuchen usw. Man kann oder sollte sogar mit dem Sohn über seine Erfahrungen reden – sachlich, nicht, um über die andere Familie herzuziehen. Diese Freundschaft könnte eine Lehre fürs Leben werden.

Kommentar bei evangelisch.de: 22.12.2009 - 18:12 Uhr

Oh je,

das ist aber eine sehr idealistische Einstellung. Gerade im Alter von 12 kann der Kontakt zu so jemand verheerend sein. Woher weiß man denn, was die so alles machen? Killerspiele spielen, rauchen, am Ende Alkohol? Mit 12? Also ich weiß nicht...

B_H zitiert in Tagesspiegel.de Rousseau: 29.10.2009 - 17:10 Uhr

Der pädagogischen Tradition liebstes Fragment

„Man braucht nicht Ciceros Werk Über die Pflichten (de officiis) zu kennen, um ehrlich zu sein. Und die ehrbarste Frau der Welt weiß vielleicht am wenigsten, was Ehrbarkeit ist. Trotzdem stimmt es, dass nur ein gebildeter Geist den Umgang angenehm macht. Für einen Familienvater, dem es zu Hause gefällt, ist es traurig, wenn er gezwungen ist, sich gerade dort in sich zu verschließen und sich mit niemandem verständigen zu können. Wie soll übrigens eine Frau, die nicht denken gelernt hat, ihre Kinder erziehen? Wie soll sie beurteilen, was ihnen angemessen ist? Wie soll sie die Kinder für Tugenden zugänglich mache, die sie nicht kennt, für moralische Verdienste, von denen sie keine Ahnung hat? Sie wird ihnen entweder schöntun oder drohen und sie nur frech oder furchtsam machen. Sie wird gezierte Affen oder tölpelhafte Gassenjungen aus ihnen machen, niemals aber denkende Köpfe und liebeswerte Kinder. Für einen Mann von Bildung schickt es sich also nicht, eine Frau ohne Bildung zu heiraten, und folglich auch nicht aus einem Stande, wo man keine erwarten darf. Aber mir wäre ein einfaches und grobschlächtig erzogenes Mädchen hundertmal lieber als ein Blaustrumpf und Schöngeist, der in meinem Haus einen literarischen Gerichtshof einrichtet und sich zur Präsidentin macht. Ein Schöngeist ist eine Geißel für ihren Mann, ihre Kinder, ihre Freunde, ihre Diener, für alle Welt. Von der Höhe ihres Genies aus verachtet sie alle ihre fraulichen Pflichten und denkt nur daran, ein Mann nach der Art des Fräulein von l’Enclos zu werden. Draußen wirkt sie stets lächerlich und wird zu Recht kritisiert, denn die Kritik kann nicht ausbleiben, sobald man seinen Stand verlässt und einen annehmen möchte, für den man nicht geschaffen ist. Alle diese hochtalentierten Frauen nötigen nur den Dummen Achtung ab“ (Jean Jacques Rousseau (1762): Emil oder Über die Erziehung. Schöningh–Verlag, 1971, S. 447).

Gaian kommentiert bei Tagesspiegel.de: 29.10.2009 - 17:10 Uhr

12 Jahre oder erwachsen ?

Auch ich glaube nicht an einen Automatismus der Übertragung pessimistischer und asozialer Lebenseinstellungen. Und gewiss wird das Kellerkind gewinnen beim Abendbrot beim "aristokratischen" Freund. Auf diese Art findet ja ein Wissentransfer statt, den die eigenen Härtefall-Eltern nach den Schilderungen nicht leisten können. So war es auch in früherer Zeit: Die eigene Familie, Schule, Temple und andere Elternhäuser geben zusammen ein komplettes Vor-Bild ab. Ich verstehe aber die Besorgnis unserer Edel-Eltern. Natürlich findet diese Übertragung auch in umgekehrter Richtung statt. Um ein Leben im Sumpf des ALGII zu ertragen, gibt es nicht nur Dauer-TV, fettige, einseitige Dauer-Nascherei - sondern eben auch Selbstschutz-Argumente, die gegen etwaige Kritik helfen. Es gibt diverse Sprüche, die die eigene Lage schönreden. Dazu muß ich sie mir nichteinmal selber ausdenken. Die Spruch-Vorlagen kommen auch aus dem TV. Die Räuberleiter: Der UNTEN hilft dem Aufsteiger hinauf. Der, oben angekommen, hilft dem von UNTEN herauf. Bis beide oben sind. Und jetzt taktisch: Besorgnis hin oder her. Zwölfjärige sind längst aus dem modus des Wiederholens erwachsener Rollenmuster zur Hinterfragung dergleichen übergegangen. (Renitenz ?) Verbote können dann eher das Gegenteil erreichen. Ein anderes Kind ist - ein potentieler Verbündeter. Also hilft wohl nur Kanalisieren. Kontakt ja, aber entkräften Sie die Entkräfter ihrer Brut - die Rechtfertigung von geistiger oder finanzieller Armut. Solche Menschen - die Masse - das Volk "draußen im Lande" sind ohne Schuld in diesem Zustand. Sie sind Opfer. Auch ein Krokodil ist ohne Schuld hungrig. Aber es ist ein Krokodil. Und wie verhalten wir uns da ? Na ?!

blumentopfche kommentiert bei Tagesspiegel.de: 29.10.2009 - 17:10 Uhr

Nicht umsonst

heißt es " der umgang formt den menschen" manchmal zum positiven , manchmal zum negativen. in meiner bekanntschaft hat ein junge aus behütetem elternhaus durch seinen umgang einen kolossalen absturz erleben müssen. er hat zwar inzwischen erkannt, dass dieser umgang nichts für ihn war, aber der zug in eine berufliche zukunft ist abgefahren. und in dieser gesellschaft bekommt man eben so schnell keine 2.chance. leider reizen eben gerade die leute, die so garnicht dem bild der freunde entsprechen, die man für sein kind wünscht

demokratur kommentiert bei Tagesspiegel.de: 29.10.2009 - 17:10 Uhr

Ja und?

Das Kind ist sich selbst überlassen. Ein zwölfjähriger, so er gesund entwickelt ist, möchte auch nicht dauern in Papis und Mamis Kontrollblicken sein. Er möchte SEINE Welt erkunden. Mir sind Eltern die zu Hause sind, lieber, als Eltern die meinen überall und nirgends aufzutreten und ihre Kinder damit eben auch *verwahrlosen* lassen. Wenn Eltern arbeiten gehen , dann ist das also in Ordnung , sein Kind sich selbst zu überlassen, oder? Dieser Junge, deren Eltern zu Hause sind - hat Ansprechpartner. Kann sich JEDERZEIT - so er will - an seine Eltern wenden... Kann das ein Managerkind von sich so behaupten ? Ich empfinde, es steckt eine Scheinligkeit dahinter mein Kind sozial abgesichert verwahrlosen zu lassen , ist OK. Es ist es nicht!

snowfox kommentiert bei Tagesspiegel.de: 28.10.2009 - 23:10 Uhr

Eigentlich

...kann ich die Besorgnis der anfragenden Mutter schon verstehen. Dass Kinder und Jugendliche leicht unter schlechten Einfluss geraten können, ist ja nicht neu; den "gefestigten Charakter" eines 12-jährigen würde ich so nicht verallgemeinern. Und mit dem Klassendenken ist das auch so eine Sache: Wie viele von den Eltern, die für eine vorurteilslose, offene Erziehung eintreten (an sich ja positiv), würden ihr Kind etwa in eine Schule mit 80 oder 90 % Migrantenanteil in einem sog. Problembezirk geben, wenn sie eine Alternative haben? Es mag nicht "politisch korrekt" sein, aber ich schätze mal, im Zweifelsfall überwiegt in der Regel das Wohl des eigenen Kindes (das immer noch die Eltern definieren) gegenüber abstrakten Grundsätzen. Und selbstverständlich haben Eltern das Recht (und die Pflicht!), auf den Umgang der Kinder zu achten und auch (in vernünftigem Rahmen), darauf Einfluss zu nehmen. Allerdings würde ich im konkreten Fall dem Besuch bei dem Feund auch nichts in den Weg legen, nur weil seine Eltern arbeitslos sind.

Ganymed kommentiert diese Frage bei Tagesspiegel.de: 28.10.2009 - 12:10 Uhr

warum denken eigentlich die

mit den gehobenen arbeitsplätzen, sie wären die besseren menschen? wer sein kind vom kindermädchen erziehen läßt, ist...auch nicht das gelbe vom ei. ich habe jahrelang mit jugendlichen aus randverhältnissen zu tun gehabt. es war jeder anders.fernseher und arbeitslos, das reicht für vorurteile. ich kann mich an eine episode aus dem ice erinnern. mutter, jung und hilflos, aber gebildet, man hörte es an der sprache. tochter, 16, große und unverschämte klappe, schreit ihre mutter für jede kleinigkeit an. äääeeii, bist du behindert, oder was?? alles drumherum regte sich auf. mutter sagte ganz beleidigt zu mir, ich bin doch froh, dass meine tochter mir alles erzählt, da kann ich doch nicht noch drauf achten, wie sie mit mir umgeht...mit dieser tochter hätte mein sohn nicht befreundet sein wollen. meine beiden kinder waren dank gesamtschule viele jahre mit sogenannten milljöhkindern zusammen und auch zum teil befreundet. zwischendurch auch mal ein verwahrlostes akademikerkind, das regelmäßig bei uns zu hause war, auch mal übernachtete. keiner der eltern hat auch nur angefragt..ist b. bei ihnen? mal war der junge 3 tage lang verschütt, da wurde ich angerufen. ja, er hat die tage bei uns gewohnt, 10 jahre war er alt ,und ich habe ihn heute früh in die schule gebracht...wo er nun ist, weiß ich nicht....also vorsicht mit sprüchen wie..arbeitslos, fernsehn. die mutter von b. war ärztin und eh nicht täglich zu hause, der vater..war anderweitig unterwegs. die 3 kinder haben sich allein versorgt, oder die oma war mal da, aber nicht allzu oft.

wioskow kommentiert diese Frage bei Tagesspiegel.de: 28.10.2009 - 12:10 Uhr

Problem?

Arbeitslosigkeit und Fernsehen sind ja nun wirklich das kleinere bzw. gar kein Problem. Schwieriger finde ich es, meine Kinder bei Freunden übernachten zu lassen, deren Eltern Kettenraucher sind, wo die Kinder bis in die Nacht Computerspiele spielen und Filme für Erwachsene oder ältere Jugendliche kucken dürfen, oder wo die Eltern nicht mal bemerken, wenn die Kinder nachts noch das Haus verlassen.

guvo: 28.10.2009 - 10:10 Uhr

Freundschaften gelten grundsätzlich als Chance

Die Freunschaft Ihres Sohnes zu dem Klassenkameraden ist Ihre Chance. Sie kommen dazu, Ihre Rolle als Schutzbefohlene aber auch Ihre Rolle als Mitglieder unserer Gesellschaft im neuen Licht zu sehen. Elternschaft ist eine vielfältige und dynamische Angelegenheit, jedenfalls nichts starres. An dem Aufbau des in sämtlichen Beziehungsfällen (hier zu ihrem Kind und dem anderen Kind) erforderlichen Vertrauens, sind Sie maßgeblich beteiligt. Das bietet sich Ihnen als Erkenntnis, um daraus die sich für Sie ergebenden Schlüsse im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu ziehen. Der Einfluss des nachbarschaftlichen und des familieren Vertrauens in das Bedürfnis nach persönlicher Entwicklung (einschließlich Ihrer eigenen Entwicklung) ist von unschätzbarem Wert. Es dürfte reichen, dass Sie die Freundschaft akzeptieren. Respekt setzt voraus, dass die Freundschaft Ihres Sohnes wiederum besonderes Vertrauen verdient. Jedenfalls ist nicht unbedingt anzunehmen, dass die Freundschaft Ihres Sohnes zu dem Klassenkameraden Ihr grundsätzliches Vertrauen nicht verdient. Das tut man nicht.

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