Politik und Ernst

Es ist ziemlich wurscht, ob man den Politikstil von Außenminister Guido Westerwelle gut findet, oder es eher mit der nordrhein-westfälischen SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft hält. Das wirkliche Problem der aktuellen Hartz-IV-Debatte ist nicht zu größe Härte Arbeitslosen gegenüber. Es ist mangelnde Ernsthaftigkeit. Keiner derjenigen, die jetzt über Arbeitspflichten für Stütze-Empfänger diskutieren, will in diesem Punkt die Gesetzgebung grundlegend ändern. Warum auch?

 

Erstens sind die Bedingungen, zu denen Langzeitarbeitslose wieder arbeiten können, sollen und müssen, längst definiert. Wenn sie es dennoch nicht tun, hat das zumeist damit zu tun, dass die Jobagenturen ihre Arbeit nicht ordentlich machen oder ihn nicht ordentlich machen können. Zweitens verlangen allein schon die Vorgaben des Verfassungsgerichts so viel politische Energie, dass für anderes Reformwerk auf dem Arbeitsmarkt die Kraft nicht bleibt: wer die Regelsätze neu berechnen muss und zudem die Zusammenarbeit der Arbeitsagentur und der kommunalen Stellen ordentlich regeln will, der packt nicht noch weitere Themen an. Und drittens würde eine konsequente Behandlung des Themas Niedriglohnsektor zwangsläufig zur Abschaffung der subventionierten Minijobs und zu einem regulären zweiten Arbeitsmarkt führen, in dem Langzeitarbeitslose ohne Vermittlungschance regelmäßig und über Jahre hinweg beschäftigt würden. Beides ist in der derzeitigen politischen Gemengelage kaum vorstellbar.

Deshalb wird der Streit erbittert geführt werden - und absolut folgenlos bleiben. Das ist schön für die Wahlkämpfer - und schlecht für die Arbeitslosen. Die hätten eine ernsthafte Auseinandersetzung verdient. 

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Kommentar des Tages

Thilo Sarrazin und die Moral
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Es heißt "Deutschland schafft sich ab". Im Kern wird darin festgestellt, dass intelligente und gebildete Deutsche gerne darauf verzichten, sich das Leben mit Kindern zu beschweren. Unintelligente und ungebildete Einwanderer dagegen gründen Familien. Deshalb, so folgert Sarrazin, wird Deutschland dümmer. Sind das Buch und sein Autor deshalb unmoralisch? [>]

Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

Sophisticated Mums

21.08.2010

Sechs Wochen sind zuviel des Guten. Das jedenfalls finden die sophisticated mums Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Die lange Ferienstrecke strapaziert so ziemlich jede berufstätige Mutter und passt schon lange nicht mehr in die Zeit. Kloepfer plädiert für eine Verkürzung. Unverzagt dagegen will die lieben Kleinen auf keinen Fall der Schule überlassen. Sie fordert jeden Sommer bezahlte Elternzeit.  [>]

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So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]