Sozialbetrug
Hartz-IV-Betrug
Meine Freundin, alleinerziehende Mutter, hat zehn Jahre lang Sozialhilfe bezogen und in diesen zehn Jahren durch Schwarzarbeit und heimliche Zuwendungen des Kindsvaters ca. 180.000 Euro am Finanzamt und Sozialamt vorbeigeschleust. Das ist eine beachtliche Summe. Dennoch wird sie nicht müde, endlos die Kälte des Sozialstaats zu beklagen und sich über Boni-Banker aufzuregen. Das nervt mich so, dass ich ihr am liebsten mal so richtig die Meinung sagen möchte über diese Heuchelei. Tut man das?
Von Renate Schmidt
Renate Schmidt war von 2002 bis 2005 Bundesfamilienministerin. Die SPD-Politikerin war zudem von 1980 bis 1994 und von 2005 bis 2009 Bundestagsabgeordnete, viele Jahre davon als stv. SPD-Fraktionschefin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. Von 1994 bis 2000 saß sie für die SPD im bayrischen Landtag und führte die SPD-Landtagsfraktion. Die 1943 in Hanau/Main geborene Systemtechnikerin hat drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.Sie hat sich zeitlebens politisch und gesellschaftlich engagiert. Ihre Ehrenämter sind zahlreich, so war sie Vorsitzende des Kuratoriums des Deutschen Kinderschutzbundes, Präsidentin des Bayerischen Jugendrotkreuzes und Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V. . Heute ist sie Ombudsfrau bei Vodafone/Arcor sowie im Ethikbeirat des Deutschen Lotto/Toto-Blocks.
180 000 Euro in zehn Jahren, das sind pro Jahr deutlich mehr, als eine Friseurin oder Verkäuferin bei ganztägiger Arbeit verdient. Ich finde, Sie müßten Ihrer Freundin hier nicht nur die Meinung sagen, sondern ihr auch nahe legen, sich bei den Behörden zu melden. Ansonsten sollten Sie das tun, denn das Hinterziehen einer derartigen Summe ist ein klarer Straftatbestand.
Die „heimlichen“ Zuwendungen des Kindsvaters sehe ich, wenn sie gelegentlich stattfinden, nicht so kritisch. Sollten sie aber regelmäßig stattfinden, ist das natürlich auch nicht in Ordnung. Auch das ist die Unterschlagung von Unterhaltsleistungen.
Derartiges Verhalten schadet allen: Denen, die sich an die Gesetze halten und die dann wegen solchen Betrügerinnen als „Sozialschmarotzer“ bezeichnet werden und allen, die ordnungsgemäß Steuern und Abgaben bezahlen. Aber vor allem schadet es auch der Arbeitslosengeld II-Empfängerin: Irgendwann wird das ganze auffliegen. Schwarzarbeit ist keine Qualifikation. Was, wenn die Dame wieder normal arbeiten muss? Nicht nur, dass es ihr mit dieser Erwerbsbiografie sehr schwer fallen wird, eine Stelle zu bekommen. Auch hat sie kaum Rentenansprüche erworben. Insgesamt ist das Verhalten Ihrer Freundin höchst fragwürdig. Sie sollten sie auf jeden Fall darauf ansprechen. Das tut man!
Ich verstehe allerdings auch die Behörden nicht, die offensichtlich keine Anstrengung unternommen haben, während 10 (!) Jahren Ihre Freundin in reguläre Arbeit zu bringen. Das kann man tun
Das kann man tun:.......... 22 Stimme(n)
Das tut man nicht:.......... 6 Stimme(n)
5 Kommentare