Steuersünder melden, Putzhilfen aber nicht?

Schwarzarbeiter melden?

aboutpixel.de / Bis hier her... © Robert Marggraff

Ich finde es richtig, dass der Staat die Steuersünder-Dateien aufkauft. Es ist höchste Zeit, dass dem Steuerbetrug ein Ende bereitet wird. Durch meinen Beruf habe ich Informationen über gut vier Dutzend Mitbürger, die ihre Haushaltshilfe schwarz beschäftigen. Nun frage ich mich, ob ich das melden soll? Tut man das?

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Von Carsten Schneider

Carsten Schneider wurde 1998 als jüngster Abgeordneter seit Gründung der Bundesrepublik mit damals 22 Jahren in den Bundestag gewählt. Der Erfurter ist gelernter Bankkaufmann und hat die SPD während der Finanzkrise im Haushaltsausschuss vertreten und sich dadurch großen Respekt auch außerhalb seiner Partei erworben. Schneider wurde 1998, 2002 und 2005 direkt in den Bundestag gewählt, 2009 auf Platz 1 der Landesliste Thüringen. Der verheiratete Vater zweier Töchter ist  haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sowie Sprecher der SPD-Landesgruppe Thüringen, Mitglied im Verwaltungsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss und im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages.

Auch wenn viele in unserer Gesellschaft das anders empfinden: Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt. Nicht nur entgehen dem Staat dadurch jedes Jahr Steuern und Abgaben in Milliardenhöhe, sondern illegal Beschäftigte sind großen Risiken ausgesetzt. Sie sind nicht sozialversichert, erwerben zum Beispiel keine Rentenansprüche. Sollten sie sich während ihrer Arbeit verletzen, gilt dies nicht als Arbeitsunfall und somit zahlt die Krankenkasse nicht. Schwierig wird es auch, wenn Schwarzarbeiter sich wieder bewerben wollen und die letzten Arbeitsjahre nicht angeben können, weil sie ja rein rechtlich nicht erwerbstätig waren. Einmal ganz abgesehen davon, dass die Betroffenen häufig unterbezahlt sind und von heute auf morgen gekündigt werden können. Sowohl die Gesellschaft als auch die illegal Beschäftigten selbst sollten deshalb ein Interesse daran haben, die Schwarzarbeit zu beenden.

Mein Rat lautet: Sprechen Sie zunächst mit den betreffenden Haushaltshilfen und deren Arbeitgebern. Fordern Sie sie auf, sich gemeinsam bei den Behörden zu melden – und einen ordnungsgemäßen Arbeitsvertrag abzuschließen. Wenn dies nicht geschieht, sollten Sie die Schwarzarbeit melden. Kurz: Das kann man tun. Lesen Sie dazu auch die Antwort von Hubertus Pellengahr, Chef der Initiative neue Soziale Marktwirtschaft Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 4 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 19 Stimme(n)

6 Kommentare

guvo: 25.02.2010 - 18:02 Uhr

Gewissensfrage

Von Gesetzesseite aus besteht bei Straßenverkehrsdelikten allenfalls die Pflicht zur Selbstanzeige. Generell jedoch dürfte es keine Pflicht geben um das Fehlverhalten von jemand anderem, wie es auf Amtsdeutsch heißt, zur Anzeige zu bringen. Das heißt, dass es in jedem Fall gedeckt ist, wenn man sich dazu entscheidet, jemanden nichts anzuhängen. Der Vorwurf, dass man Schwarzarbeit decken würde ist in dem Fall zutiefst ungehörig. Die Entscheidung bleibt in soweit dem Gewissen vorbehalten. Und wer Fälle der privaten Haushaltshilfe kennt, weiß, dass die Tätigkeit in keiner Weise mit der Tätigkeit im Rahmen einer Objektbetreuung vergleichbar ist. Lasst die privaten Haushaltshilfen doch etwas dazu verdienen. Eijeijei. Das erklärt nicht wirklich die Ursachen für die auf der anderen Seite fehlenden öffentlicher Einnahmen. Ich finde es aber grundsätzlich unmoralisch, Leute geradezu dazu aufzufordern, Aushilfstätigkeiten, mehr ist das nicht, anzuzeigen. Das-tut-man-nicht! Interessant ist, dass ausgerechnet ein SPD-Politiker das meint.

Leszek Berger: 25.02.2010 - 18:02 Uhr

Eine vorab zu beantwortende Frage...

...wäre m.E., ob überhaupt und inwieweit man sich mit derartigen Sachen oder Werten wie Recht, Staat und Gesellschaft identifizieren kann und will. Ich glaube doch nicht, daß man ein universelles Kriterium vorschreiben kann. Entscheidend wird sowieso ein Spiegel sein, hängend bei jedem einzelnen Individum, jeweils auf seiner Augenhöhe. LG aus Warschau

Leszek Berger: 25.02.2010 - 18:02 Uhr

Eine vorab zu beantwortende Frage...

...wäre m.E., ob überhaupt und inwieweit man sich mit derartigen Sachen oder Werten wie Recht, Staat und Gesellschaft identifizieren kann und will. Ich glaube doch nicht, daß man ein universelles Kriterium vorschreiben kann. Entscheidend wird sowieso ein Spiegel sein, hängend bei jedem einzelnen Individum, jeweils auf seiner Augenhöhe. LG aus Warschau

Skynoheaven: 25.02.2010 - 14:02 Uhr

Wann ist denunzieren nicht mehr denunzieren

@weidenfeld. Das ist ist ein heisses Thema! Wann ist denunzieren nicht mehr denunzieren? Schwarzabeiter verpfeiffen tut man gefühlt nicht, kinderbegrapschende Pfäfflein schon? Falschparker verpfeifft man gefühlt nicht, Rauschfahrer schon? Wie schwer muss das Delikt werden, dass Anzeige zum Schutz anderer gereicht?

Anna: 25.02.2010 - 13:02 Uhr

Unsere Besten

Nun stelle man sich folgendes niedliche Szenario vor: In einer Thüringer Grundschule geht ein Zweitklässler in der Pause auf seinen Mitschüler zu und spricht nach einer kleinen Verbeugung die weisen Worte: "Lieber Freund, ich habe Dich soeben in der Mathearbeit beim Schummeln beobachtet. So etwas tut man nicht. Weißt Du, auch für Dich wäre es besser, Du schriebest nicht ab, denn wohin soll das noch führen?! Und bedenke: Auch die Allgemeinheit erlitte erheblichen Schaden, handelte jeder so wie Du. Ich schlage vor, Du meldest Dich umgehend bei der Direktorin und besprichst mit ihr, wie Dir geholfen werden kann." Sagt der Matheschummler: "Verzieh Dich, aber schnell." Spricht der Weise: "Nun, dann werde ich diesen Gang für Dich übernehmen, denn mir liegt sehr an Dir." Mein Lieblingsende der Geschichte wäre, dass der Weise in der Hofpause Kloppe bezieht.

Ursula Weidenfeld:

Lesen Sie dazu auch die Antwort von Hubertus Pellengahr auf eine sehr ähnliche Frage

Auf eine ähnliche Frage vor wenigen Wochen antwortete der Chef der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Hubertus Pellengahr mit Hoffmann von Fallersleben: "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant"

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Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]