Ethik und Praxis beim Arbeitgeber
In meiner Firma gibt es einen Ethik-Kodex - und die Realität
Ich arbeite für eine Firma, die sich sehr hohen Ansprüchen verschrieben hat, was Transparenz und Unbestechlichkeit angeht. Das war für mich ein Grund, dort anzufangen. Je länger ich dort bin, desto mehr gewöhne ich mich daran, dass es „keine perfekten Lösungen gibt“, dass „Transparenz ein Ziel und kein Zustand“ ist, usw. So wird immer argumentiert, wenn etwas anders läuft, als es laufen sollte. Ich arbeite wirklich gerne hier – aber ich frage mich, ob ich mich nicht mit all den Abgestumpften und Gleichgültigen gemein mache, wenn ich das akzeptiere. Tut man das – einfach den Mund halten und hoffen, dass alles besser wird?
Von Caspar von Hauenschild
Caspar von Hauenschild ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik und sitzt im Vorstand von Transparency International, einer der wichtigsten Vereinigungen im Kampf gegen Korrpution weltweit. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete von Hauenschild bei verschiedenen Banken und Wertpapierhäusern, zuletzt als Vorstand der Bayerischen Vereinsbank und als Bereichsvorstand der Hypovereinsbank (bis 2002). Von Hauenschild ist Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen und berät Stiftungen.
Die Beschreibung Ihres Dilemmas ist leider nicht konkret genug, um Ihnen einen hilfreichen Rat zu geben. Wenn es um das weit verbreitete „ Wegschauen“ geht – Codes of Conducts mit hohen Werten, also Null-Toleranz in Sachen z.B. Korruption, aber ohne Transparenz und Diskurs über Konflikte im betrieblichen Alltag – dann legen Sie den Konflikt auf den Tisch ihres Chefs. Denn in dieser „Wegschau-Umgebung“ laufen Sie das Risiko gegrillt zu werden, wenn der Fall eben doch rauskommt – z.B. bei der nächsten Betriebsprüfung, wie zur Zeit sehr häufig – siehe MAN. Verweigert sich der Chef, dann nehmen Sie den Fall ins nächste Mitarbeitergespräch, denn das wird protokolliert. Wenn alles das zu nichts führt oder sogar zu Mobbing, dann ist es Zeit zum Wechseln oder sich auf den steinigen Weg eines Hinweisgebers zu begeben. Aber dann nur mit anwaltlicher Begleitung.“ Das tut man nicht
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