Ethik und Praxis beim Arbeitgeber

In meiner Firma gibt es einen Ethik-Kodex - und die Realität

aboutpixel/Sven Bentrup

Ich arbeite für eine Firma, die sich sehr hohen Ansprüchen verschrieben hat, was Transparenz und Unbestechlichkeit angeht. Das war für mich ein Grund, dort anzufangen. Je länger ich dort bin, desto mehr gewöhne ich mich daran, dass es „keine perfekten Lösungen gibt“, dass „Transparenz ein Ziel und kein Zustand“ ist, usw. So wird immer argumentiert, wenn etwas anders läuft, als es laufen sollte. Ich arbeite wirklich gerne hier – aber ich frage mich, ob  ich mich nicht mit all den Abgestumpften und Gleichgültigen gemein mache, wenn ich das akzeptiere. Tut man das – einfach den Mund halten und hoffen, dass alles besser wird?

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Von Caspar von Hauenschild

Caspar von Hauenschild ist Mitglied im Kuratorium des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik und sitzt im Vorstand von Transparency International, einer der wichtigsten Vereinigungen im Kampf gegen Korrpution weltweit. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete von Hauenschild bei verschiedenen Banken und Wertpapierhäusern, zuletzt als Vorstand der Bayerischen Vereinsbank und als Bereichsvorstand der Hypovereinsbank (bis 2002). Von Hauenschild ist Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen und berät Stiftungen.

Die Beschreibung Ihres Dilemmas ist leider nicht konkret genug, um Ihnen einen hilfreichen Rat zu geben. Wenn es um das weit verbreitete „ Wegschauen“ geht – Codes of Conducts mit hohen Werten, also Null-Toleranz in Sachen z.B. Korruption, aber ohne Transparenz und Diskurs über Konflikte im betrieblichen Alltag – dann legen Sie den Konflikt auf den Tisch ihres Chefs. Denn in dieser „Wegschau-Umgebung“ laufen Sie das Risiko gegrillt zu werden, wenn der Fall eben doch rauskommt – z.B. bei der nächsten Betriebsprüfung, wie zur Zeit sehr häufig – siehe MAN. Verweigert sich der Chef, dann nehmen Sie den Fall ins nächste Mitarbeitergespräch, denn das wird protokolliert. Wenn alles das zu nichts führt oder sogar zu Mobbing, dann ist es Zeit zum Wechseln oder sich auf den steinigen Weg eines Hinweisgebers zu begeben. Aber dann nur mit anwaltlicher Begleitung.“ Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 0 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 5 Stimme(n)

2 Kommentare

guvo: 01.03.2010 - 13:03 Uhr

Der Wille stirbt zuerst

Wer will, hofft nicht. Die Frage lautet von daher, ob Sie alles bedacht und umgesetzt haben, um nach Möglichkeit nicht darauf beschränkt zu sein, bloß nur noch hoffen zu können. Vom Willensstandpunkt aus: Das-tut-man-nicht.

Skynoheaven: 01.03.2010 - 08:03 Uhr

Ideale Ideale

Das tut man nicht, klickte ich auch an. Aber ich kann Herrn Hauenschild ein gerüttelt Maß an Naivität aus dem gesicherten Wohlstand attestieren. Jeder Mitarbeiter der eine Familie zu ernähren, eine Hypothek zu bedienen und einen Jahresbonus zu erhoffen hat, wird wegsehen. Das Wesen des Helden ist in der Vergangenheit gelebt zu haben und in der Gegenwart in einem Heldengrab zuliegen. Mein Arbeitgeber hat ein Leitbild vom Feinsten formuliert und die Mitarbeiter darauf vereidigt. Pah! Es wird beschissen, geschmiert, gelogen, dass es eine Freude ist. Aber " Who am I to blow against the wind!" Ja ! Wenn ich einmal reich bin, aber dann.....

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Kommentar des Tages

Thilo Sarrazin und die Moral
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Es heißt "Deutschland schafft sich ab". Im Kern wird darin festgestellt, dass intelligente und gebildete Deutsche gerne darauf verzichten, sich das Leben mit Kindern zu beschweren. Unintelligente und ungebildete Einwanderer dagegen gründen Familien. Deshalb, so folgert Sarrazin, wird Deutschland dümmer. Sind das Buch und sein Autor deshalb unmoralisch? [>]

Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]