Umzug des Jobs wegen
Toller Job in den USA - doch der Mann will nicht mit
Meine Frau ist äußerst leistungsstark und hochbegabt. Nun hat man ihr einen wirklich tollen Job in den USA angeboten, allerdings in Ohio. Sie unterstützt mich in meiner Arbeit als Künstler seit über einem Jahrzehnt bedingungslos (auch finanziell) und steht zu mir. Doch ich finde die Aussicht, in diese kulturelle Wüste USA zu gehen - noch dazu nach Ohio in die Pampa - grauenhaft. Ich weiß, dass sie nicht geht, wenn ich nicht will. Ich weiß auch, dass es jetzt an der Zeit wäre, sie zu unterstützen. Aber ich weiß auch, dass ich dort so genervt wäre, dass ich für unsere Partnerschaft nicht garantieren könnte. Doch kann ich das tun - aus Egoismus ihren wichtigsten Jobwechsel verhindern?
Von Karin Rasmussen
Karin Rasmussen ist mit "Leib und Seele" Coach: Nachdem sie in mehreren Universitäts- und Hochschulen die Qualifikationen als Philosophin, Soziologin, Erwachsenenpädagogin und Sozialpsychologin erwarb, sammelte sie gleichzeitig praktische Erfahrungen als Führungskraft in der Textilindustrie, übernahm Aufgaben als Projektleiterin für Sozialplan- Modelle und war als Hochschuldozentin in der Erwachsenenbildung tätig. Sie promovierte zum Dr. phil. über „Soziale Folgen des technologischen Wandels“ mit einer eigenen Feldforschung. Seit 1977 wirkt sie als Dozentin, Trainerin und Beraterin in zahlreichen Projekten und Kursen zur Führungskräfte- Entwicklung für die Wirtschaft und als Coach für hochbegabte Erwachsene.
Natürlich gehören zu so einer Entscheidung mehrere Komponenten. Karriere ist eine, Langeweile oder „genervt sein“ die andere – und dahinter verbergen sich ganze Lebenskonzepte. Schon die Einschätzung der USA als kulturelle Wüste, Ohio als in der Pampa (übrigens eine faszinierende Landschaft!) gelegen und die Zustimmung zu einem Jobwechsel als davon abhängig zu betrachten, sagt sehr viel über eines dieser Lebenskonzepte. Das andere – weibliche – Konzept ist leider nur angedeutet. Nämlich die Bereitschaft, wieder einmal mehr auf die Interessen des Partners Rücksicht zu nehmen, das eigene Fortkommen im Interesse der Partnerschaft zu vernachlässigen, einen einseitigen Verzicht zu leisten ohne Gegenleistung auch nur in Betracht zu ziehen.
Wie genervt ist denn ihre Frau inzwischen von der Tatsache, dass Sie seit über einem Jahrzehnt ihre bedingungslose Unterstützung beanspruchen (auch finanziell)?
Welche Garantie kann denn Ihre Frau noch für Ihre Partnerschaft geben, wenn Sie nur aus den genannten Gründen ihren Jobwechsel be-(ver-)hindern?
Man mag weder die USA noch besonders Ohio reizvoll finden und auch wenig Lust verspüren, dort ständig zu leben. Aber dafür gibt es doch Alternativen in einer globalisierten Welt. Nicht wenige Paare gestalten sich die Bedingungen, die sie für den Erfolg beider Partner brauchen, indem sie von Standards und Stereotypen abweichen. Warum nicht zeitweise an verschiedenen Orten leben? Warum nicht in der „Wüste“ Ohio eine kulturelle Oase schaffen? Warum nicht neue Betätigung und Bestätigung in neuen künstlerischen Bewährungsfeldern anstreben oder gar selbst erfolgreich und von bedingungsloser Unterstützung unabhängig werden?
Geht es denn wirklich nur mit Entweder-Oder? Fangen Sie schnell an, mit Ihrem kreativen Potenzial zu arbeiten und mehrere verschiedene, für beide Partner akzeptable Konzepte zu entwickeln. Vielleicht finden Sie gemeinsam sogar mehr als einen Kompromiss: einen Konsens, der eine gemeinsame Entwicklung als Partner zulässt.
Diese wichtige Chance für eine Frau, die schon so lange so viel für Sie getan hat, aus purem Egoismus zu zerstören, das tut man nicht!
Das tut man nicht
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