Was Personalchefs lesen

Facebook und Vorstellungsgespräche

aboutpixel.de / Selbstporträt © Carina S

Immer mehr Personalchefs räumen ein, User-Profile in Internet-Communities als ergänzende Entscheidungshilfen im Zusammenhang mit Stellenbesetzungen zu verwenden. Sie argumentieren, dass der Bewerber die privaten Informationen ja freiwillig bereit stelle. Sollte sich dabei herausstellen, dass der Bewerber und das Unternehmen nicht zusammen passen, sei es doch für beide Seiten besser, dies nicht erst beim Vorstellungsgespräch festzustellen, sondern bereits im Vorfeld anhand eines Internet-Profils. Ist diese Argumentation legitim? Tut man das?

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Von Adrian Schimpf

Adrian Schimpf, geboren 1969, leitet seit Anfang 2008 die Personal- und Managemententwicklung des Medienunternehmens Gruner + Jahr. Zuvor war er nach Jura-Studium und Referendariat als Rechtsanwalt in Dresden mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht und danach mehrere Jahre als Leiter Personal & Recht der Financial Times Deutschland tätig.
Adrian Schimpf ist Hertha BSC-Fan – und zwar unabhängig von Tabellenplatz und Liga. Seinem Verein wird man auch beim Abstieg nicht untreu. So etwas tut man nämlich nicht.

Selbstverständlich ist das legitim. Ob es sinnvoll ist, ist allerdings eine andere Frage. Denn ehrlich gesagt: welche Rolle spielt es für die Frage, ob jemand als Junior-Controller geeignet ist, wenn es im Netz peinliche Fotos aus seiner Studentenzeit gibt. Und wer als Blogger mal so richtig gegen seine völlig unfähigen Professoren vom Leder gezogen hat, muss ja nicht gleich ein renitenter Mitarbeiter sein. Aus solchen Eindrücken gleich schlussfolgern zu wollen, Unternehmen und Bewerber passten nicht zusammen, wird nur in wenigen Ausnahmefällen wie zum Beispiel rassistischen Äußerungen möglich sein. Ansonsten gilt: wenn der Bewerber nach seiner beruflichen Qualifikation eigentlich auf die Stelle passt, wird er zum Vorstellungsgespräch eingeladen – und dann eben zur Not gefragt, wie man die etwas merkwürdigen Einträge bei Facebook denn verstehen solle.


Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 8 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 2 Stimme(n)

6 Kommentare

guvo: 17.03.2010 - 10:03 Uhr

@ Volker R.

Informationsfreiheit? Kunstgriff. Nicht nachzuvollziehen. Auch nicht verallgmeinerbar. Denn sonst dürften Sie sich nur zu Hause aufhalten, wenn Sie was dagegen haben sollten, in der Öffentlichkeit nicht dauernd und von allen Seiten fotografiert zu werden. Wollen Sie nicht? Ihr gutes Recht.

Volker Rieble: 16.03.2010 - 16:03 Uhr

Informationsfreiheit!

Wer im Netz Inhalte deponiert, trägt dafür selbst die Verantwortung und hat von seinem informationellen Selb stbestimmungsrecht Gebrauch gemacht. Der Leser hingegen macht von seiner verfassungsrechtlichen Informationsfreiheit aus "allgemein zugänglichen Quellen" Gebrauch. Die zentrale moralische Frage zielt nicht auf das "Ob" der Information, sondern auf das Wie ihrer Bewertung. Das aber unterfällt der Meinungsfreiheit. Und auch die Meinungsbildung über Bewerber ist frei. Dementsprechend kann ich nicht verstehen, weswegen ein Personaler auf verfügbare Information zur Abrundung seiner Meinung verzichten sollte.

guvo: 13.03.2010 - 13:03 Uhr

@ Hmm

Das Ergebnis der Befragung verbagatellisiert das Problem um das es geht und beschwichtigt bloß. Hallo? Nicht in Gutglauben verfallen! Die eigentliche Verantwortung trifft der Personalentscheider und nicht er Artikelschreiber des Onlineportals. Das Prinzip ist es, um das es geht. Das informationelle Selbstbestimmungsrecht. Keine Prinzipienreiterei. Ausnahmen sollten bloß für Personenkreise gelten, die für die Öffentliche Sicherheit und Ordnung eine ernste Gefahr sind. Das Online-Karriereportal sugeriert nur Objektivität. Das ersetzt aber niemals, dass jeder Personalentscheider die Folgen seines Handelns zu vertreten hat. Das Risiko des Missbrauchs ist gegeben. Die Missachtung des Risikos als Personalentscheider ist letztlich eine Missachtung sich selbst gegenüber. Das-tut-man-nicht.

hmm: 12.03.2010 - 14:03 Uhr

Soziale Netzwerke als Einstellungshindernis?

"Die Befürchtung, dass persönliche Informationen, die ein Stellenbewerber in sozialen Online-Netzwerken hinterlässt, bei Vorstellungsgesprächen eine Rolle spielen, ist zumindest in Europa unbegründet. Das hat eine Befragung des Online-Karriereportals Stepstone ergeben, an der sich knapp 11.000 Fach- und Führungskräfte aus acht europäischen Ländern beteiligt haben." Quelle: http://www.versicherungsjournal.de/mehr.php?Nummer=103190

guvo: 12.03.2010 - 11:03 Uhr

Wissen ist Macht über andere

Legitim? Was heißt legitim? Das scheint ein schmieriger Begriff zu sein für Dinge, die zwar nicht verboten, aber auch nicht ausdrücklich erlaubt sind. Ein fragwürdiger Rechtszustand, ein Niemandsland, das jeder der will für sich belegen kann, so lange es keinen anderen Garanten gibt, der selbst eine höhere Legitimation hat. Der Gesetzgeber zum Beispiel. Braucht es aber immer den Gesetzgeber oder reicht nicht einfach unser gesunder Menschenverstand? Die Moral?! Selbst wenn den Gesetzgeber die Problematik offenkundig nicht berührt, fragt sich, ob es fair ist, dass zu einem Bewerber weitere Erkundigungen angestellt werden, als dieser eigentlich von sich aus frei gegeben hat. Klares NEIN. Legtimität hin oder her. Denn Wissen ist Macht. Bei Ihrer Sachverhaltsdarstellung sehe ich eine unheilvolle Verschiebung von Wissensinhalten. Zumindest müsste der Bewerber genauso viel Kenntnisse darüber haben, wieviel Schwachnsinn der Personalentscheider in seinem Leben verzapft hat. Aber selbst dann, halte ich es für erniedrigend, sich aus relativ nichtigem Anlass der Art gegenseitig zu druchleuchten. Frage an die Befürworter: Wie kann man nur so systemgläubig sein? Ich halte die bewerberbezogene Ausforscherei für höchst unmoralisch. Das-tut-man-nicht.

skynoheaven: 12.03.2010 - 11:03 Uhr

Das Internet vergißt nix!

Klar tut der Personaler das. Jeder muss sich bewusst sein: Das Internet vergisst nix. Selbst wenn ich hundert mal lösche, es ist als wollte man Frau Holles Bettfedern alle wieder einsammeln. Jeder der das weiss, schrieb vermutlich freiwillig. Wenn ich was über einen Mitarbeiter in Erfahrung bringen will, wird der gegoogelt. Und Facebook, XING etc. sind nun mal Plattformen um sich zu zeigen. Do not blame the mirror because of your face. Das kann man tun.. da rin kieken.

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Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

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