Trennung: Wenn die neue Liebe nicht hält, was sie verspricht

Von der neuen Liebe schon wieder getrennt - war das richtig?

aboutpixel/Daniel Werner

Ich lebe seit einem halben Jahr von meinem Mann getrennt. Auslöser jedoch nicht Ursache ist ein ebenfalls verheirateter Mann, mit dem ich seit 2 Jahren ein Verhältnis habe. Durch ihn habe ich die Liebe erst richtig kennen gelernt. Er schwört mir, ich sei die Liebe seines Lebens. Obwohl er mir immer wieder versichert, dass er sich von seiner Frau trennt, schafft er es nicht. Ich habe jetzt den Kontakt zu ihm abgebrochen und fühle mich äußerst bescheiden. War das die richtige Entscheidung?

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Von Lucie Panzer

Lucie Panzer ist evangelische Pfarrerin in Stuttgart. Sie ist für die Sendungen der evangelischen Kirche im ersten und vierten Programm des Südwestrundfunks (SWR) und für SWR DasDing verantwortlich. Seit 1995 ist sie Rundfunkpfarrerin der Württembergischen Landeskirche beim SWR. Zuvor war sie in gleicher Funktion für den Südwestfunk tätig. Lucie Panzer hat vier erwachsene Kinder.

Sie haben eine Beziehung beendet, die Sie glücklich gemacht hat. Ich verstehe, dass Ihnen das weh tut. Sie haben Liebe kennen gelernt und erlebt mit diesem verheirateten Mann – nur Liebe. Das ist ja das Besondere an so einem „Verhältnis“: wenn man sich trifft, ist da immer nur Liebe. Ausflüge, Restaurantbesuche, evtl. gemeinsamer Urlaub, Gespräche: der Alltag, der auch zu einer Beziehung gehört, ist weit weg. So müsste sie immer sein, die Liebe – das wäre schön.
Aber anscheinend war Ihnen das nicht genug. Sie haben gespürt, dass Liebe mehr sein kann. Verbindlichkeit, Verantwortung füreinander, Bewältigung eines gemeinsamen Alltags, Öffentlichkeit: das gehört zur Liebe dazu. Erst, wenn man sich auch den Alltag und nicht nur die gemeinsame Freizeit gegenseitig schöner machen kann, ist die Liebe ganz. Weil Sie das gespürt haben und anscheinend wollten, haben Sie Ihren Ehemann verlassen. Sie wollten den Weg frei machen für eine neue ganze Beziehung. Aber der verheiratete Mann, den Sie lieben, kann nur eine Teilbeziehung leben.
Sie schreiben nichts über die Gründe des Mannes, der sagt, Sie seien die Liebe seines Lebens. Hat er Kinder? Für die wäre es sicher schlimm, die Ehe zu beenden. Aber es gäbe wahrscheinlich Möglichkeiten, für die Kinder eine gute Lösung zu finden. Fühlt er sich doch seiner Frau gegenüber verantwortlich bzw. an sie gebunden? Es wäre aller Ehren wert, wenn er sich an sein Eheversprechen gebunden fühlt. Und wenn jemand sich so schwer von einer alten Beziehung trennt – kann man dann hoffen, dass auf den Scherben dieser Beziehung eine neue sich gut entwickeln kann? Hat der Mann, den Sie lieben, vielleicht mir seiner Ehefrau finanzielle Verbindlichkeiten, die sich nur schwer lösen lassen? Fürchtet er das Gerede in Familie und Bekanntenkreis? Oder möchte er sich nicht ein weiteres Mal binden und lieber die Freiheit dieser neuen schwerelosen (und womöglich heimlichen) Liebesbeziehung genießen?
Wie dem auch sei: Sie haben das Bedürfnis nach Verbindlichkeit und Ganzheit in ihrer Beziehung. Aber für den verheirateten Mann waren Sie nur ein – wenn auch sehr beglückender und geliebter – Teil seines Lebens. Genau genommen müsste man vielleicht sogar sagen: Sie waren ein zusätzlicher Teil außerhalb seines eigentlichen Lebens: so etwas wie Ferien vom Alltag.
Für Sie war diese Beziehung ein großes Glück. Aber ich fürchte, sie würden niemals das bekommen, was Sie sich gewünscht haben. Und eine Beziehung, in der die Partner so verschiedene Bedürfnisse haben – die würde irgendwann aus dem Gleichgewicht geraten.
Deshalb: Nach einer Zeit der Schmerzen haben Sie die Chance auf eine andere, ganze Liebe. Ich finde, Sie haben das gut gemacht. Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

3 Kommentare

skynoheaven: 09.02.2010 - 11:02 Uhr

Der Fluch der Konventionen

Der Mensch ist nicht monogam! Dieser banale Satz ist der Schlüssel für so manche Tragödie. Wir sind Getriebene, unser einziges Regulativ ist unser Gewissen. Wer Jahrzehnte in glücklicher Monogamie, egal ob Ehe oder Partnerschaft genannt, lebt, bildet eine sehr schöne Ausnahme. Die Kunst der Alltagsbewältigung ist Hedonismus und Altruismus zu kreuzen. Du und Du und Du kannst noch so glücklich in Deiner Familie sein, dann kommt DER Mensch um die Ecke und es macht Peng, und die Endorphine löschen Dein Ratio... Naturalis est nihil turpia. Natürliches ist nie verwerflich. Es zu unterdrücken ist unnatürlich. Das Regulativ ist unser Verstand und Gewissen.

Dowe: 02.02.2010 - 19:02 Uhr

Verstand siegt über Herz

Ich oute mich hier als die Fragestellerin und habe mit dieser Antwort gerechnet. Richtig glücklich bin ich aber damit nicht. Mein Verstand gibt Ihnen recht, jedoch mein Herz sagt was ganz anderes. Wir leben in einer Zeit der Herrschaft des Verstands und des Geldes. Ganz Deutschland lebt und wird regiert nach dieser Devise. Was dabei raus kommt, können alle jeden Tag sehen. Unter anderem werden unglückliche Beziehungen aus Vernunftsgründen und finanzieller Sicherheit weitergeführt und erhofft sich damit Zufriedenheit zu erlangen. Aber innere Erfüllung bleibt damit auf der Strecke. Ich bin 45 Jahre alt und habe 13 Jahre ohne wirkliche Verbundenheit aber in überdurchschnittlicher finanzieller Sicherheit mit meinem Mann und drei Kindern zusammen gelebt. Nach außen waren wir die privilegierte perfekte Familie. Bis mein Körper und meine Seele vollkommen streikte. Der andere Mann war ein Geschenk des Himmels (Entschuldigung Frau Panzer), der mich bis ins Innerste berührte und mir wurde erst durch ihn so richtig bewusst, was mir all die Jahre fehlte. Eine so innige Verbundenheit hielt ich bis dahin gar nicht für möglich, weil ich dies so in meinen Leben nie erfahren habe. Auch er versicherte mir immer wieder, dass er sogar noch viel mehr für mich empfindet. Warum er jedoch letztendlich die Trennung von seiner Frau nicht schafft, liegt wahrscheinlich an, Sie werden es ahnen: Der Kopf siegt über das Herz! Ich zitiere noch den kleinen Prinzen: Man sieht nur mit dem Herzen gut! Ich durfte es erfahren!

guvo: 28.01.2010 - 06:01 Uhr

Wo liegt das Problem?

Ihr Problem würde ich zu den Problemen zählen, die uns davon trennen, was man ein TOTAL erfülltes Leben nennen könnte. Das aller letzte Quentchen zum Glück. Wer auch nur für den Moment eines Augenaufschlags dieses irre Glücksgefühl erlebte, müsste sich bereits darüber ein Leben lang freuen können. Wenn nicht, liegt sein Problem vielleicht, nein, wahrscheinlich sogar, ganz wo anders. Schon bedacht? Schauen Sie: Nichts hält ewig. Und Ihr Lover hat sicher längst schon wieder eine Neue. Sei ihm gegönnt. Daher: Kann-man-tun.

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