Blockierte Sicht in der Oper

Große Menschen im Konzertsaal

pixelio/ dj marko

Bei jedem Theater-,Opern- oder Konzertbesuch erlebt unser Sohn (194cm groß), dass die Mitbesucher , die hinter ihm sitzen oder stehen, oft unwirsch,ärgerlich oder vorwurfsvoll reagieren. Auch wenn er z.B. für ein Konzert mit freier Platzwahl (Stehplätze) extra früh kommt, um einmal ganz vorne zu sein, findet er sich am Ende meistens in der letzten Reihe wieder. Der kollektive Druck kleinerer Menschen lässt ihn inzwischen schon schuldbewusst in jede Veranstaltung gehen.
Ist es wirklich richtig, dass ein Mensch auf Grund seiner Körpergröße (für die er ja nichts kann), immer den kleineren Menschen Platz machen muss, oder kann er diese Erwartungshaltung schlichtweg ignorieren, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?

Karl-Heinz_Schuetz_klein.jpg

Von Karl Heinz Schütz

 

Karl Heinz Schütz war Direktor der Koblenzer Volksbank und ist seit 25 Jahren Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Als Vizepräsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates konnte in seiner Amtszeit die Zahl der Verkehrstoten stark reduziert werden. Seit über zehn Jahren ist er Mitglied der "Freunde und Förderer der Staatsoper unter den Linden, Berlin". Der 83-jährige Koblenzer geht seit über 60 Jahren in die Oper. Hier erzählt er, warum er in Berlin Mitglied des Fördervereins der Lindenoper wurde: "Bei einer Jahresversammlung fragte mich der damalige Vorsitzende, Herr Minister Genscher, wie ich als Koblenzer auf die Idee komme, Mitglied der Freunde und Förderer der Deutschen Staatsoper in Berlin zu werden. Diesen Erfolg hat eine sehr  sympathische Kassiererin für sich zu verbuchen, denn als sie meine 2 m vor dem Kassenschalter sah und ich fragte, ob sie mir einen Platz mit Beinfreiheit vermitteln könnte, strahlte sie und sagte, ich verkaufe Ihnen den Honecker-Stuhl. Es war kurz nach der Wiedervereinigung in Berlin und ich fragte überrascht, was ist der Honecker-Stuhl ? Sie sagte, auf der Mittelloge stehen 3 freistehende Sessel; auf einem Hat Herr Honecker gesessen, wenn er in die Oper kam. Dieser Stuhl hat Beinfreiheit und steht so tief, dass die dahinter sitzenden Personen nicht behindert werden. Diese Freundlichkeit einer Angestellten der Staatsoper hat mich veranlaßt, bis jetzt seit etwa 10 Jahren Mitglied des Fördervereins zu sein."

 
 


Ich bin zwei Meter groß, inzwischen 83 Jahre und gehe seit 60 Jahren in die Oper. Meine schlimmste Erinnerung habe ich aus Bayreuth. Bekanntermaßen sind die Reihen im Theater von Bayreuth besonders eng. Ich saß und stieß mit den Knien dem Vordermann in den Rücken. Er war leider nur 1,60 m groß und entsprechend giftig. Er sprang auf und schrie mich an, ich sollte das sein lassen und als ich ihn darauf hinwies, dass ich nicht anders sitzen kann, wurde er nahezu unflätig. Nach dem ersten Akt, wo ich nun gezwungenermaßen öfter mit meinen Knien in seinen Rücken traf, sprang er in der Pause auf, spuckte vor mir aus und schrie, ich hasse sie.

In diese Diskussion schlossen sich natürlich mehrere ein, die Langen auf meiner  Seite, die Kleinen auf seiner Seite, bis die Platzanweiserin kam und mich bat, mich doch auf den Feuerwehrstuhl zu setzen. Der Feuerwehrstuhl stand frei und  war natürlich eine geniale Lösung, ich konnte meine langen Beine ausstrecken und die Oper verfolgen.

Ähnlich ging es mir auch mal in Berlin, aber der Streit eskalierte nicht so wie in Bayreuth.

Mein Problem, mit 2 m Länge einen Platz zu finden, ist übertragbar auf alle Opernhäuser Europas, wobei noch eine besondere Schwierigkeit in Salzburg besteht.

Zwischenzeitlich bin ich 83 Jahre alt und kann über 60 Jahre Opernbesuch mir meine eigene Meinung bilden. Dabei wäre die Lösung gar nicht so schwierig. Alle Parkettreihen in allen Opernhäusern enden unterschiedlich breit, d.h. am Ende der Parkettbestuhlung gibt es immer eine Reihe, die ein Stückchen nach außen und andere Reihen, die ein Stückchen nach innen enden. Wenn man also beim Kartenverkauf nachfragen würde, wie groß ein Mensch ist, könnte man ihm eine Karte auf den Außenplätzen des Parketts oder in den Häusern, wo Stuhlverbindungen bestehen, die Langen auf die oberen Reihen verfrachten.

Ähnlich günstig wäre die 1. Reihe in den 1. oder 2. Rängen. Dort ist der Abstand größer, weil ja Besucher in diesen Reihen gehen können und ihren Platz suchen. Außerdem besteht genügend Beinfreiheit. Das Problem der Sichtbehinderung ist generell für die Langen nicht dadurch gelöst, dass die Sitzreihen unterschiedlich hoch stehen.

Also mit etwas Nachfragen und gutem Willen könnte man eine Lösung finden. Die Menschen umzuerziehen, dass sie ihre Streitereien unterlassen, halte ich für unmöglich.


Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

0 Kommentare

Kommentar schreiben



Kommentar des Tages

Thilo Sarrazin und die Moral
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Es heißt "Deutschland schafft sich ab". Im Kern wird darin festgestellt, dass intelligente und gebildete Deutsche gerne darauf verzichten, sich das Leben mit Kindern zu beschweren. Unintelligente und ungebildete Einwanderer dagegen gründen Familien. Deshalb, so folgert Sarrazin, wird Deutschland dümmer. Sind das Buch und sein Autor deshalb unmoralisch? [>]

Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

Sophisticated Mums

21.08.2010

Sechs Wochen sind zuviel des Guten. Das jedenfalls finden die sophisticated mums Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Die lange Ferienstrecke strapaziert so ziemlich jede berufstätige Mutter und passt schon lange nicht mehr in die Zeit. Kloepfer plädiert für eine Verkürzung. Unverzagt dagegen will die lieben Kleinen auf keinen Fall der Schule überlassen. Sie fordert jeden Sommer bezahlte Elternzeit.  [>]

Meistgelesen

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Müssen erwachsene Kinder ihre Eltern pflegen - auch wenn sie einen Widerwillen dagegen haben? [>]

Meistkommentiert

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Mein Sohn spielt mit Schmuddelkindern. Darf ich es verbieten? [>]

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]