Muss ich meine demente Mutter pflegen?
Darf ich meine demente Mutter gegen ihren früheren Willen in ein Heim bringen?
Meine Mutter bewohnt eine Einliegerwohnung in unserem Haus. Früher hatte ich ihr immer versprochen, sie im Alter zu pflegen. Bei der Finanzierung unseres Hauses hat sie uns deshalb stark unterstützt. Seit einem Jahr leidet sie an Demenz und die Verantwortung für sie überfordert mich, obwohl wir von einem Pflegedienst unterstützt werden. Ich bin verzweifelt und würde meine Mutter am liebsten in ein Heim geben, obwohl sie das nie wollte. Tut man das?
Von Inge Jens
Inge Jens, Jahrgang 1927, ist promovierte Literatur-Wissenschaftlerin und Publizistin. Sie ist seit mehreren Jahrzehnten mit dem an Demenz erkrankten Schriftsteller Walter Jens verheiratet. 2009 erschien ihre Autobiografie „Unvollständige Erinnerungen“. Foto: Manfred Grohe
Ich denke, die Frage, ob "man" seine Mutter ins Heim gibt, ist wenig hilfreich. Fragen Sie sich vielmehr, ob Sie bei der häuslichen Pflege bereits alle Möglichkeiten bedacht haben, andere Hilfsquellen außer den eigenen physischen und psychischen Kräften zu mobilisieren. Dass ein Pflegedienst bei Demenzkranken von geringem Nutzen ist, gilt inzwischen als gesichert. Die Pflegepersonen wechseln viel zu häufig, so dass Kontinuität und Gleichartigkeit nicht gewährleistet sind.
Die konkrete Frage sollte deshalb lauten: ist es möglich, einen oder zwei Menschen zu finden (und zu bezahlen), die ein ausreichende Versorgung zuhause sicherstellen, ohne Sie zu überfordern? Dabei ist das Kriterium nicht die eigene Verzweiflung, sondern die physische Kraft, die man zu einer Pflege nun einmal benötigt. Mit der Verzweiflung umzugehen, kann man lernen, die physische Kraft hingegen muss einem zur Verfügung stehen, obwohl man sich vieles für den "richtigen" Umgang mit der Kranken aneignen kann. Wie denn auch die Bereitschaft, unkonventionelle Lösungen mit zu bedenken, selbst wenn sie zunächst eher belastend als hilfreich wirken, erlernbar ist. Als hauptsächlich belastete Pflegeperson müssen Sie sich klarmachen, dass weder Ihrer Mutter noch Ihnen selbst geholfen ist, wenn Sie sich überfordern und gar zusammenbrechen. Verantwortung umfasst nicht nur den Bereich der physischen Versorgung, sondern auch den der realitätsentsprechenden planenden Überlegung. Um da den rechten Weg zu finden, sollten Sie den Mut haben, zumindest mit Freunden offen über das Problem zu sprechen und eventuell auch für sich selbst professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen von Menschen, die Ihre konkrete Situation und Ihr soziales Umfeld kennen.
Erschweren Sie sich Ihre Entscheidungsfindung nicht durch den Blick auf das unvermeidliche Gerede im näheren und weiteren sozialen Umfeld. Im Vordergrund steht eine für alle Beteiligten sinnvolle und notwendige Entscheidung. Heim ist nicht gleich Heim. Sich hier kundig zu machen, gehört auch zu einer verantwortungsbewussten Pflege. Sich hier kundig zu machen, gehört auch zu einer verantwortungsbewussten Pflege. Und das können nicht nur Sie und ich, das kann sogar "man" tun.
Das kann man tun
Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)
Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)
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