Schwangerschaftsabbruch: Wann darf man dazu raten?

Die Schwangerschaft abbrechen, wenn das Baby vielleicht behindert ist?

aboutpixel/Uwe Dressler

Meine beste Freundin hat eine Tochter, die geistig behindert ist. Sie ist jetzt vier Jahre alt, und braucht viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Meine Freundin ist wieder schwanger, aber noch so ein Kind, das schaffen sie und ihr Mann nicht. Die Ärzte können nicht sagen, ob das Kind normal wird. Ich kenne ein Paar, das sich in einem ähnlichen Fall zum Abbruch entschlossen und es danach noch mal probiert hat. Ich würde ihr gern helfen - kann ich ihr raten, es auch so zu machen?

Von Hans-Martin Sass

Hans-Martin Sass ist Philosophie-Professor an der Ruhruniversität Bochum und am Kennedy Institute of Ethics an der Georgetown University in Washington D.C. Sass hat 1985 has Zentrum für medizinische Ethik in Bochum gegründet und gilt als einer der Begründer der Bioethik in Deutschland. In den vergangenen Jahren hat er sich immer stärker wissenschaftlich mit dem Problem unterschiedlicher ethischer Maßstäbe in verschiedenen Gesellschaften auseinandergesetzt. Sass vertritt die Ansicht, dass aufgeklärte und informierte Bürger in der Regel bessere Ratgeber in ethischen Fragen sind, als der Gesetzgeber, der seine Normen vorschreibt und sanktioniert.

Sie sprechen eine Frage an, die in ihrem Kern jahrhundertealt ist und auf die Philosophen, Theologen, Juristen, Vorgesetzte, Ehemänner, Familienoberhäupter immer wieder Antworten vorgeschlagen oder durchgesetzt und erzwungen haben. Ich denke, Ihre Freundin sollte es sich nicht leicht machen mit einer Entscheidung. Sie sollte viele Meinungen einholen - nicht als besserwisserische Ratschläge, sondern als unterschiedliche Informationen zu einem ethisch und existentiell (nicht  unbedingt juristisch) offenen Thema. Und sie sollte auf Sie oder andere Freunde dabei mehr hören als auf Priester oder Juristen oder Ärzte oder Bioethiker. Sie wird letztlich allein die Verantwortung für die Entscheidung tragen, tragen müssen, tragen dürfen.
 
Die Entscheidung wird auch davon abhängen, wie belastbar sich Ihre Freundin fühlt, wie überlastet sie schon jetzt eventuell ist mit ihrem behinderten Kind. Mein Rat, den ich auch anderweit vertreten habe, wäre, eine Entscheidung aber bald zu treffen und sich nicht allzulange zu quälen, weil ja auch das werdende Leben wächst. Wir wissen, dass vor dem 70. Tage der Schwangerschaft ein funktionierendes Hirnleben nicht existiert. Das Hirn wächst nur, Zellen spalten sich immer wieder, sie können deshalb keine Erinnerungen oder Informationen speichern, wohl auch keinen Schmerz. Eine klassische jüdische Position sieht daher den Fetus (sogar bis zur Geburt) als unselbstständigen Teil des weiblichen Körpers an, den sie wie eine Mikrobe abspalten, abtreiben kann.
 
Ich würde das ethische Problem der Abtreibung mit zunehmendem Alter des Fetus als ethisch jeweils problematischer ansehen. Und hier müsste Ihre Freundin dann den Schutz und die Akzeptanz des in ihr wachsenden Lebens abwägen gegen ihre Verantwortung dem viel Zuwendung verlangenden schon geborenen Kind oder einem anderen noch zu zeugenden und/oder ihrer eigenen Belastbarkeit.
 
Wir machen alle Fehler und bereuen diese später, aber dies ist auch Fall, in dem nur einer (eine) die Verantwortung haben darf und haben soll: die Schwangere. Und je näher jemand ihr steht, umso wichtiger wird der Rat für sie sein - der Rat von Philosophen oder Theologen sollte weit dahinter anstehen. Wenn es allerdings um den "Rat" (besser "Drohung") des Staatsanwalts geht, ist das eine andere Sache. Aber auch über dem Staatsanwalt steht in solchen höchstpersönlichen Verantwortungen das eigene Gewissen (vor Gott und/oder nur vor sich selbst).
 
Sorry, dass der Philosoph nicht mehr weiss, hierzu zu sagen, - und sich auch verpflichtet fühlt, nicht mehr zu sagen oder gar als Moralapostel, ohne irgendwie existentiell betroffen zu sein, aufzutreten. Also, ich sollte nicht 'sorry' sagen, denn die Entscheidung kann Ihrer Freundin niemand abnehmen, auch nicht ihr Ehemann oder Sie oder sonst jemand: so is life, so is responsibility, so is ethics.  Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

10 Kommentare

biyanka: 03.05.2010 - 12:05 Uhr

Klares Nein zum behinderten Kind

Es ist keinem geholfen, ein behindertes Kind zu bekommen. Kein Grund, sich für ach so toll zu halten und stolz auf sich zu sein. Das Ganze Umfeld leidet darunter, der Mann, die Geschwister, die Mutter und letztendlich ist es auch für das Kind kein Leben. Zusätzlich belastet es die ohnehin schon knappen Kassen der Krankenversicherung und der Sozialversicherungen. Ein ganz klares Nein zum Kind.

Eva M. Welskop-Deffaa: 24.01.2010 - 01:01 Uhr

Neue Rechtslage im Schwangerschaftskonflikt - professionelle Hilfe verbessert!

Wenn während einer Schwangerschaft der begründete Verdacht aufkommt, das Kind könne schwer krank oder mit einer Behinderung zur Welt kommen, stellt dies für die werdenden Eltern eine große Belastung dar. Es ist für sie außerordentlich schwer, sich im Durcheinander der Ängste und Hoffnungen zurecht zu finden, die durch einen entsprechenden ärztlichen Hinweis ausgelöst werden. Um hier professionelle Hilfe anzubieten, hat der Gesetzgeber zum 1.1.2010 die Rechtslage noch einmal angepasst. Im Kern gilt weiterhin: Die drohende Behinderung eines Kindes stellt keinen rechtfertigenden Grund für eine Abtreibung dar. Eine Abtreibung darf (jenseits der 3-Monats-Frist) nur vorgenommen werden bei Vorliegen einer medizinischen Indikation. Der Arzt kann dabei auch zu dem Ergebnis kommen, dass die Voraussetzungen für eine medizinische Indikation gegeben sind, wenn er davon ausgehen muss, dass die Frau mit der Aussicht, ein behindertes Kind zu bekommen bzw. durch das Leben mit dem behinderten Kind überfordert und überbelastet ist. Da es auch für den Arzt schwer ist, diese Einschätzung abzusichern und da die Gefühle der werdenden Eltern nach Eröffnung eines pathologischen PND-Befundes so wirbelsturmartig durcheinander geraten können, sieht das Schwangerschaftskonfliktgesetz seit dem 1.1.2010 vor, dass Ärzte nach Eröffnung des Befundes die Frau psychosozial und medizinisch gründlich beraten und sie an eine Schwangerschaftsberatungsstelle vermitteln müssen. Zwischen Eröffnung des pathologischen Befundes und Indikationsstellung muss außerdem eine 3-tägige Bedenkzeit liegen, in der sich die Gefühle sortieren lassen und in der die Frage des Vorliegens einer Indikation abgesichert werden kann. Professioneller Rat ist durch freundschaftlichen Rat in dieser Grenzsituation nicht zu ersetzen. Das neue Gesetz bietet schwangeren Frauen in der skizzierten Lage die Beratung und Hilfe, die sie brauchen. Informationen über das neue Gesetz findet man u.a. auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder bei der BZgA.

leobarb : 18.01.2010 - 10:01 Uhr

@Klio - Kein Schubladen-Denken!

Bevor man sich zu Wort meldet, sollte man sehr genau zuhören bzw. lesen, entsprechend dem Motto: Erst denken, dann handeln. Da ich "Ja zum Kind" geschrieben habe, wurde ich in eine Schublade gesteckt, mit despektierlichem Etikett. Solche Auseinandersetzungen sollten hier keinen Raum verschwenden, denn hier hat die Fragestellerin aus Sorge um ihre Freundin um konstruktiven Rat gebeten! In meiner Wortmeldung habe ich ausdrücklich dafür plädiert, dass die Mutter ein gutes soziales Netzwerk mit zuverlässigen Menschen braucht, die sie regelmäßig tatkräftig unterstützen und sich auch besonders um das größere Kind kümmern. (Das ist das Gegenteil von "mit ihren Problemen alleine lassen". Auch geht es hier nicht um die "Pille" oder um "verhungernde Kinder" - Klio schmeißt da alles in eine Schublade, nur weil ich mitgeteilt habe, dass ich für die Familie bete.) Beten hilft, und der Glaube an Gott kann Berge versetzen, sogar nichtchristliche Menschen ahnen das, nennen es dann aber "Wünschen" und "positives Denken". Auf den Beginn des menschlichen Lebens aus wissenschaftlicher Sicht hätte ich gar nicht hingewiesen, wenn nicht der Herr Professor das Bild von den "Mikroben" gebracht hätte. Hier könnte man ihm Fahrlässigkeit vorwerfen. Warum stößt sich eigentlich außer mir niemand an diesem Vergleich? Ich stimme Herrn Sass insofern zu, dass Ihre Freundin es sich nicht leicht machen sollte mit der Entscheidung und dass sie allein die Verantwortung tragen muss/darf. Und dass ihre Belastbarkeit dabei eine große Rolle spielt. Hier müssen die vielfältigen Unterstützungen ansetzen, die die Frau tatkräftig entlasten! Und hier hilft Gottvertrauen, denn dieses stärkt, auch in der Not

klio kommentiert bei Tagesspiegel.de: 16.01.2010 - 16:01 Uhr

Rat-Schläge braucht niemand

Einen Rat für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch sollte man tunlichst unterlassen. Die Entscheidung kann letztendlich nur die Mutter treffen, denn sie wird auch mit der Entscheidung leben müssen. Als eine Freundin von mir vor dieser Frage stand, hat es ihr geholfen, dass ich versuchte, ihr mit gezielten Fragen bei der Sortierung der widerstreitenden Gefühle, Ängste und Zukunftspläne zu helfen und Informationen über Hilfsangebote zu besorgen. Das Wichtigste war aber, ihr zu signalisieren, dass ich hinter ihr stehe und für sie da bin, egal wie ihre Entscheidung aussieht. Die Rat-Schläge aus fundamentalistischer Seite helfen hier in keiner Weise. Ein Kind, das man nicht annehmen kann, auszutragen, weil man sich moralisch erpresst wird, wird schwerlich glückliche Entwicklungsmöglichkeiten haben. Es ist vollkommen richtig, dass ein behindertes Kind ein großes Glück bedeuten kann. Doch wer allein diesen „Rat“ gibt, übersieht, dass die Frau, um die es geht, bereits Erfahrungen mit einer behinderten Tochter hat. Und bei der Frage, ob sie die Schwangerschaft austrägt, ist ein wichtiger Faktor sicher auch die Sorge um die weitere Betreuung und Fürsorge für vierjährige behinderte Tochter. Und hier ist ebans Hinweis vollkommen richtig, dass es unser aller Verpflichtung ist, Menschen mit Behinderung und die, die sich um sie kümmern, zu unterstützen. Auf die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zu pochen und die Menschen mit ihren Problemen alleine zu lassen, ist fahrlässig. Nach dem Motto: Hauptsche, die Pille ist verboten, auch wenn Kinder massenweise verhungern - sie haben ja einen Schutzengel, das muss reichen.

leobarb kommentiert bei Tagesspiegel.de: 16.01.2010 - 16:01 Uhr

Ja zum Kind

Wenn eine Frau ihr Kind abtreiben lässt, so vergisst sie dies ihr Leben lang nie mehr. Zumal das Kind vielleicht sogar völlig gesund gewesen war. Diese Zweifel lassen sich nicht verdrängen und können Frauen zermürben. Erst recht, wenn Ihre Freundin jetzt schon sehr belastet ist. Können Sie ihr nicht Ihre tatkräftige Unterstützung anbieten? Sie könnten der Mutter so regelmäßig wie möglich zur Hand gehen, ihr beistehen oder aber auch das große Kind ab und zu abnehmen. Vielleicht wäre es auch möglich, noch andere Hilfen zu aktivieren? Menschen auf die man sich verlassen kann und die kommen, bevor die Mutter am Rand ihrer Kräfte ist, lassen die Familie gedeihen. Auch behinderte Kinder bringen viel Sonne und Liebe ins Leben der Eltern. Dass Sass schreibt, beim Ungeborenen würden sich nur Zellen teilen, degradiert das Menschlein zu einem Zellhaufen! Dann führt er noch die jüdische Sicht an, dass Ungeborene bis zur Geburt noch keine Menschen seien, und sogar mit "Mikroben" verglichen werden. - Das entsetzt mich zutiefst! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ab dem Moment der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle eigenständiges menschliches Leben beginnt.Dieses Menschlein ist nicht alleine lebensfähig,es ist aber mit allen Erbanlagen ausgestattet und kann sich ab dieser Sekunde bis zu einem wundervollen Kind entwickeln. Außerdem hat jeder Mensch nicht nur einen Körper und einen Geist, sondern auch eine Seele, und zwar auch vom Moment der Zeugung an. Und einen Schutzengel, der ihn beschützt. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Ihrer Freundin in ihrer Not beistehen, dass Sie gemeinsam über die drei Möglichkeiten in Ruhe nachdenken und sich dabei vielleicht drei Zukunftsentwürfe versuchen auszumalen, so konkret wie möglich. Ja, drei Möglichkeiten: 1. Das Kind wird gesund geboren. 2. Das Kind wird krank geboren. 3. Das Kind wird getötet. Ich bete für sein Leben, für seine Mutter und seinen Vater und für alle, die ihnen helfen können.

eban kommentiert bei Tagesspiegel.de: 16.01.2010 - 16:01 Uhr

Ein großes Problem ist,

sollte sich die werdende Mutter gegen eine Abtreibung entscheiden, die Reaktion der Umwelt. Kommt das Kind tatsächlich behindert zur Welt, gibt es nicht wenige Menschen, die mit sich einem "das muss doch nicht sein" achselzuckend abwenden und so den Eltern die Schuld zuschieben, im schlimmsten Fall auch noch auf die Kosten abheben, die der Gemeinschaft entstehen. In unserer Welt, in der so vieles mach- und steuerbar erscheint, haben Behinderte schlechte Karten, und Eltern von behinderten Kindern erst recht, wenn die Behinderung hätte "vermieden" werden können. Ich glaube, den Gewissenskonflikt, den eine werdende Mutter angesichts einer möglichen angeborenen Krankheit des Kindes durchlebt und ihre inneren Kämpfe, kann ein Außenstehender gar nicht nachvollziehen. Man muss Prof. Sass zustimmen: Hier kann niemand zu- oder abraten. Die Frau (oder die Eltern) sind auf sich allein gestellt.

demokratur kommentiert bei Tagesspiegel.de: 16.01.2010 - 16:01 Uhr

Könnte

man vorhandene Kinder denn auch mal eben - nach einem Unfall z.B. wieder zurückgeben? Weil sie *beeinträchtigt* und im hohen Masse pflegebedürtig geworden sind? Ist es nicht eher von Vorteil, wirkliche Hilfen zu organisieren? Vielleicht ist es ja nicht beeinträchtigt.

guvo: 15.01.2010 - 12:01 Uhr

@ Maria

Über den ausbleibenden Widerspruch, der sich bei meiner Position von allen Seiten her eigentlich nur all zu sehr aufdrängt hatte ich mich schon gewundert. Ich lasse mich nur ungern vor den Wagen spannen. Aber ich vermutete, dass das hier passiert. Die dramatische Schilderung erscheint mir für die Fragestellerin eher der Anlass zu sein, um über ihr offenkundig nicht ganz einfaches Verhältnis zu Ihrer Freundin zu sprechen. Dazu habe ich mich einzig und allein in der Lage gesehen, etwas zu sagen. Alles andere hätte ich als anmaßend empfunden. Ich habe keinen heiligen Auftrag. Die Möglichkeit einer Behinderung des werdenden Kindes, zutreffender ist eigentlich Fötus, erscheint mir, obwohl es eine ernste Sache ist, offensichtlich viel zu unbestimmt. Das ist mir alles einfach zu vage, um direkt darauf zu springen. Was sagt die Freundin überhaupt dazu? Hat die keine Meinung? Keine Angaben in diese Richtung. Und dann soll man einfach sagen, ob die Fragestellerin die Freundin bereits beraten soll? Die Freundin braucht Gewissheit, darin, dass sie weder von der Fragestellerin noch von der Gesellschaft in Stich gelassen wird. Die Kirchengläubigen mit eingeschlossen. Egal wie sie sich selbst entscheidet. Was aber will die Fragestellerin hören? Die Antwort ist in der Fallschilderung doch offensichtlich bereits vorweggenommen. Jetzt nur noch zu nicken oder den Kopf zu schütteln kommt mir jedenfalls nicht in den Sinn. Ich schließe nicht aus, dass Ihr, sagen wir einmal, Ansinnen, liebe Maria, ihren Blick auf die Fallschilderung sehr getrübt hat. Was dichten Sie der Fallschilderung nicht noch alles hinzu und das im ausdrücklichen Namen Ihres Glaubens? So gut wie nichts lässt sich tatsächlich der Fallschilderung entnehmen. Das wirkt jedenfalls doch sehr anmaßend. Es wird dazu gedichtet bis es passt. Besser nichts hinzudichten oder hinweglassen und wenn nichts anderes in der Nähe sein sollte dazu bloß eine gute Scheibe rote Bete aus dem Glas genießen. Ist für Ihre Gesundheit bestimmt nicht abträglich. Liebe Grüße

Maria: 15.01.2010 - 09:01 Uhr

Ja zum Kind

Liebe Fragestellerin, Ihre Freundin ist in großer Sorge, ob das zweite Kind gesund sein wird. Die Ärzte wissen es nicht, also ist es gut möglich, dass das ungeborene Kind gesund ist! Wenn eine Frau ihr Kind abtreiben lässt, so vergisst sie dies ihr Leben lang nie mehr, und sie wird sich immer wieder fragen, ob ihre Entscheidung richtig war. Zumal das Kind vielleicht sogar völlig gesund gewesen war... Diese Zweifel lassen sich nicht verdrängen und können Frauen zermürben und krank machen. Wenn Ihre Freundin jetzt schon sehr belastet ist, ist eine Abtreibung zwar eine kurzfristige "Erleichterung" von der Sorge um die Gesundheit des neuen Kindes und der Angst vor einer möglichen starken Zusatzbelastung der Familie, aber die Tötung kann ihre psychische Stabilität durch lebenslange Zweifel oder Schuldgefühle ins Wanken bringen... Können Sie sich als ihre beste Freundin nicht vorstellen, ihr Ihre tatkräftige Unterstützung anzubieten? Falls das Kleine wirklich krank sein sollte, könnten Sie der Mutter so oft und so regelmäßig wie möglich zur Hand gehen, ihr beistehen oder aber ihr auch das große Kind ab und zu abzunehmen. Vielleicht wäre es auch möglich, im Freundes- und Verwandtenkreis noch andere möglichst regelmäßige Hilfen zu aktivieren? Ein gutes soziales Netzwerk, Menschen auf die man sich verlassen kann und die kommen, bevor die Mutter am Rand ihrer Kräfte ist, lassen die Familie gedeihen. Auch behinderte Kinder bringen viel Sonne und Liebe ins Leben der Eltern. Ich verstehe nicht den Kommentator Guvo, der meint, Freunde sollten sich heraushalten, damit die Freundschaft keinen Schaden nehme! - Hier geht es nicht nur um einen "Schaden", sondern um Leben und Tod eines Menschen! Dass der Bioethiker Sass schreibt, das Ungeborene könne die ersten 70 Tage im Mutterleib keinen Schmerz empfinden und es würden sich nur Zellen teilen, degradiert das Ungeborene zu einem Zellhaufen! Zu allem Überfluss führt er dann noch die jüdische Lehre an, nach dem Ungeborene bis zur Geburt noch keine Menschen seien, und sogar mit "Mikroben" verglichen werden. - Das entsetzt mich zutiefst! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ab dem Moment der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle eigenständiges menschliches Leben beginnt, dass also in dieser Sekunde ein Mensch entsteht! Dieses Menschlein ist nicht alleine lebensfähig und muss vom Körper der Mutter versorgt werden. Es ist aber mit allen Erbanlagen ausgestattet, die es braucht, und kann sich ab dieser Sekunde mit diesem genetischen Programm bis zu einem wundervollen Kind entwickeln. Außerdem hat jeder Mensch nicht nur einen Körper und einen Geist, sondern auch eine Seele, und zwar auch vom Moment der Zeugung an. Und einen Schutzengel, der ihn beschützt. Es war mir ein Bedürfnis, nachdem ich die Antworten von Sass und Guvo lesen musste, mir das von der Seele zu schreiben. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Ihrer Freundin in ihrer Not beistehen, dass Sie die richtigen vorsichtigen Worte finden, damit Sie gemeinsam über die drei Möglichkeiten in Ruhe nachdenken und sich dabei vielleicht drei Zukunftsentwürfe versuchen auszumalen, so konkret wie möglich. Ja, drei Möglichkeiten: 1. Das Kind wird gesund geboren. 2. Das Kind wird krank geboren. 3. Das Kind wird getötet. Ich bete für das Leben des kleinen Menschleins. Ich bete auch für seine Mutter und seinen Vater und für alle um sie herum, die ihnen helfen könnten. Mit herzlichen Grüßen! Maria

guvo: 14.01.2010 - 01:01 Uhr

Akut drohenden Schaden abwenden

Trauen Sie Ihrer Freundin nicht zu, die Entscheidung zu finden, die für sie und ihr noch nicht gebornenes Kind richtig ist? Das emfinde ich als das eigentlich akute Problem. Die Freundschaft zwischen Ihnen und Ihrer (besten) Freundin ist es, die Schaden erleiden könnte. Bringen Sie sich nicht um diese Freunschaft, selbst dann nicht, wenn Ihre Freundin Sie kein einziges mal nach Ihrer Meinung fragen sollte. Ihre Freundin wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die richtige Entscheidung zur Not auch allein finden. Wegen des Umstandes, dass Ihre Freundschaft akut noch nicht belastet ist und auch nicht ohne Not belastet werden sollte empfehle ich Ihnen: Das-tut-man-nicht.

Kommentar schreiben



Kommentar des Tages

Thilo Sarrazin und die Moral
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Es heißt "Deutschland schafft sich ab". Im Kern wird darin festgestellt, dass intelligente und gebildete Deutsche gerne darauf verzichten, sich das Leben mit Kindern zu beschweren. Unintelligente und ungebildete Einwanderer dagegen gründen Familien. Deshalb, so folgert Sarrazin, wird Deutschland dümmer. Sind das Buch und sein Autor deshalb unmoralisch? [>]

Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

Sophisticated Mums

21.08.2010

Sechs Wochen sind zuviel des Guten. Das jedenfalls finden die sophisticated mums Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Die lange Ferienstrecke strapaziert so ziemlich jede berufstätige Mutter und passt schon lange nicht mehr in die Zeit. Kloepfer plädiert für eine Verkürzung. Unverzagt dagegen will die lieben Kleinen auf keinen Fall der Schule überlassen. Sie fordert jeden Sommer bezahlte Elternzeit.  [>]

Meistgelesen

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Müssen erwachsene Kinder ihre Eltern pflegen - auch wenn sie einen Widerwillen dagegen haben? [>]

Meistkommentiert

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Mein Sohn spielt mit Schmuddelkindern. Darf ich es verbieten? [>]

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]