Geld her, aber bloß nicht mehr: Was passiert, wenn Wohltätern das Geld ausgeht?

Bundesverband deutscher Stiftungen

Ich habe jahrelang eine caritative Organisation finanziell unterstützt. Nun geht es mir materiell nicht mehr so gut. Ich habe meine Mithilfe angeboten. Das wurde mit den Worten abgelehnt, Hilfe habe man genug, es fehle Geld. Das hat mich sehr gekränkt. Ich überlege nun, das alles öffentlich zu machen und auszutreten, auch um andere auf den wahren Charakter des Vereins hinzuweisen.   Ist das eitel, oder macht man das?

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Von Hans Fleisch

Hans Fleisch ist Generalsekretär des Bundesverbandes deutscher Stiftungen. Er selbst  hat verschiedene Stiftungen mit gegründet und betreut, er war in der vergangenen Legislaturperiode zudem Zivilgesellschaftsbeauftragter der Bundesregierung. Fleisch gilt als Mitinitiator der Neufassung des deutschen Stiftugsrechts.

Das Gefühl persönlicher Kränkung ist ein schlechter Ratgeber. Persönliche Kränkung sollte kein Anlass sein, negative Energie abzuladen - erst Recht nicht auf eine Organisation, die man wegen ihrer Ziele und Arbeit lange Zeit unterstützungswürdig fand. Das Ausleben individueller negativer Gefühle auf Kosten einer caritativen Organisation, deren einziger Engpass Spenden sind, richtet Schaden an, mehr nicht. Man sollte sich bemühen, Schaden zu vermeiden und nicht Schaden anzurichten. Zudem: gibt es wirklich einen Grund, gekränkt zu sein in diesem Fall? Die genannte caritative Organisation war doch nur ehrlich mit ihrer Reaktion auf das Hilfsangebot. Ehrlichkeit ist begrüßenswert. Eine gemeinnützige Organisation braucht Ressourcen, um ihre caritativen Aufgaben zu erfüllen. Wenn sie bestimmte Ressourcen - zum Beipsiel Zeitspenden - ausreichend hat, aber andere - zum Beispiel Sach- oder Geldspenden - unzureichend hat, dann ist es richtig und anerkenneswert von der Organisation, dies offen zu kommunizieren. Die caritative Organisation ist nicht für die (ehemaligen) Geldspender da, sondern für die hilfsbedürftigen "Zielgruppen", in deren Unterstützung die Spenden fließen.  Ich habe selbst jahrelang eine (Entwicklungshilfe-)Organisation aufgebaut, deren Konzept es war: a. das Ehrenamt im Wesentlichen nur in den überwachenden und steuernden Gremien durch eine Auswahl hochkompetenter Persönlichkeiten zu bitten, b. die Durchführung der Arbeit im Prinzip nur durch angestellte hochqualifizierte Profis zu erledigen.  Und wir wollten aus wohl überlegten Gründen keine Sachspenden, die wir darum, wenn sie uns angeboten wurden, ebenso ablehnten wie manches Angebot ehrenamtlicher Mithilfe. Auf unserem Konzept beruhte die besondere "professionelle" Qualität der Arbeit. Unsere Organisation, die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, hat mit ihrem Konzept auf ihrem Gebiet mehr erreicht als manche andere mit den Spendengeldern. Man kann so ein Konzept und die Arbeit der Organisation gut finden oder nicht - wenn man es gut findet, kann man spenden, wenn nicht, kann man es lassen. Wer aber in eigener materiell schwieriger Phase in manchen Punkten besonders sensibel und dann aufgrund der ehrlichen Reaktion der gemeinnützigen Organisation auf eine Ablehnung hin sich persönlich nicht ausreichend gewertschätzt fühlt und daraufhin dies negativ auslebt, der stellt die eigene Anerkennung über das Gemeinwohl. Das ist allerdings schadensbringende Eitelkeit. Sie nützt niemandem. Das sollte man lassen. Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

1 Kommentare

guvo: 01.11.2009 - 14:11 Uhr

Selbstachtung

Das Gefühl persönlicher Kränkung ist ein deutliches Signal aber kein hilfreicher Indikator, um Anlass von Ursache zu unterscheiden. Wie das in einem solchen Moment so ist, wenn es einem nicht gut geht. Wenn die Vielzahl subitler Kränkungen über Hand nimmt. Dann braucht nur noch jemand vorbeizukommen, selbst wenn er nichts dazu beitrug. Worauf es ankommt ist, nicht die Selbstachtung zu verlieren. Diese erhält man sich, in dem man unentwegt den Rahmen der eigenen Handlunsmöglichkeiten ausleuchtet. Darauf gilt es, das eigene Ich auszurichten. Der große Philosoph Emanuel Kant diktierte es in seinem kategorischen Imperativ. Dieser heißt am Anfang. "Handle..." Es gilt, sagen zu können: Das ist m-e-i-n Werk! Zu sich selbst unbeirrt stehen zu können. Heißt es nicht, dass es schlechtes Wetter an sich gar nicht gibt, sondern eigentlich nur schlechte Kleidung oder die unpassende Einstellung? Die Alternative hieße sonst nur, dass man sich nicht mehr vor´s Haus trauen würde. Das-tut-man-nicht.

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Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]