Fäkalsprache im Büro

Kraftausdrücke von der Chefin

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Meine Sachgebietsleiterin, ehemals Anwältin, ist sowohl fachlich wie auch im persönlichen Umgang äußerst penibel, nimmt sich aber während Besprechungen, sei es nun zu zweit oder zu mehreren, immer wieder heraus, die Fäkalsprache (Sch...., K....) zu benutzen. Mich stört diese Inkonsequenz total, und ich würde ihr am liebsten sagen, sie solle dies bitte unterlassen. Ich finde, das gehört sich nicht, vor allem, wenn man sonst so "heikel" ist und auf jede minimale "Verfehlung" achtet. Sie ist auch nicht sparsam mit Kritik, sowohl was die fachlichen Fähigkeiten als auch die persönlichen Verhaltensweisen ihrer "Untergebenen" anbelangt. Kann ich sie hinweisen, dass ich die Fäkalsprache respektlos finde?

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Von Karin Winnefeld

Diplom-Psychologin und Pädagogin. Umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Organisations- und Personalentwicklung. Lehr- und Beratungserfahrung im In- und Ausland. Leitung eines Beratungsdienstes in der Schulpsychologie. Zehn Jahre lang Lehrbeauftragte für Organisations- und Personalentwicklung an der Universität Hamburg.

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Die Frage hat mehrere eingebettete Aspekte: da ist
1. die beanstandete Fäkalsprache
2. der Ärger über die penible, auf minimale Verfehlungen achtende, nicht sparsam mit Kritik an fachlichen und persönlichen Verhaltensweisen agierende Vorgesetzte.
3. die Verbindung dieser beiden Elemente, die sich in Worten wie "Inkonsequenz, gehört sich nicht, vor allem wenn man....respektlos" ausdrückt.

Worum geht es der Fragerin? Was stört sie in ihrem tiefen Inneren? Ich höre viel Ärger, vielleicht auch Enttäuschung über nicht gewürdigte fachliche Fähigkeiten, auch nicht gesehene persönliche Stärken. Liegt die empfundene Respektlosigkeit eher in einer mangelnden Wertschätzung (die 'Untergebenen') als im Gebrauch der 'Fäkalsprache'?
Wäre es genauso unangenehm, wenn die Vorgesetzte nicht so penibel wäre?

Zweifellos sind die störenden Wörter 'Fäkalsprache' in ihrer Ursprungsbedeutung. Sprache unterliegt allerdings zum einen immer einem Bedeutungswandel, der durch zeitliche und soziale Umgebungen geprägt wird ( geil..) und hat auch individuell für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen. Auch wortgewaltige Intellektuelle benutzen das Wort Scheiße ohne das 'Eigentliche' zu meinen. Die Assoziationen sind möglicherweise völlig unterschiedlich. Wenn die Fragerin das unangenehm findet, kann sie das äussern: nur, sie muss über sich selbst sprechen, IHR ist es unangenehm. Ob es respektlos ist, weiss sie nicht. Was die Vorgesetzte damit verbindet, weiss sie nicht. Die Bemerkung, es sei inkonsequent, ist eine unzulässige Bewertung.

Die Fragerin kann die Vorgesetzte nicht darauf hinweisen, dass sie das respektlos findet, das kehrt das Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis um. Sie kann sie allerdings um ein Gespräch über die Zusammenarbeit bitten und darin

- beschreiben, in welcher Weise und bei welcher Gelegenheit die Vorgesetzte was kritisiert hat
- welche Auswirkungen das auf die Mitarbeiterin hatte, sachlich und emotional und
- was sie sich wünscht, um sich gesehen zu fühlen.

In diesem Gespräch kann sie ihr auch sagen, dass sie jedesmal zusammenzuckt oder.... erschreckt ... oder... es ihr unangenehm ist  - es lohnt, genau zu forschen, was diese Wörter bei ihr auslösen -  wenn die Vorgesetzte Sch..., K.... benutzt - sie muss diese Wörter allerdings beherzt aussprechen -  und wann und wie häufig das passiert. Sie kann abschliessen damit, zu sagen, dass es ihr wichtig war, dass die Vorgesetzte das weiss. Ob die dann etwas ändert, ist nicht in der Hand der Fragerin, aber es ist auf dem Tisch und läuft nicht mehr verdeckt, was meist etwas Bereinigendes hat.



Das kann man tun

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3 Kommentare

Hans-Joachim Heyer: 13.02.2010 - 08:02 Uhr

Vergröberung

Wer sich derb oder grob ausdrückt, denkt auch entsprechend. Von Vorgesetzten erwartet man immer auch Vorbildlichkeit, also einen gewissen Vorsprung, was fachliche Kompetenz und menschliche Qualitäten anlangt. In diesem gegebenen Fall scheint es einen Widerspruch zu geben: Die Vorgesetzte ist kein Vorbild! Sie ist zu penibel, was bedeutet, dass sie sich im Kleinklein verliert und das große Ganze nicht ausreichend würdigt und sie spricht derb/grob, was bedeutet, dass sie auch die fachlichen Probleme (und mögliche Lösungen) nicht differenziert genug betrachtet. Hier wird also nicht nur die undifferenzierte Sprache der Vorgesetzten kritisiert, sondern Symptome beschrieben, die darauf hinweisen, dass die Vorgesetzte ihre Position zu unrecht innehat.

skynoheaven: 12.02.2010 - 10:02 Uhr

Das Lindenblatt?

Der Beitrag ähnelt verblüffend einer Suada aus der Kantine: " Der Bursche ist genial. Solange er Chef ist, hat keiner eine Chance an ihm vorbei Karriere zu machen. Hohe Sozialkompetenz, exzellentes Fachwissen, charismatisch, eloquent, charmant und witzig. Jedem Angreifer sind seine Schuhe zu groß!" -" Ja, das schon. Aber er benutzt sehr viele Elemente aus der Fäkalsprache, das Arschloch!" Kann es sein, dass es sich bei dem Beitrag auch um sprach- und hilflosen Neid handelt? Diese Chefin würde möglicherweise auf Vorhaltungen sagen, " Pardon, Sie haben Recht! Aber zur Sache..." Kann man machen, kann nach hinten los gehen.

guvo: 12.02.2010 - 09:02 Uhr

Mal laut - mal leise

In Anbetracht schlechter Unternehmensergebnisse (Arbeitsbedingungen, Umweltbelastungen, Zielsetzungen etc.) würde man sicher gut daran tun, seine Unzufriedenheit mal couragiert zu äußern: "Was soll der Scheiß?" Davon abgesehen, fragt sich, ob Sie tatsächlich ein Stück Ihrer Selbstachtung verlieren würden, wenn solche Kraftausdrücke fallen, die Sie erwähnen. Denn Kraftausdrücke lassen sich grundsätzlich auch als freie Meinungsäußerung auffassen. So lange Sie nicht zulassen, dass es sie persönlich trifft? Es liegt ganz bei Ihnen. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Wenn doch, dann stets nah an der Sache. Kann-man-tun.

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