Männer und die Frauenquote

Wenn Frauen Männerkarrieren blockieren

aboutpixel.de / Managerutensilien © Kirsten Oborny

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Ich leite ein Team bei der Telekom. Da ich ehrgeizig und gut bin, will ich Karriere machen. Mein Chef hat mir allerdings unter der Hand signalisiert, dass er in den nächsten drei Jahren eigentlich nur Frauen befördern kann, um die Frauen-Quote zu befriedigen, die sich der Konzern gegeben hat. Offiziell würde er so was natürlich nie sagen, sodass einige Männer in der gleichen Lage wie ich offiziell dagegen auch nicht vorgehen können. Wir sind stinksauer und eigentlich alle nun auf der Suche nach neuen Arbeitgebern. Ein paar von uns spielen mit dem Gedanken, in die Öffentlichkeit zu gehen. Aber tut man das?

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Von Barbara Bierach

Barbara Bierach leitete acht Jahre lang die Management- und Karriereberichterstattung der Wirtschaftswoche. Nach dem großen Erfolg ihres ersten Buchs „Das dämliche Geschlecht“ machte sie sich 2002 als Autorin und Journalistin selbständig. Heute lebt sie in Sydney, Australien, wo sie für verschiedene namhafte deutsche und australische Medien arbeitet.

Nun ja, Sie und Ihre Kollegen können nun den Siegfried geben und den Drachen töten. Also an die Öffentlichkeit gehen und die Deutsche Telekom AG als ein Unternehmen vorführen, das  diskriminiert, jetzt halt zur Abwechslung mal die andere Seite, die Männer. So entstehen vielleicht Heldenlegenden, Karrieren allerdings nicht. Denn wie Siegfried bleibt Ihnen eine Stelle auf dem Rücken, die Sie verletzbar macht. Das Unternehmen kennt diesen Schwachpunkt und wird vermutlich nicht lange zögern, den Dolch hinein zu stoßen. Soll heißen: Wenn Sie den Sachverhalt öffentlich machen, ist der Job vermutlich ganz schnell weg. Sollten Sie dem Unternehmen mit öffentlichen Äußerungen schwer schaden – und so wird ein Arbeitsrechtler der Telekom argumentieren – wird Ihnen auch der Arbeitsrichter kaum helfen wollen. Im übrigen steht hier Aussage gegen Aussage,  denn ihr Chef wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Standpunkt stehen, dass hier ein Missverständnis Ihrerseits vorliegt. Sie schreiben selber, er habe nur „signalisiert“ und würde offiziell „so was natürlich nie sagen“. Ich glaube daher: Das tut man nicht, denn wem ist moralisch geholfen, wenn Sie den Job verlieren? Im übrigen: Falls Sie tatsächlich die Ethik-Keule schwingen und das Unternehmen öffentlich angreifen wollen, werden Sie am Ende möglicherweise selber dastehen wie einer von diesen frauenfeindlichen Dinosauriern, die die Zeichen der Zeit nicht begreifen. Es ist gut möglich, dass so ein Unterfangen ausgeht wie das Horneberger Schießen und Sie am Ende als der diskriminierende Unhold dastehen, nicht das Unternehmen. Bei der weiteren Jobsuche würde Ihnen das auch nicht gerade helfen. Wenn Sie so gut und so ehrgeizig sind, wie sie glauben, werden Sie Karriere machen. Ihre Leistung wird durchaus wahrgenommen werden, auch wenn eine Beförderung gerade aus politischen Gründen nicht geht. Signalisieren Sie daher, dass Sie das Problem verstanden haben, die Dankbarkeit Ihres Chefs ist Ihnen sicher. Signalisieren Sie aber auch, dass es dann andere Möglichkeiten der Weiterentwicklung für Sie geben muss. Mehr Geld? Spannende Projekte? Weiterbildung? Oder falls Sie so was reizt: ein Auslandseinsatz. Zu gegebener Zeit kommt dann auch die Beförderung.     Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

6 Kommentare

rosie: 18.09.2013 - 14:09 Uhr

Da haben die Frauen nun mühsam ihre Gleichberechtigung errungen...

...und schon schreien die Männer, als würde ihnen etwas weggenommen. Wenn ich so etwas höre, wünsche ich mir, daß eine Frau diesesn Posten erhält.

Axel Hendrik Buse: 03.09.2012 - 09:09 Uhr

Woher wissen Sie das?

"Wenn Sie so gut und so ehrgeizig sind, wie sie glauben, werden Sie Karriere machen. " Woher wissen Sie das???

Rasmussen: 02.03.2011 - 17:03 Uhr

Gleichheitsquote

Wie wäre es, wenn statt der Frauenquote eine "Gleichheitsquote" für alle Tätigkeiten eingeführt würde, für die keine geschlechtsspezifischen Voraussetzungen erforderlich sind? Dann wären Personaler per Gesetz gezwungen, Bewerber zu finden, die den Job gar nicht haben wollen. Und noch mehr Stellen als bisher wären mit Leuten besetzt, die dort nicht aufgrund ihrer Bedürfnisse und Kenntnisse sitzen, sondern "gezwungenermaßen". Weil die Umstände, die Entfernung/Nähe zum Wohnort, der Arbeitsplatz des Partners... usw. (nur nicht die Qualifikation) ... diesen Job erstrebenswert machen.

Das Amt: 04.02.2011 - 13:02 Uhr

Männer blockieren auch....

Als Mitarbeiterin eine Personalabteilung in einer Bank bin ich für eine Frauenquote. Natürlich sollte immer der Bessere den Job kriegen, aber dieser Idealzustand geht an der Realität vorbei. Ein Beispiel aus persönlicher Erfahrung: Eine Fachabteilung gibt mir das Anforderungsprofil für eine Stelle. Alle Bewerbungen werden von mir und der Abteilung geprüft. Der beste Bewerber wird herausgesucht, hier eine Frau. Die Dame stellt sich vor, bei mir und in der Abteilung. Alles positiv. Ich befürworte die Einstellung. Was kommt aus der Fachabteilung: Ich soll doch trotzdem bitte den (hier männlichen) Bewerber XY einstellen, weil: 1. den kennt ein Kollege, ein Kunde, der Sohn des Chefs vom Studium (Netzwerk) oder 2. mit dem hat ein Mitarbeiter schon mal in einer anderen Firma zusammengearbeitet (Netzwerk) oder 3. den Vater des Bewerbers kennt der Chef privat, der Bewerber hat gerade das erste Kind bekommen und braucht die (besser bezahlte) Stelle oder 4. ein Freund des Chefs hat ihn empfohlen (Seilschaften) oder 5. der ist einfach im selben Sportclub und und und......das alles wohlgemerkt, obwohl der Bewerber XY NICHT der am Besten Qualifizierte war. Ohne die Zustimmung der Fachabteilung musste ich der ausgezeichneten Bewerberin absagen. Wenn jemand wirklich glaubt, dass immer nur die Besten eingestellt werden, dann irrt er gewaltig. Da heute die Chefetagen doch mehrheitlich mit Männern besetzt sind, spielen Seilschaften oft eine größere Rolle, auch zu ungunsten Firma (immerhin ist der Zweitbeste ja auch nicht gerade grottenschlecht, wenn auch nicht der Beste). Und das lässt sich im Moment nur durch die Quote verringern. Zum Fragesteller: Ihr Vorgesetzter hat signalisiert, er könne Sie nicht befördern aufgrund der Quote. Woher wissen Sie, dass das die Wahrheit ist. Auch Führungskräfte meiden oft klare Ansagen über die Qualifikation der Mitarbeiter und schieben die Ablehnung gerne auf andere (hier die Frauenquote), obwohl er den Mitarbeiter oft für ungeeignet hält. So meiden sie die Konfrontation, gerade, weil die Bewerber um ein Beförderung die eigene Qualifikation oft anders einschätzen. Und es ist kein Geheimnis wenn ich sage: Dieses Verhalten wird von den Personalabteilungen und den Rechtsabteilungen empfohlen.

Skynoheaven: 03.02.2011 - 11:02 Uhr

Schere im Kopf

Das Problem ist leider weit komplexer! Es ist das Thema Planstellen. Man/frau stelle sich vor einem Abteilungsleiter ( noch schlimmerer Konflikt einer Abteilungsleiterin) wird eine ( weitere) Stelle genehmigt. Es gibt klare Vorgaben seitens der GF weibliche Kräfte bei gleicher Eignung zu bevorzurgen. Es liegen Bewerbungen vor. Eine weibliche, 28 frisch verheiratet, optimale Eignung. Mehrere männliche gleicher Qualität. Der Abteilungsleiter braucht zur Erfüllung seiner Ziele UNBEDINGT diese Fachleute. Im Stillen denkt er/sie sich: " was ist wenn die Dame schwanger wird? Die besetzt die freiePlanstelle für dich ich so lange kämpfte..." Er/sie wird sich "vorsichtshalber" für den Mann entscheiden... Aber ob da eine Quote hilfreich wäre?

Käfer: 02.02.2011 - 14:02 Uhr

Ich bin sauer.

Nur um das im Vorhinein klarzustellen: Ich bin selbst weiblich. Und so ganz allmählich kann ich dieses Wort "Frauenquote" nicht mehr hören. Mir ist bewusst, dass das ein gesellschaftliches Problem ist. Aber ich finde ganz klar: Wenn Männer für einen Job besser geeignet sind, sollten sie diesen Job auch bekommen. Oder gibt es in sogenannten "Frauenjobs" wie beispielsweise ErzieherIn im Kindergarten auch eine "Männerquote"? Ich kann durchaus verstehen, dass Mann sich darüber aufregt. Und prinzipiell finde ich schon, dass sowas auch angesprochen gehört. Dummerweise muss man die Konsequenzen bedenken, die ja schon angesprochen wurden. Außer nach Alternativen (zur Beförderung innerhalb der Telekom oder ein anderer Job) zu suchen fällt mir auch nicht ein.

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