Die lieben Eltern und das Studentenleben
Muss mein Vater für mein Studium zahlen?
Ich möchte im Herbst mit dem Studium beginnen. Mein Vater will mir das nicht finanzieren. Er findet, dass ich nebenher arbeiten soll, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen und mein Erspartes verbrauchen. Es geht nicht darum, dass bei uns zu Hause Geld fehlt. Mein Vater ist hoher Beamter, seine zweite Frau Lehrerin. Er findet es aus pädagogischen Gründen angemessen, nicht zu zahlen, sagt er. Ich will nicht gegen meine eigene Familie klagen – aber bin ich moralisch im Recht, wenn ich gegen seinen Willen durchsetze, dass er mir finanziell während meines Studiums hilft?
Von Achim Meyer auf der Heyde
Achim Meyer auf der Heyde ist Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Zuvor hat er in Berlin im Management großer Weiterbildungsunternehmen gearbeitet, in Hamburg leitete er die Behörde für berufliche Weiterbildung beim Bildungssenator. Er ist Mitglied im Hochschulrat der Bergischen Universität Wuppertal und Vorstand im Paritätischen Gesamtverband. Außerdem berät er die Bundesbildungsministerin im Beirat für Ausbildungsförderung.
Eindeutig: ja. Sie sind moralisch und juristisch im Recht. Das deutsche Unterhaltsrecht sagt klar: Eltern müssen für die Erstausbildung ihrer Kinder aufkommen – auch für ein Studium. Als ‚hoher’ Beamter müsste Ihr Vater das wissen, er handelt im Unrecht!
Dass Sie Skrupel haben, Ihr Recht durchzusetzen, kann ich verstehen. Aber sie sollen studieren, nicht arbeiten. Mein Tipp: Gehen Sie zum Studentenwerk und beantragen Sie die so genannte BAföG-Vorausleistung. Auch das Kindergeld kann direkt an Sie ausbezahlt werden, wenn Ihr Vater sich weigert, Sie zu unterstützen. Notfalls führt das BAföG-Amt Ihres Studentenwerks für Sie die Klage gegen Ihren Vater.
Auch muss Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater nicht auf Dauer leiden, zumal es ja schon gespannt ist, wenn Ihr Vater seiner Unterhaltsverpflichtung nicht nachkommt. Zu Ihrer Beruhigung: Mancher Vater kehrt schon aufgrund der peinlichen Nachfrage durch das BAföG-Amt auf den Pfad der Tugend zurück und sorgt dafür, dass sein Kind sein Studium nicht durch Endlosjobben und durch Aufbrauchen von Geldreserven gefährden muss. Das kann man tun
Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)
Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)
3 Kommentare