Weihnachten fällt einfach aus

Freche Kinder kriegen zu Weihnachten diesmal gar nix?

aboutpixel/Konstantin Gastmann

Kinder halten Weihnachtsgeschenke für eine Elternpflicht.Teilweise werden
richtig böse Dinge eingefordert. Dinge, die sich die Eltern schlichtweg
nicht leisten können. Ich will eine Kampagne vorantreiben:
Wir schenken zu Weihnachten NICHTS, weil die Kinder mit NICHTS
zufrieden sind. Dann ist allen geholfen. Tut man das?

kessler_katja_klein.JPG

Von Katja Keßler

Katja Keßler ist Journalistin, Kolumnistin und Buchautorin. In diesem Jahr erschien ihr Buch "Frag mich, Schatz. Ich weiß es besser". Zuletzt machte sie Schlagzeilen, als sie bei der Fernseh-Sendung "Erwachsen auf Probe" als Erziehungscoach mitwirkte. Die ausgebildete Zahnärztin half Jugendlichen, mit der Situation junger Eltern zu Recht zu kommen. Dazu bekamen junge Paare echte Babys "zur Probe". Keßler ist verheiratet und hat vier Kinder.

Das ist natürlich Kokolores. Wenn auch Kokolores mit hohem Sympathiefaktor. Eine jede Mutter, ein jeder Vater kennt sie, die Verzweiflung: ‘Hilfe, mein Kind kriegt den Hals nicht voll!‘ Nach der Zuckerwatte ist vor der Zuckerwatte, kaum steht der Computer auf dem Schreibtisch, will die kleine Blage auch noch einen Drucker. Da könnte man vor Wut in den Teppich beißen. Das Problem ist allerdings zweigeteilt. Zum einen leben wir in einer Konsumgesellschaft mit dem Schlachtruf „mehr!“, das Wort „Enthaltsamkeit“ ist vom Aussterben bedroht. Das leben wir unseren Kinder vor, sie imitieren nur, was sie bei den Großen sehen. Das heißt, den eigenen Kinder mit gutem Beispiel vorangehen. Zum anderen kommen Kinder als die größten Egomanen aller Zeiten auf die Welt. Nicht „Mama“ und „Papa“ sind die wahren ersten Worte, sondern „nein!“ und „mein!“ Das hat ihnen in Jahrmillionen das Überleben gesichert. Unsere Aufgabe als Eltern ist es nun, kleinen Menschen auf dem Weg zu großen Menschen die Tugend der Empathie zu vermitteln: ‘es gibt auch noch andere. Ich bin nicht das Zentrum des Universums.‘ Und bis es soweit ist, bis aus einer jauligen Blage vor dem Legoregal ein Wesen mit Koordinatenkreuz geworden ist, heißt es für die Großen: Pobacken zusammenkneifen, durchatmen, bis hundert zählen – und erklären, was ein Kind nicht hören möchte: „NEIN.“
Nicht immer. Aber immer wieder. Übung macht den Meister. Und wer jetzt zu Weihnachten anfängt, hat spätestens zum nächsten Kindergeburtstag davon gut. Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

8 Kommentare

Ursula Weidenfeld: 11.12.2009 - 15:12 Uhr

@andreas: Das tut man aber nicht

Zu Recht fragen Sie, wer bei www.das-tut-man-nicht.de antworten darf. Die Antwort ist einfach: Jeder und Jede, die tatsächlich etwas zu sagen hat. Und da hat eine Mutter von vier Kindern gelegentlich genau so viel Autorität wie ein Minister, oder Gewerkschaftschef. Wir glauben nicht, dass es einen Menschen im Land gibt, der sich zu allen ethischen Fragen auskennt und Antworten geben kann. Aber wir wissen, dass es viel mehr Menschen mit vernünftigen Positionen gibt, als man gemeinhin annimmt. Insofern sind wir dankbar für die Vielen, die ihr Wissen und ihr Urteilsvermögen zur Verfügung stellen. Und wir leben auch mit der Kritik - fragen uns aber in jedem Fall: Sind Vorurteile nicht auch dazu da, dass man sie gelegentlich revidiert? Mit freundlichen Grüßen Ursula Weidenfeld

Andreas: 11.12.2009 - 12:12 Uhr

Wer gibt hier Ratschläge?

Ich finde das Portal mit solchen Fragen, die viele Menschen beschäftigen, super! Deswegen ist es sehr wichtig, die gestellten Fragen von solchen Menschen beantworten zu lassen, die eine gewisse Qualifikation und Glaubwürdigkeit haben. Frau Keßler beschäftigt sich sonst in der BILD-Zeitung mit den Frisuren von Frau Effenberg und schreibt die Bücher Herrn Bohlens. Falls weiterhin die Entscheidung "das tut man nicht" auf einem Niveau knapp über der Briefkastentante von "Frau im Spiegel" beantwortet wird, sehe ich schwarz für diese Webseite. Schade!

Isidor: 07.12.2009 - 10:12 Uhr

Alternative: No-Go-Wunschzettel

Ich kann zu dieser Frage die Strategie und in der Praxis bewährte Erfahrung beisteuern, die Kinder einen „No-Go-Wunschzettel“ schreiben zu lassen: Sie sollen alles aufschreiben, was sie nicht haben wollen. Dann haben sie etwas zu tun und Christkind/Weihnachtsmann/Eltern haben die freie Auswahl unter dem grossen Rest und können dabei nix falsch machen.

Gabbels: 06.12.2009 - 11:12 Uhr

Weihnachten fällt aus...

... wenn es keine Geschenke gibt??? Wissen denn Ihre Kinder / wissen Sie, was Weihnachten bedeutet? NICHTS zu schenken, halte ich nicht für richtig, denn Weihnachten ist ein Fest der Freude, was auch mit Geschenken gefeiert bzw. ausgedrückt werden kann. Es kommt nur auf die Qualität der Geschenke an. Wird Weihnachten umso toller, je teurer und größer das Geschenk ist? Bei dem Gedanken wird mir schlecht!

guvo: 05.12.2009 - 08:12 Uhr

Verständnis statt Erwartung

Um die Weihnachtszeit herum scheint es tatsächlich so zu sein, als ob die Erwartungen der Kinder zum einzigen Maßstab für unser Denken und Handeln werden. Wahrscheinlicher scheint mir zu sein, dass die bloße Erwartungshaltung der Kinder einfach nur das Ergebnis unseres übers Jahr hin praktizierten sinnentleerten Denkens und Handelns ist. Unseres soll heißen, die von der Elterngeneration geschaffene Erwachsenenwelt. Nicht leicht, die Erwartungen auszugleichen, konkret im Familienkreis zum Beispiel. Der Berufsstatus der Eltern spielt eine Rolle dabei. Selbst der basiert nur auf Erwartungen. Erwartungen sollten letztlich Antrieb sein, um materiellen Mehrwert zu schaffen. Die Lebensqualität in Form von Selbstwertgefühl verliert dabei, wenn idellen Werten nicht mindestens gleiche Bedeutung zugemessen wird. Das hieße auf familiärer Ebene, nicht nur gemeinsam etwas zu unternehmen sondern die Lebensbedingungen unserer Welt und unseres Umfeldes zu verbessern. Wenn Kinder sehen, wo die gemeinsame Kraft hinfließt, dürften Sie das wichtige Verständnis entwickeln. Qualität ist etwas, das verständnisvolle Kinder genau so wert schätzen, wie die Großen. Wenn den Kindern diese Orientierung fehlt, kann Weihnachten trotz aller Lichterketten nicht den von uns allen ersehnten Glanz bieten. Es schadet jedenfalls nichts, die Kindern mit Werten zu beschenken, die ihnen helfen, sich zu orientiern. Selbst wenn sie erst später den Wert erkennen. Den Kindern nichts zu schenken ist sinnlos. Das-tut-man-nicht.

demokratur kommentiert bei Tagesspiegel.de: 03.12.2009 - 16:12 Uhr

ob es eine Elternpflicht ist, auch frechen Kindern zu Weihnachten etwas zu schenken...

Ob man zu Weihnachten überhaupt IRGENDWEM etwas schenken muss

Zacha kommentiert bei Tagesspiegel.de: 03.12.2009 - 16:12 Uhr

Zweifelhafte

Qualifikation die die Dame hat. Klingt ja alles nicht unplausibel, aber plausble Thesen sind noch lange nicht richtige Thesen. Ich habe gar nichts gegen ihre Aussagen. Aber ich mag diese Hörigkeit auf scheinqualifizierte Ratgeber ("Erziehungscoach" im Fernsehen und ausgebildete Zahnärztin?) nicht sonderlich. Sie kann sehr viel Schaden anrichten.

skynoheaven: 03.12.2009 - 08:12 Uhr

Geschenke oder Pflichtabgaben?

Es ist schon so, dass allen ( nicht nur Kindern) begreifbar gemacht werden sollte, das ein Geschenk eben ein Geschenk ist! Die Selbstverständlichkeit mit der die Verweigerung eines Geschenkes mit Liebesentzug verwechselt wird ist von unserer Konsumgüterindustrie gewollt, aber entweiht jeden Gedanken Freude bereiten zu wollen. Das Muss man sogar an und ab tun!

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Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]