Wenn sich die Enkel das Falsche wünschen

Computerspiele verschenken, auch wenn man sie für schädlich hält?

aboutpixel/Patrick Klopf

Mein Sohn hat gestern angerufen, um die Weihnachtswünsche unserer Enkel zu übermitteln. Nun haben wir uns ja schon damit abgefunden, dass die Kinder keine Wunschzettel an uns schicken. Aber dass wir Computerspiele schenken sollen, finde ich doch allerhand. Mein Vorschlag, doch lieber ein paar Buchtitel auszusuchen, die den Kindern Freude machen, wurde mit dem Hinweis beschieden, wir müssten halt überlegen, ob wir den Kindern ein Geschenk machen oder ob wir sie zu Weihnachten erziehen wollten.  Tut man das – etwas schenken, das den Familienfrieden sichert, aber den eigenen Vorstellungen nicht entspricht?

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Von Ingrid Biedenkopf

Ingrid Biedenkopf ist mit dem sächsischen Ministerpräsidenten a.D., Kurt Biedenkopf, verheiratet. Das Paar hat 12 Enkel.

Weihnachten ist ein Fest der Liebe und sollte nicht als Plattform für Erziehungsmaßnahmen genutzt werden. Wenn sich ein Kind von ganzem Herzen ein neues Computerspiel wünscht, würde ich mich nicht einmal von meiner persönlichen Meinung zum Sinn dieser Spiele davon abhalten lassen, es ihm auch zu schenken. Ich würde eher versuchen, auf sanftere Weise das Bedürfnis des Kindes und meine Intentionen unter einen Hut zu bringen. Zum Beispiel, indem ich erstens auf die Qualität des Spiels achte (es gibt durchaus auch Computerspiele, die eben spielerisch etwas Sinnvolles vermitteln) und zweitens dazu ein gutes Buch schenke. Wichtig ist es auch, mit den Kindern über das, womit sie sich beschäftigen, zu sprechen, Interesse an dem zu signalisieren, was ihre Welt ist, und mit ihnen gemeinsam Regeln aufzustellen. Die meisten Kinder kommen gut damit zurecht, eine zeitliche Grenze bei der Nutzung ihres Computers einzuhalten. Und damit verlieren viele Dinge, die uns Erwachsenen fremd sind, schnell ihren Schrecken. Ein Kind unter seinen Freunden dumm dastehen zu lassen, weil es nie richtig mitreden kann, nein, das tut man nicht. Hier heißt es, einen Schritt zurückzutreten, mit Verständnis zu reagieren und zu versuchen, darauf aufzubauen. Das kann man tun

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

2 Kommentare

M. Pfaff: 11.01.2010 - 22:01 Uhr

Moralischer Konflikt

Ich kann gut verstehen, dass die Verwandten diese Geschenke ungern entrichten. Die BEschenkung der Kinder sollte aber Vorrang haben vor der eigenen "Selbstbefriedigung", ihnen etwas Anständiges gegeben zu haben. Ich weiß, dass die Kinder gerade zu Weihnachten eine sehr hohe Erwartungshaltung haben (eigentlich schon nicht richtig, zugegeben), und diese wird halt mit dem "falschen" Geschenk enttäuscht. Ich gehe natürlich davon aus, das "objektiv" gesehen das Computergeschenk auch altersmäßig angemessen ist. Den zweifelnden Tanten und Großeltern empfehle ich, einfach zwischendurch mal ein gutes Buch zu schenken. Das nehmen die Kinder dann womöglich wirklich dankbar an und können es auch wertschätzen (ein "Fehlgeschenk" unterm Christbaum landet schnell auf ewig in der Zimmerecke). Die Fragestellung macht es zudem schwierig zu entscheiden; eigentlich sollte man sagen: DAS KANN MAN AUCH MAL NICHT TUN. 'Auf keinen Fall tun' lehne ich zumindest ab.

S. Bittmann: 14.12.2009 - 09:12 Uhr

Wofür man steht

Die Antwort von Frau Biedenkopf halte ich für ausgewogen, da mehrere Aspekte berücksichtgt werden. Natürlich sollte man sich nach der Neigung des Kindes richten und es ist Fakt, dass man Kinder gerade von neuen Medien, die Hauptkommunikationsmittel unter den Gleichaltrigen darstellen, nicht isolieren kann und sollte. Dennoch tendiere ich dazu, das es wichtig ist, dass man gerade als Großelternteil deutlich macht, wofür man steht und Flagge zeigt. Das heißt für mich, dass man keine Geschenke schenken kann, die man selbst für unwert hält, auch wenn es erwünscht ist. Daher sollte man aus meiner Sicht sich durchaus nach dem Wunschthema richten und das entsprechend der eigenen Überzeugungen "übersetzen". Und wenn wir mal ehrlich sind - was bleibt später in Erinnerung? "Die Oma hat mir immer Computerspiele geschenkt, oder die Oma hat mir andere Werte mitgegeben (z. B. über die eigene Person Anregungen mitgegeben). Das findet man vielleicht im Alter von 8 Jahren noch uncool, aber ich denke, später erkennt man den Weg oder kann zumindest darüber schmunzeln. Außerdem sind wir oftmals auf eine falsche weise viel zu empfängerorientiert, was die Kleinen angeht. Natürlich sollten die Bedürfnisse und Interessen des Kindes im Mittelpunkt stehen, aber Kindern fehlen doch gerade oft Personen, die straight zu sich stehen. Und dazu gehört auch, sich gegen die Dinge auszusprechen, die ein anderer gut findet. Daher wäre aus meiner Sicht ein Geschenk besser, dass sowohl dem Kindesinteresse entspricht, als auch vom Schenker gerne geschenkt wird und eventuell ein Hinweis, warum das andere nicht geschenkt wurde.

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