Überfüllte Züge

Überfüllte Züge

BMWI

Wie so oft war der Zug von Hamburg nach Berlin überfüllt. Nachdem ich mit meiner 2. Klasse-Fahrkarte zwanzig Minuten stehen musste, sah ich, wie der Schaffner durch die benachbarte erste Klasse ging. Nachdem er kontrolliert hatte, setzte ich mich einfach auf einen freien Platz in der ersten Klasse. Es gab keinen weiteren Halt bis Berlin, also auch niemanden, dem ich den Platz weggenommen habe. Kann ich das machen? 

Von Andreas Frank

Andreas Frank ist 1972 geboren und arbeitet in der IT-Branche. Seit zehn Jahren arbeitet er als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei dem Fahrgastverein Pro Bahn mit. Dorthin können sich Bahnkunden wenden, wenn sie Probleme mit der Deutschen Bahn haben. Seit einigen Jahren ist Frank der Mann, bei dem die Anfragen im Kummerkasten von Pro Bahn landen. 

Die Tarifordnung ist hier ganz eindeutig: Das können Sie nicht tun. Was allerdings geht, ist den Schaffner zu fragen. Er kann Ihnen den Wechsel in die erste Klasse erlauben. Bei sehr überfüllten Zügen machen die Zugbegleiter das manchmal, oder auch bei gesundheitlichen Behinderungen des Fragenden. Es lohnt sich also in jedem Fall, sich an die Zugbegleiter zu wenden.  Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

6 Kommentare

Florian: 23.05.2010 - 23:05 Uhr

Geiz

Das tut man nicht oder nur so lange bis die Bahn gezwungen wird Regeln zu erlassen und dann wird es auch für ältere oder angeschlagene Personen keine Ausnahme mehr geben. Die Sitzplatzreservierung ist jetzt nicht unbezahlbar und ein Ticket der 2. Klasse erlaubt nun mal nur das durchqueren der 1. Klasse. Wenn ich ein Sitzplatz in der 1. Klasse nehme, z.B. weil die 2. Klasse ausgebucht ist, ärgere mich solche Fahrgäste. Sie demonstrieren mir deutlich wie man auf Kosten der anderen Fahrgäste Geld sparen kann und wie doof ich doch bin. Am besten dann noch den anderen Fahrgästen erzählen wie viel man gerade gespart hat und wie doof doch manche Fahrgäste sind, die für diesen Service noch Geld ausgeben. Wenn Regeln nicht freiwillig eingehalten werden, dann wird es früher oder später Strafen oder Gegenmaßnahmen (z.B. kein Durchgang von 2. zur 1. Klasse) geben.

Monika Stiller: 23.05.2010 - 12:05 Uhr

Immer wieder ärgerlich.....

....diese Einstellung, für mich ist das nichts weiter als die allseits beliebte "Schnäppchenjägerei". So ärgere ich mich jedes Mal - und das beobachte ich sehr oft -, dass auch bei Konzerten, Theaterabenden und ähnlichen Veranstaltungen in derselben Art und Weise nach bevorzugten - und eben auch teureren Plätzen - die Jagd aufgenommen wird. Ganz nach der Devise: "Kleiner Preis, trotzdem teurer Platz und darüber hinaus noch gespart". Manchmal ist bereits bevor die Vorstellung beginnt eine allgemeine Unruhe zu bemerken. Spätestens jedoch nach der Pause beobachte ich einen allgemeinen Aufbruch zu besseren Plätzen. So hat man - wenn einen das Pech besonders verfolgt - plötzlich einen ganz "Großen" vor sich, der nun plötzlich für wenig Geld einen tollen Platz besetzt, obwohl man selbst den regulären Preis bezahlt hat. Dabei denke ich immer an den Sketch von Loriot, bei dem das Konzert aus diesen Gründen verspätet beginnen muss. Eine gutes Mittel, dass ich dann trotz des Ärgers wieder schmunzeln kann. Herzlichst - Monika Stiller

Isidor: 08.12.2009 - 21:12 Uhr

Nachtrag: Immer auf der sicheren Seite/Klasse

Der kommodeste Weg ist natürlich der, einen Platz im Speisewagen - so vorhanden - zu ergattern, quasi zwischen der 2. und 1. Klasse. Ein Croissant mit Kaffee oder ein Weizenbier ist allemal billiger als der Aufschlag zur 1. Klasse, falls man Zugb egleiter/in nicht von seiner Notlage freundlich überzeugen zu können glaubt. Das kann man immer versuchen.

Isidor: 08.12.2009 - 21:12 Uhr

Immer auf Verdacht

Das kann man machen und tut man auch besser, wenn die Fahrt noch länger dauert. Allerdings auf die berechtigte Gefahr hin, dass man von Zugbegleiter/in der Klasse und des Sitzplatzes verwiesen wird. Denn Herr Frank hat bestimmt recht - ausser man bezahlt auch in der 2. Klasse für einen Sitzplatz (was ich nicht weiss) statt ausschliesslich für die Beförderung. Aber: Das eigentlich Wichtige erscheint mir als Viel-Bahnfahrer und Beobachter solcher und vergleichbarer Situationen - freundlich zu den Zugbegleiter/innen und sich seines (Un-)Rechtes bewusst zu sein und beispielsweise anbieten, den Platz wieder zu räumen, falls doch ein erstklassiger Fahrgast kommt. Das Zugpersonal ist wirklich besser und verständnisvoller als sein Ruf. Also: Das tut man lieber mal.

skynoheaven: 07.12.2009 - 10:12 Uhr

Das kann RICHTIG teuer werden!

In exakt genau der gleiche Situation war ich vor einigen Jahren von Bielefeld nach Berlin im überfüllten IC. Wurde konntrolliert und musst die VOLLE 1.Klassefahrt nachlösen. Das 2.Klasse Ticket konnte nicht gegengerechnet werden. Da ich dummerweise eben dieses vorzeigte, galt dies auch für die zurückgelegte Strecke. Das Aufbegehren, dann eben wieder in die ZWEITE zu wechseln, wurde grinsend mit " Det is nu zu spät, Meister" beschieden. Aber: Das soll man sogar tun! Wenn Hunderte das machen und sich beschweren bietet die Bahn vielleicht einen aktzeptablen Weg an.

guvo: 07.12.2009 - 07:12 Uhr

Bon Courage

Es dürfte ganz bei Ihnen gelegen haben, wann, ob und wie Sie sich entscheiden. Wer sollte in Ihrem Fall gegen einen Wechsel in die 1. Klasse ernsthaft etwas einzuwenden gehabt haben? Aus der von Ihrer Sicht her beschriebenen Lage verhielten Sie sich sehr achtsam, geradezu vorbildlich. "Es gab keinen weiteren Halt bis Berlin." Die Tarifordnung ist doch für die Menschen da. Oder nicht? Klar, dass Sie sicher aufgestanden wären, wenn Ihnen ein Fahrgast aufgefallen wäre, der den freien Platz nötiger gehabt hätte als Sie. Das hätte Sie der nette Schaffner mit Sicherheit auch gefragt. Bon Courage! Das-kann-man- tun.

Kommentar schreiben



Kommentar des Tages

Thilo Sarrazin und die Moral
Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben. Es heißt "Deutschland schafft sich ab". Im Kern wird darin festgestellt, dass intelligente und gebildete Deutsche gerne darauf verzichten, sich das Leben mit Kindern zu beschweren. Unintelligente und ungebildete Einwanderer dagegen gründen Familien. Deshalb, so folgert Sarrazin, wird Deutschland dümmer. Sind das Buch und sein Autor deshalb unmoralisch? [>]

Ein Kommentar von:
Ursula Weidenfeld
www.das-tut-man-nicht.de

Sophisticated Mums

21.08.2010

Sechs Wochen sind zuviel des Guten. Das jedenfalls finden die sophisticated mums Inge Kloepfer und Gerlinde Unverzagt. Die lange Ferienstrecke strapaziert so ziemlich jede berufstätige Mutter und passt schon lange nicht mehr in die Zeit. Kloepfer plädiert für eine Verkürzung. Unverzagt dagegen will die lieben Kleinen auf keinen Fall der Schule überlassen. Sie fordert jeden Sommer bezahlte Elternzeit.  [>]

Meistgelesen

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Müssen erwachsene Kinder ihre Eltern pflegen - auch wenn sie einen Widerwillen dagegen haben? [>]

Meistkommentiert

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr - die Reichen und die Kirche [>]
Mein Sohn spielt mit Schmuddelkindern. Darf ich es verbieten? [>]

So funktioniert das-tut-man-nicht.de

10.10.2009

So etwas tut man nicht. Richtig vermisst wird dieser Satz erst, seitdem man ihn nirgends mehr hört: An Fragen mangelt es nicht. Anständig leben wollen viele - aber Leitplanken für ein anständiges Leben zu setzen, sie zu pflegen und stabil zu erhalten, das ist schwieriger geworden. Wer zweifelt, ob ein Vorhaben in Ordnung ist, oder nicht, bekommt immer vorsichtigere Antworten. Je größer das Problem, desto leiser die Replik.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie etwas tun können - oder ob Sie es lieber lassen sollten - können Sie Ihre Frage an uns schicken. Wir bemühen uns, die richtige Antwort-Person für Sie zu finden. Danach werden Sie vielleicht besser einschätzen können, wie Sie Ihre Frage beantworten können. Können, nicht müssen. Schreiben Sie uns info@das-tut-man-nicht.de [>]