Der größte Lump im ganzen Land ...

Sozialbetrüger anzeigen

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Bekannte anzeigen, die zu unrecht Hartz IV  beziehen. Tut man das?

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Von Hubertus Pellengahr

Hubertus Pellengahr ist seit Januar 2010 Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Berlin.  Vorher galt er vielen als "Mr. Einzelhandel". Er war Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Einzelhandels und kommentierte monatlich die Umsatzzahlen. Sie gelten als einer der wichtigsten Hinweise darauf, ob die Verbraucher Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung haben oder nicht. 

"Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Die Worte von Hoffmann von Fallersleben haben Bestand, selbst wenn ich mich maßlos darüber ärgere, dass jemand, den ich kenne zu unrecht meine Steuern einsteckt. Aber Denunziantentum, angetrieben von Neid, Missgunst oder der Aussicht auf den eigenen Vorteil, steht einer Demokratie schlecht zu Gesicht. In der Konsequenz würden wir immer uniformer, verlogener und selbstverständlich unfreier. Die Grenzen sind ja fließend: heute der falsche Hartz-Empfänger, morgen der Falschparker, übermorgen derjenige, der eine braune Glasflasche in den Weißglasbehälter wirft. Tut man also nicht! Gerade als Steuerzahler aber erwarte ich, dass das Geld ordentlich verwendet und verwaltet wird. Dazu gehört, dass Missbrauchsanreize so gering und die Überprüfung, egal ob bei Hartz IV- oder Subventionsanträgen, so streng wie möglich sind. Hier sind also die verteilenden Behörden gefragt. Was man sonst noch tut: sich einmischen. Die Meinung sagen. „Das Gewissen ist eine Schwiegermutter, deren Besuch nie endet“, lautet ein anderes Bonmot. Ins Gewissen zu reden ist fast schon eine staatsbürgerliche Pflicht. Ich also würde die mir bekannte Person ansprechen. Vielleicht lacht der mich dann aus, weil ich ein verlorener Gutmensch sei, der es nicht verstände, die Systeme anzuzapfen. Das müsste ich dann in meiner moralischen Überlegenheit weglächeln und ihn bei Gelegenheit daran erinnern, dass es nicht nur Bürgerrechte gibt, sondern eben auch Pflichten! Hoffmann von Fallersleben hatte beides verloren. Weil er in seiner demokratischen Gesinnung zu aufmüpfig (und mehrfach angezeigt) wurde, verwies ihn der preußische Staat zuerst seines professoralen Amtes und dann des ganzen Landes. Das tut man nicht

Das kann man tun:.......... 1 Stimme(n)

Das tut man nicht:.......... 1 Stimme(n)

12 Kommentare

Roland: 01.09.2010 - 10:09 Uhr

Glasflaschenfalscheinwerfer und Schwiegermütter

Schade, daß Sie die Diskussion mit dem Wort "Denunziant" eröffnet haben -- es ist zutiefst negativ besetzt und verhindert somit die weitere sachliche Diskussion. Weckt Assoziationen an willkürliche Verschleppungen in Arbeitslager bei Wasser und Brot, egal ob unter Rechts- oder Linksextremistischen Systemen. Um nun also auf dieser polemischen Ebene zu bleiben: Warum denn "falsche Hartz-Empfänger" -> "Falschparker" -> "braune Glasflasche in den Weißglasbehälter" und warum nicht "falsche Hartz-Empfänger" -> "Bankräuber" -> "Mörder"? Würden Sie einen Mörder nicht anzeigen, weil Sie sich über die Grenzen zum "Denunziantentum" nicht im Klaren sind?? Sie merken schon: Sie verharmlosen und ich dramatisiere. Es geht schließlich weder um den Mörder noch um den Glasflaschenfalscheinwerfer. Polemik hilft hier also nicht weiter. Daß ich mit Menschen, die ich für unlauter halte, nicht befreundet sein muß, sondern eher Abstand von ihnen suche (da ich diese Menschen und ihre blöde Einstellung auch nach zig Versuchen nun mal nicht zu ändern vermag), ist doch wohl klar. Das löst aber nicht das Problem mit dem Betrug. Zur Erinnerung: Hartz IV ist für diejenigen da, die es *benötigen*, und ich bezahle es von meinen Steuergeldern mit -- und ich tue das sogar gerne, solange ich davon ausgehen kann, daß dieses Geld korrekt verwendet wird. Betrug ist ein Straftatbestand, einem begründeten Verdacht muß immer nachgegangen werden, und sich blind darauf zu verlassen, daß "irgendwer sich schon drum kümmern wird", kann's ja wohl nicht sein, sperrt bildlich gesprochen das Gewissen namens Schwiegermutter im Gästezimmer ein, wo sie auf ewig zu Besuch bleiben kann, solange sie sich da nur bloß nicht rausbewegt -- es löst weder das ursprüngliche Problem noch den eigenen Umgang mit ihm. Jemanden anzuzeigen tut man sicherlich nicht gerne, aber zur Erinnerung: Wir leben in einem Rechtsstaat, und so wird derjenige einfach nur für seine Verfehlung (sofern da eine ist, ebendieses soll ja gerade herausgefunden werden) geradestehen müssen. Also: Man muß es nicht zwingend tun, und vor allem darf man nicht "gewerbsmäßig" Leute ausspionieren, um sie zu verpfeifen, aber wenn man auf einen konkreten Fall gestoßen wird und der einen auch noch besonders bedrückt, dann kann man das durchaus tun.

Sabine Schwandt: 02.06.2010 - 17:06 Uhr

Sozialbetrüger anzeigen

Eine - wie ich dachte - gute Freundin von mir arbeitet schwarz und erhält Hartz IV. Als ich sie darauf ansprach meinte sie nur "dafür habe ich 2 Kinder, die dich später ernähren", aber leider haben die Kinder auch keine Arbeit und bekommen auch Geld vom Staat. Mittlerweile ist die Verbindung von seitens meiner "Freundin" abgebrochen worden.

chamster kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 21:01 Uhr

wer Betrug duldet

wird selber irgendwann betrogen. Manchen ist das egal, anderen nicht. Die Frage ist doch: wo wird diese Gesellschaft mal enden, wenn die Gesellschaft ihre eigegen Werte nicht lebt? Es wird ein Verfall dieser Werte eintreten und Kinder wachsen in solchen Verhältnissen auf, lernen gar nichts anderes mehr kennen außer Lug und Betrug, das ist schon heute nichts Ungewöhnliches mehr. Sehr schade für diese Generationen, dass man ihnen nicht mehr mit auf den Weg gibt

sct kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 21:01 Uhr

Ist mir egal

Was ist ein Sozialschmarotzer? Es gibt solche und solche. Die eine Gruppe bekommt Hartz und ist seit Jahren trotz Bemühens immer noch ohne Job. Wenn von denen einer schwarz sich etwas dazu verdient, finde ich das völlig ok und richtig. Die Hinzuverdienstgrenzen sollten deutlich angehoben werden. Wenn aber jemand seit Jahren bei jeder Jobvermittlung zum Arzt rennt um den angebotenen Job nicht annehmen zu müssen, ärgere ich mich schon, daß das Job Center nicht richtig kontrolliert. Trotzdem würde ich nicht soweit gehen und die - trotzdem - armen Teufel anzeigen. Das trifft auch auf andere Vergehen zu, wie z.B. besoffen Auto fahren, Ladendiebstahl usw. solange keine Armen trifft.

aussteiger kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 21:01 Uhr

Soll man denunzieren oder nicht?

Ich war in einer Branche selbstständig in der der die Schwarzarbeit sehr verbreitet war, also kann jeder wissen wie ich über Schwarzarbeit denke. Schwarzarbeit ist Betrug an allen, dem reellen Arbeitgeber, dem Staat und allen die normal ihre Einkünfte versteuern und sozialversichern. In den letzten Jahren arbeite ich ehrenamtlich in der Suchthilfe und dieser Verein hat über verschiedene Träger MEA-Kräfte. Einige dieser MAE-Kräfte wünschen das unser Verein Rücksicht auf ihre Schwarzarbeitzeiten nimmt. Bis jetzt hat es immer gereicht, das ich damit gedroht habe diese Schwarzarbeit anzuzeigen. Dann haben diese MAE-Kräfte es immer abgelehnt ihre MEA-Tätigkeit weiterzuführen.

Zacha kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 15:01 Uhr

Zu lasch

Sicherlich ist es als moralisch falsch anzusehen, gleich zum Denunzianten zu werden. Aber man muss schon den moralischen Kompass feiner justieren. Ist es moralisch zulässig, im Zweifelsfall nichts zu tun und damit zu ermöglichen das jemand weiter anderen schadet indem er zu Unrecht Leistungen bezieht? Sollte ich jemanden, der, mal übertrieben gesagt, regelmäßig einmal pro Monat die Dame von nebenanausraubt nur ins Gewissen reden und ihn, wenn er weitermacht, es weitermachen lassen? Das ist Gefälligkeit. Ich mag ihn, also erlaube ich ihm auch anderen zu schaden. Nein, das kann moralisch nicht richtig sein. Ich persönlich denke, man sollte anfangen mit ihm darüber zu reden. Man muss ihn davon abbringen, weiter Unrecht zu begehen. Wenn er dies auf Dauer nicht tut, steckt man in einer schwierigen Lage. Man muss beurteilen, wie groß das "Unrecht" ist was jemand tut. Und was für Folgen das "Denunzieren" hat. Im Fall von Sozialbetrug, so erschleicht tsich jemand Leistungen die ihm nicht zustehen, er nutzt die Hilfe anderer schamlos aus. Wenn er angzeigt wird, wird die größte Folge für ihn sein das er dies nicht weiter tun kann und er den Schaden zurückerstatten muss. Er wird nicht ins Todeslager geschickt. Ich würde nicht sagen, das es ein moralischer Imperativ wäre, ihn, selbst wenn er auf andere eindringliche Maßnahmen nicht reagiert, anzuzeigen, würde ich nicht sagen. Aber es ist auch nicht falsch. Es ist eine Gewissensentscheidung. Und man sollte sich hüten aus persönlicher Symphatie oder Antiphatie zu entscheiden, denn das wäre ungerecht.

froggy08 kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 15:01 Uhr

Was soll die Hatz auf Sozialbetrüger, wenn

zur gleichen Zeit sich ganze gesellschaftliche Gruppen aus der sozialen Verantwortung stehlen und hemmungslos Geld kassieren für den größten Mist? Oder anders gefragt, wer richtet mehr Schaden an? Gierige und verantwortungslose Manager und Bankleute, die Menschen um Haus und Hof bringen und ganze Staaten in den Ruin treiben oder der Hartz IV Empfänger, der sich ein neues Sofa erschleicht? Die Unterstützung der Armen dient dem sozialen Frieden. Das ist ein sehr hohes Gut, das man nicht gefährden sollte, wenn man mal die Zustände in Südamerika oder Afrika vor Augen führt. Und wenn sich ein Armer eine Leistung erschleicht, die ihm nicht zusteht, ist das der Preis für den sozialen Frieden, die unsere Gesellschaft eben zahlen muß. Wir sind ja auch bereit ganz andere Preise zu zahlen. Jedes Jahr stirbt von der Einwohnerzahl her eine ganze Kleinstadt auf deutschen Strassen. Der Preis der Mobilität, den wir ohne murren alle zahlen. Regen wir uns also nicht über Sozialbetrug im Kleinen auf, sondern jagen wir lieber Steuerhinterzieher, Bestecher und Manager von ihren gut dotierten Posten. Aber das geht halt nicht so schnell und einfach, wie das Entfachen der Hatz auf Sozialbetrüger.

robert56 kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 15:01 Uhr

Finde ich falsch.

Ich denke das ist falsch. Man sollte und muss wenn Sozialleistungen zu Unrecht bezogen werden einschreiten. Es ist ja auch zu "Wohl" derer die in den Medien immer so präsent sind (Alleinerziehende, Ältere...) und erzählen sie hätten so wenig zum leben. Wenn mehr Geld vorhanden ist kann es dem der es wirklich braucht leichter gegeben werden/auch mehr. Sozialbetrug ist kein Kavaliersdelikt wie vielleicht "Falschparken".

Jetbundle kommentiert bei Tagesspiegel.de: 19.01.2010 - 15:01 Uhr

Bessere Frage

Zeigt man einen persoenlich bekannten Straftaeter an. Oder was macht man bei Fehlverhalten von Bekannten. Ob Sozialbetrug oder was anderes spielt keine Rolle. Was macht man wenn der Freund von Sohnemann verdaechtig tolle Gadgets hat oder sogar mit Ladendiebstal und "Abziehen" angibt? Was mach man wenn sich der Kollege aus der Kaffekasse bedient? Oder mit dem Kollegen der sich weder Haende waescht noch die Klospuelung betaetigt? Oder mit dem Vereinskollegen, der sich trotz 5 Halben nicht vom Autofahren abhalten laesst? Flach ausgedrueckt: Das kotzt einen doch alles an! Die Antwort kann sein: Stark sein, und den Taeter deutlich verachten und keinen Hehl aus der Abscheu machen. Denn bei Zustimmung kommt sicherlich kein schlechtes Gewissen auf.

guvo: 19.01.2010 - 13:01 Uhr

@ Benno

Ihre Meinung ist keinesfalls Blech. Nur werden Sie nicht der Letzte sein, der nicht auch eine Schmerzgrenze hat. Wo liegt die? Schöne Grüße

Benno Blech: 19.01.2010 - 12:01 Uhr

Schwarzarbeit ist besser als klauen oder verhungern!

Menschen, die am Tag 400 Euro bekommen um sich Hintern irgendwo in Politik oder Wirtschaft platt zu sitzen und beschlossen haben, dass Mitmenschen mit diesem lächerlichen Betrag, trotz ständiger Preissteigerungen und nicht kalkulierbarer Ereignisse, zurecht kommen müssen, gehören in Gewarsam. Sie verbieten ihnen sogar den Zuverdienst. Leute arbeitet Euch schwarz, nur diese Arbeit hilft Euch beim Überleben! Unterbezahlte Job schreien förmlich danach den angeblichen Kapitalisten zu kippen. Wer keine anständigen Löhne zahlen kann, hat ein falsche Konzept oder bewegt sich ganz nah am Feudalismus. Jagt sie aus dem Land und dient ihnen nicht!!!! Es lohnt sich nicht! Legt Euch mit einem Buch an südliche Strände, Orangen wachsen dort überall! Benno Blech

guvo: 19.01.2010 - 11:01 Uhr

Ein NEIN verbietet sich.

"Betrug ist Betrug", kommt es mir in den Sinn. Egal, wie auch immer man die Sache wenden und drehen mag . Um rechtswidrige Bereicherungsabsicht und um nichts anderes geht es hier. Trotzdem könnten es die Umstände sein, die von Fall zu Fall eine andere Betrachtung erlauben. Bezogen also nicht nur auf die Schuldschwere, sondern überhaupt. Es könnte auch Diebstahl sein zum Beispiel. Schließlich handelt es sich um widerrechtlich erstandene Geldleistungen, die sich aus dem allgemeinem Abgabenaufkommen zusammensetzen. Wissender und Täter stehen jedoch wegen des Gesellschaftsvertrages mit dem demokratischen Rechsstaat, der die beiden verbindet in einem Näheverhältnis. Anders würde es schlimmer für den Täter kommen So bleibt es beim Betrug. Von daher würde der Täter sogar ganz gut wegkommen, wenn eine Anzeige gegen ihn laufen würde. Dass ein sogenannter Schmarotzer seinen Berufsstand verlieren oder gar außer Landes verwiesen werden könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Die Drohung, dass die Demokratie untergehen würde, halte ich für Kopflosmacherei. Bangemachen gilt nicht! Jedoch da, wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter. Bei der Entscheidung, ob man jemanden anzeigt oder nicht ist jeder frei. Dieser Umstand gilt für den demokratischen Staat unumschränkt. Die Gefahr sehe ich eher dort, wenn, wie in Hessen geschehen, fähige Finanzbeamte wegen ihrer guten Arbeit bei der Verfolgung von Steuerhinterziehern vom Hessischen Finanzministerium aus einfach kalt gestellt werden. Also: Zu sagen, das tut man nicht, vierbietet sich, egal auf welcher Ebene Daher: Das-kann-man-tun.

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